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Warum Väter für die Entwicklung von Kindern so wichtig sind

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VATER KIND BEZIEHUNG
Das Verhältnis zwischen Vater und Kind ist für die Entwicklung entscheidend | iStock
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Väter sind für Entwicklung von Kindern genauso wichtig wie Mütter. Trotzdem zeigen Untersuchungen, dass sie bis heute eine untergeordnete Rolle in der Kinderbetreuung spielen. Die klassische Aufteilung zwischen Mann und Frau besteht in vielen Familien bis heute. Hinzu kommt, dass immer mehr Kinder ohne männliche Bezugsperson aufwachsen.

Das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft berichtet, dass sich die Zahl der Kinder, die mit nur einem Elternteil aufwachsen, in den letzten drei Jahrzehnten verdreifacht hat - das entspricht einem Wert von heute 20 Prozent. In Schulen und Kitas fehlen zudem männliche Bezugspersonen, die ein solches Defizit ausgleichen könnten.

Gleichzeitig versuchen Väter heute viel gezielter, Zeit für ihren Nachwuchs aufzubringen. Viele nutzen zumindest anteilig die Elternzeit und suchen nach Möglichkeiten, mehr Zeit für die Familie zu erübrigen.

Aktuelle Untersuchungen zeigen, warum dieser Trend so wichtig ist:

"Aus früheren Untersuchungen wissen wir, dass die Vorstellung vorherrscht, dass Väter keinen direkten Einfluss auf ihre Kinder hätten, dass sie nur den Ton im Haushalt bestimmen würden und dass Mütter diejenigen sind, die Einfluss auf ihre Kinder haben", sagte Claire Vallotton, die die Studie der Michigan State University leitete.

"Doch jetzt konnten wir zeigen, dass Väter einen direkten Einfluss auf ihre Kinder haben - sowohl kurzfristig, als auch langfristig."

Hier sind 5 Gründe, warum Väter für die geistige und psychische Entwicklung ihrer Kinder so wichtig sind:

1. Väter gehen anders mit Kindern um

Die American Academy of Pediatrics (AAP) berichtet, dass Väter sich im Umgang mit ihren Kindern anders verhalten als Mütter. Diese Unterschiede hätten beispielsweise Vorteile für die sprachliche Entwicklung.

Denn Studien haben gezeigt, dass Väter eher dazu bereit sind, neue Worte zu benutzen, wenn sie mit Babys oder Kleinkindern sprechen.

Väter unterscheiden zudem früher als Mütter zwischen Söhnen und Töchtern, was sich auch auf die Art ihrer gemeinsamen Spiele auswirkt.

Während die Beziehung zur Mutter sehr stark über Nähe definiert wird, konnten Wissenschaftler bei Vätern mehr Imitation, Grimassenschneiden und visuelle sowie akustische Stimulation beobachten. Das berichtet das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft.

Diese Unterschiede im Verhältnis zu Mutter und Vater fördern eine gesunde und ausgeglichene Entwicklung.

2. Väter fördern Entdeckergeist von Kindern

Väter lassen ihren Kindern beim Spielen mehr Freiräume und fördern dadurch ihren Entdeckergeist. “Es ist ein Klischee, aber es ist wahr, dass Väter wildere Spiele bevorzugen”, sagte Michael Yogman, Co-Autor des AAP-Berichts, dem amerikanischen Gesundheits-Portal "MedlinePlus".

“Sie ermutigen ihre Kinder häufiger, Risiken einzugehen und etwas auszuprobieren, während Mütter eher Sicherheit und Stabilität bieten.”

Eine Studie der University of Montréal aus dem Jahr 2010 bekräftigt die Ergebnisse:

"Wir haben festgestellt, dass Väter eher dazu geeignet sind, ein erforschendes Verhalten bei Kindern zu fördern, weil sie weniger beschützend agieren als Mütter", sagte Daniel Paquette, der die Studie leitete.

"Je weniger beschützend sich ein Elternteil verhält, desto eher wird das Kind dazu animiert, seine Umwelt zu entdecken."

Eine gesunde Risikobereitschaft ist für die Entwicklung von Kreativität, Belastbarkeit und sozialen Fähigkeiten wichtig - zu dem Ergebnis kamen Forscher der University of British Columbia.

3. Viel Papa-Zeit wirkt Depressionen entgegen

Kinder, die ein inniges Verhältnis zum Vater haben, leiden seltener an Depressionen, Angst- und Essstörungen. Das geht ebenfalls aus dem Bericht der American Academy of Pediatrics hervor.

Sie zeigen außerdem seltener Verhaltensauffälligkeiten und es kommt bei ihnen seltener zu Schwangerschaften im Teenageralter.

“Zahlreiche Studien zeigen, dass Kinder, die einen positiv involvierten Vater haben, seltener rauchen oder in Schwierigkeiten mit der Polizei geraten, bessere Noten erzielen und starke Freundschaften mit Kindern beider Geschlechter entwickeln”, sagte Anna Sarkadi von der Abteilung für Frauen- und Kindergesundheit an der schwedischen Uppsala Universität.

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4. Väter prägen das Selbstbewusstsein ihrer Kinder

Väter fördern ein gesundes Selbstbewusstsein bei ihren Kindern. Besonders Mädchen scheinen in dieser Hinsicht von einem innigen Verhältnis zum Vater zu profitieren:

“Väter vermitteln Töchtern einen Sinn für Stärke und ein großes Selbstbewusstsein", sagte Jugendtherapeutin Meg Meeker. Von ihr stammt der internationale Bestseller "Strong Fathers, strong Daughters".

Meek betont, wie wichtig es ist, dass Väter sich bewusst machen, wie stark ihr Einfluss auf das Selbstbild eines Kindes sein kann.

Ihrer Meinung nach sind sich Töchter der grenzenlosen Liebe der Mutter viel sicherer, als der des Vaters. Daher sei es wichtig, dass Väter ihre Zuneigung zeigen.

5. Väter fördern Eigenständigkeit

Schon im Kleinkindalter tragen Väter dazu bei, dass Kinder ihre Umwelt eigenständig entdecken und schnell aus Fehlern lernen. Diese wichtige Eigenschaft wird auch in der Teenager-Zeit noch einmal wichtig:

“Gerade für die zunehmende emotionale und räumliche Distanzierung und die stärkere Außenorientierung scheint der Vater ein sehr gutes Modell zu sein”, schreibt das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft.

In einer Vergleichsstudie zwischen deutschen und israelischen Kindern konnten Wissenschaftler zudem feststellen, dass Väter ihren Kindern vier Jahre früher Unabhängigkeit zutrauen als Mütter. Auch dieses Vertrauen kann sich positiv auf das Selbstbild von Kindern auswirken.

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(juk)