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Royal Scotsman: Highlights in den Schottlands Highlands

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Mit dem Royal Scotsman unterwegs an der schottischen Küste

Die Szenerie in Waverley Station erinnert stark an eine Prozession, schottische Bahnreisende in Edinburghs Hauptbahnhof geizen nicht mit neugierigen Blicken. An Gleis 11 schreitet ein Dudelsackmeister in Landestracht samt pelziger Kopfbedeckung würdevoll voran. Seinen Tönen folgt wiegenden Schrittes eine Gruppe Auserwählter, die für die nächsten drei Tage die exklusivsten Fahrgäste auf Schottlands Schienen sein werden. Plötzlich kommt Bewegung in das staunende Publikum. Die Passanten recken die Hälse, zücken ihre Smartphones, schießen Fotos. Der Prozessionszug kommt zum Stehen, der Zug ist der Star. Unter den monotonen Klängen des merkwürdigsten aller Musikinstrumente fährt er ein auf Gleis 11. Ein Exote, nicht von dieser Welt, sondern von einer längst vergangenen. Die Waggons glänzen in purpurrotem Lack mit goldenen Zierstreifen unter schneeweißen Dächern, ein handgemaltes Wappen verkündet wie die edlen Lettern eine besondere Herkunft: Royal Scotsman.

Eine rollende Reise, die so kostspielig wie außergewöhnlich ist

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Es ist eine skurrile Situation: Während das gemeine Volk auf den Schienensträngen nebenan zu tristen Transportmitteln hastet, genießen die reisenden Edelleute ein Gläschen Champagner auf dem Bahnsteig, ehe sie sich von einer auserwählten Dienerschaft in die Cabin Carts des königlichen Luxury Train begleiten lassen. Es ist der Auftakt einer rollenden Reise, die so kostspielig wie außergewöhnlich ist. Die zweieinhalbtägige "Highland tour of Scotland" ist mit rund 3.000 Euro pro Fahrgast und all inklusive sozusagen die Sparversion. Alternative Gleistrips wie die "Classic Scottish Golf Tour", bei der das Greenfree für vier berühmte Golfplätze inbegriffen ist, oder auch die "Classic Whisky Journey" mit Besuch und Verkostung der besten Destillerien Schottlands, kosten gut das Doppelte. Dass sie zwei, drei Tage länger dauern, setzt die Relation gedanklich auch nicht außer Kraft. Wenn man bedenkt, dass sich mit der Bahncard 100 in der Ersten Klasse für knapp über 6.000 Euro ein Jahr lang ganz Deutschland erfahren lässt.

Ultimativer Luxus

Welch profaner Gedanke! Ein Vergleich, der dem Erlebnis in keinster Weise gerecht wird. "Discover our World", ermuntert Belmond seine Klientel, das weltweite Highend-Portfolio des Hauses zu entdecken. Sieben Luxuszüge gehören dazu, unter ihnen die Legenden Venice-Simplon-Orient-Express und Eastern & Oriental Express. Selbstredend sind auch die 31 Hotels allerfeinste Adressen, das Cipriani in Venedig etwa, oder der Copacabana Palace in Rio de Janeiro, um nur zwei zu nennen. Außerdem sind da noch drei Flußkreuzfahrtschiffe, für die Belmond-Gruppe schwimmt z. B. die Road to Mandalay. Nur, damit spätestens jetzt alle wissen, in welcher Reisekategorie wir uns bewegen - in der des ultimativen Luxus.

Klein und fein mit Mahagoni: die Schlafkabinen

Der sieht in der Twin Cabin des Royal Scotsman zunächst aus wie die Nobelunterkunft eines Hobbit. Feinstes Mahagoni, edle Stoffvorhänge, teure Bettwäsche auf zwei Kuschelkojen, das alles auf großzügig geschätzten acht Quadratmetern. Dazu ein Bad mit den Ausmaßen eines Mäusekinos, wir addieren zusätzliche drei Meter hoch Zwei. Das ist nicht als Kritik zu verstehen, sondern als reine Zustandsbeschreibung, denn auch in einem Luxuszug ist das Platzangebot von der Breite der Wagons bestimmt, weshalb die Cabin für die Nachtruhe gedacht ist, nicht als Rückzugsort.

Der gesellschaftliche Mittelpunkt: Observation Car

Der Observation Car ist der gesellschaftliche Mittelpunkt. Dort lernen sich die Reisenden kennen (36 an der Zahl, wenn der Zug ausgebucht ist, und das ist er in der Regel). Nach dem zweiten (oder dritten) Glas Schampus lockern sich die Zungen beim Smalltalk und es gilt, sich viel zu viele Namen zu merken: Dana und Tom aus Los Angeles, Stephanie und Bill aus North Carolina, Helga und Dieter aus Düsseldorf, Mutter und Tochter Wie-hießen-sie-gleich-nochmal aus Glasgow, der Versicherungsmakler mit seiner leicht zickigen besseren Hälfte aus London, und - seufz! - der große Rest, dem man sich noch gar nicht vorstellen konnte oder deren Namen man hörte und gleich wieder vergaß. Irgendwie hat das etwas von einem luxuriösen Schulausflug mit neuen Mitschülern in einem rollenden Klassenzimmer.

