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Olympia 2016: Deutscher Sportler rechnet mit Ostblock-Athleten ab

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VELAGIC
Velagic verpasste eine Medaille. Gegen die Konkurrenz sei es aber gar nicht möglich gewesen. | Clive Brunskill via Getty Images
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  • Der deutsche Gewichtheber Almir Velagic hält viele Athleten aus Osteuropa für gedopt
  • Besonders die Leistung eines Athleten aus Kasachstan sei verdächtig
  • Viele Sportstars hatten in den vergangenen Tagen auf mögliche Dopingvergehen hingewiesen

Und wieder gibt es Anschuldigungen gegen Dopingbetrüger bei den Olympischen Spielen.

Der stärkste deutsche Starter Almir Velagic hatte beim Finale in Rio keine Chance gegen die Konkurrenz aus Osteuropa. Für ihn ist deshalb klar: Seine Konkurrenten nutzen unerlaubte Mittel.

"Die Konkurrenz war einfach so brutal", sagte Velagic. "Eine Medaille wäre nicht drin gewesen, auch wenn ich einen Riesen-Wettkampf gemacht hätte", konstatierte der 34-Jährige.

"Der Kasache war schon mal positiv"

Ein mögliches Karriereende macht er deshalb von der Entwicklung des Sports abhängig: "Wie lange ich es mir noch antue, ich weiß es nicht. (...) Aber wenn der Sport sauberer wird, will ich nicht zu Hause sitzen und sagen 'Okay, die Leistung könnte ich noch machen und auf dem Treppchen stehen'."

Velagic hatte schon vor seinem Wettkampf Dopingvergehen bei der Konkurrenz angeprangert. "Wenn man sich die Wettkämpfe hier angeguckt, dann ist das einfach nur peinlich", sagte er der Zeitung "Welt".

Besonders auf einen Athleten hat Velagic ein Auge geworfen: den Kasachen Nijat Rachimow, der in der Klasse bis 77 Kilogramm Gold gewann. "Der Kasache (...) war schon mal positiv, kommt zurück aus der Sperre und macht vierzig Kilo mehr", sagte Velagic. "Es ist wirklich lächerlich." Das Doping bedrohe die Olympia-Zugehörigkeit des Sports.

Trainer hat keinen Überblick mehr über Doping-Sünder

Bundestrainer Oliver Caruso hatte zuvor neun Ländern systematisches Doping vorgeworfen - aus diesen Nationen gingen sechs Superschwergewichtler an den Start.

Gewichtheber aus Russland, Bulgarien und Aserbaidschan durften wegen Dopings nicht in Rio antreten. Nach dem letzten Wettkampf in Rio sagte Caruso, er habe selbst keinen Überblick mehr, wer schon alles gedopt habe.

Viele prominente Athleten haben sich in den vergangenen Tagen das Dopingproblem bei den Spielen kommentieren.

Der Schwimm-Superstar und 19-fache Olympiasieger Michael Phelps sagte "Es bricht mir das Herz", nachdem die russische Schwimmerin Julija Jefimowa, ihren Start in Brasilien vor dem Internationalen Sportgerichtshof trotz Dopingmissbrauchs 2013 erstritten hatte.

Auch der Ex-Gewichtheber Matthias Steiner fand deutliche Worte: "Es ist ein Drama, es ist ein Skandal, es muss etwas passieren", sagte der deutsche Goldmedaillen-Gewinner von Peking 2008 der "Bild".

Russische Whistleblowerin bangt um ihr Leben

Eine der schärfsten Kritikerinnen der Athleten aus den ehemaligen Ostblock-Staaten ist die russische Doping-Julia Stepanowa. Die Aussagen der 800-Meter-Läuferin hatten maßgeblich dazu beigetragen, dass Ermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA Beweise für die Doping-Praktiken unter anderem in Russland zusammentragen konnten.

Auf Grundlage dieses Berichts waren die russischen Leichtathleten von den Olympischen Spielen in Rio ausgeschlossen worden.

Nun bangt Stepanowa um ihr Leben.

ARD-Journalist steht unter Polizeischutz

"Wenn uns etwas passiert, dann müssen Sie wissen, dass es kein Unfall war", sagte sie am Montag in einer Videokonferenz, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Sie und ihr Mann würden alles unternehmen, um in Sicherheit zu bleiben. "Uns ist aber klar, dass, wenn uns jemand wirklich etwas antun wollte, sie damit wahrscheinlich Erfolg haben würden."

Die Enthüllungen von Stepanowa zeigen, wie stark russischen Athleten unter Druck gesetzt werden, die sich klar gegen das systematische Staatsdoping stellen.

Auch der ARD-Journalist Hajo Seppelt, der seit Jahren immer Dopingskandale aufdeckt, wird regelmäßig von Sportfunktionären und Medienvertreten aus Russland angefeindet. In Rio steht er deshalb unter Polizeischutz.

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