Klischees der schottischen Highlands

Draußen wechseln die Klischees der schottischen Highlands, als blättere man in einem Bilderbuch: Grasende Schafe und Pferde, aufgetürmte Steinreihen als Grundstücksmarkierungen, Herrschaftshäuser und kleine Schlösschen verstecken sich hinter hohen Hecken. Längst hat der Royal Scotsman Perth hinter sich gelassen, auch Dalwhinnie und Aviermore. Aber kaum ein Reisender hat ein Auge für die wie in Zeitlupe vorbeiziehende faszinierende Landschaft. Wer allein für sich oder zu Zweit genießen will, muss aus dem Sprachgetümmel flüchten und sich auf der Aussichtsplattform des Observation Car den Fahrtwind um die Ohren wehen lassen.

Perfekter Service und 65 Whisky-Sorten

Die einbrechende Dämmerung taucht die Wagons des Royal Scotsman, der im kleinen Bahnhof von Boats of Garden sein Abstellgleis für die Nacht gefunden hat, in ein weich glänzendes Licht. In den beiden Speisewagen genießen die Luxusreisenden ein wunderbares und Sterne-verdächtiges Menü, das die Köche Cherie und James in der kleinen Bordküche gezaubert haben. Hand in Hand mit einem perfekten Service hebt ein blutjunges Team das Niveau auf ein Toplevel. Eine 20-köpfige Crew, Durchschnittsalter unter 30, macht einen sehr guten Job.

Scotsman-Direktor Frederik Laseln, selbst erst 31 und schon seit drei Jahren verantwortlich, ist sichtlich stolz: "Es gibt nichts, was wir nicht organisieren können." Die Rundreise ist für den Schweden Routine, auch Hochzeiten sind kein Problem. Für ein paar Freunde, die den Zug buchten, eine private Rundereise zu fünf verschiedenen Opernhäusern in Schottland mit Partys danach auf die Beine zu stellen, war da schon eine etwas größere Herausforderung. Auch wenn Geld keine Rolle spielte.

Für die Highland-Traveller genügt ein Entertainment-Duo, das mit Geige, Gitarren und Gags Stimmung ins stehende Klassenzimmer und das feine Publikum zum Mitsingen und - swingen bringt. Erstaunlicherweise verfügen die beiden erwachsenen Töchter von Stephanie und Bill aus North Carolina über textsichere Kenntnisse schottischen Liedguts, während Helga und Dieter aus Düsseldorf es doch lieber beim vorsichtigen rhythmischen Klatschen belassen und die zickige Gattin des Versicherungsexperten aus London immer zickiger wird, weil der sich tapfer der Qualität der 65 Edel-Whiskys versichert hat, die in den Flaschenregalen der Bordbar zur freien Verkostung stehen. Kaum vorstellbar, dass er sich der Gruppe anschließen wird, welche der Strathisla Distillery einen Besuch abstatten wird. Um vor Ort zu erleben, wie der berühmte Chivas Regal gemacht wird.

Zum Tontaubenschießen oder aufs Schlachtfeld?

Es gibt Optionen in Speyside, dem schottischen Zentrum für Hochprozentiges. Weshalb sich die Bahnreisenden am nächsten Morgen in alle Himmelsrichtungen verstreuen: die einen zieht es zur Whisky-Verkostung, andere zum Tontaubenschießen, eine dritte Gruppe zum Culloden Battlefield, jenem geschichtsträchtigen Ort, an dem die Engländer anno 1746 die Schotten vernichtend schlugen, was diese bis heute als nationale Katastrophe verstehen.

Unser Schlachtfeld war der Spey Valley Golf Course, an dem wir zu Zweit den Verlust von gut zwei Dutzend Bällen zu beklagen hatten. Das lag natürlich an unserem lausigen Golf auf einem ziemlich schwierigen Platz, der eng ist und gesäumt von Wald, unzugänglichen Sträuchern und dichten, langen Gräsern. "Euer Platz frisst Bälle," unterstellte ich nach der Runde frustriert dem Manager. "Nicht, wenn man gerade spielt," entgegnete trocken der britische Humorist.

Eine wahrlich königliche Herberge

Natürlich boten die diversen Einzelschicksale wieder jede Menge Stoff für den abendlichen Smalltalk auf den Plüschsofas im wieder rollenden Klassenzimmer nach einem formellen Dinner auf dem Weg nach Dundee, bei dem der Smoking Pflicht und der Kilt viel beachteter Hingucker war. Eine letzte Nacht im Mäusekino, ein paar letzte Blicke auf den traumhaften Meeresarm Firth of Forth und die spektakuläre Forth Bridge, Endstation Waverley Station in Edinburgh.

Endstation? Nur für den Royal Scotsman. Denn ein paar Schritte sind es nur in eine wahrlich königliche Herberge. Einst das Postamt von Edinburgh, bietet das zur Rocco Forte-Kollektion gehörige Luxushotel The Balmoral alles, was ein Luxuszug nur ein paar Nummern kleiner bieten kann: Den Charme eines alten Palastes, die Großzügigkeit der 188 Zimmer und Suiten, dazu mit dem Number One ein Sternerestaurant, den Afternoon-Teamroom Palm Court oder die berühmte Whisky-Bar Scotch. Natürlich muss man sich Edinburg anschauen - und staunen. Über den perfekten Spagat von mittelalterlichen Gemäuern und modernem Flair. Über gemütliche Pubs und feine Restaurants. Über schottische Gastfreundschaft und herzliche Bravehearts. Und mit dem Balmoral in der 1 Princess Street im Zentrum von Edinburgh über eine perfekte Ergänzung zum Luxury Train. Die Themen zum nächsten Smalltalk im Observation Car gehen garantiert nicht aus.

Weitere Informationen: www.belmond.com, www.roccofortehotels.com