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Syrien-Helfer: Lebensmittel in Aleppo reichen höchstens zwei Wochen

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ALEPPO
Die Nahrungsmittelknappheit in Aleppo ist groß - hier kaufen Menschen Lebensmittel von Händlern, die ihre Ware in die Stadt gebracht haben | Reuters
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  • In der syrischen Stadt Aleppo sollen fast zwei Millionen Menschen eingekesselt sein
  • Die Nahrungsvorräte dort reichten nur noch für höchstens zwei Wochen, schätzt ein Experte
  • Auch eine Luftbrücke, wie von Außenminister Steinmeier vorgeschlagen, scheint keine Lösung zu sein

Ein Schotterweg bei Aleppo, der umkämpften syrischen Metropole, mitten in der Nacht. Unter schwerer Bewachung kämpft sich ein Konvoi aus 26 Lastwagen über die Strecke, vorbei am eingeschlossenen Ostteil der Stadt. Eine Hilfslieferung von Lebensmitteln in den westlichen Teil der Stadt, der gerade noch erreichbar ist. Unter Lebensgefahr für die Helfer.

Von dem Transport, der in der vergangenen Woche stattfand, berichtet der für Syrien zuständige Landesdirektor des World Food Programme (WFP), Jakob Kern, in der "Bild". Dass die Lieferungen in die Aleppo-Gebiete nur noch mit Waffenschutz und in der Nacht geleistet werden können, zeigt: In der Stadt herrscht akuter Notstand. Die Bürger drohen zu verhungern.

Rebellen belagern die Stadt, liefern sich Gefechte mit den regierungstreuen Truppen. Aus strategischen Gründen kappten die Regierungstruppen Versorgungswege in die Stadt. Die Gegner von Staatschef Assad hingegen blockierten Fluchtwege, über die eingeschlossene Bürger hätten entkommen können.

Nicht nur an Lebensmitteln mangelt es in Aleppo

275.000 Menschen in Ost- und über 1,5 Millionen in West-Aleppo seien wegen der Kämpfe von Lebensmittellieferungen abgeschnitten, schätzt Kern - insgesamt also fast zwei Millionen. Einen regulären Warenverkehr gibt es ohnehin nicht mehr, nun seien aber auch humanitäre Lieferungen immer schwerer geworden.

"In Aleppo lagern nur noch Lebensmittel-Reserven für ein bis zwei Wochen, etwa bis Ende August", sagt Kern in der "Bild". Öffnen sich also keine neuen Zugänge für die Helfer, könnten die Eingeschlossenen schlicht verhungern. Eine humanitäre Katastrophe.

Lebensmittel sind dabei nicht die einzige Mangelware. "Die Medikamente und das Trinkwasser reichen schon jetzt nicht mehr", sagt Kern. Weil Anlagen defekt seien, sei auch die Stromversorgung unterbrochen.

Eine Ration, die gerade zum Überleben reicht

Das WFP arbeitet mit 300 Angestellten in Syrien, unterstützt von 2.500 Syrern, die bei den Transporten beteiligt sind. Verteilt werden Nahrungspakete, die einer fünfköpfigen Familie für einen Monat reichen - bei 1.700 Kalorien am Tag. Rationen die zum Überleben reichen, nicht für opulente Festmahle.

Den offiziellen Zahlen zufolge leben in ganz Syrien laut Kern fast 590.000 Menschen in belagerten und 4,8 Millionen in schwer zugänglichen Gebieten. In solche schafft es das WFP nur alle zwei bis drei Monate.

Kurze Waffenruhe genügt nicht

Eine von den russischen Truppen angekündigte dreistündige Waffenruhe genügt Kern zufolge auch nicht, um die Bewohner Aleppos zu versorgen. Für eine vollständige Lieferung seine mindestens 48 Stunden vonnöten - in der immer wieder aufs Neue erschütterten Stadt kaum vorstellbar.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte in der "Welt am Sonntag" eine Luftbrücke gefordert, um die Bürger zu versorgen. Dazu sagt Kern: "Aleppo ist nur auf dem Landweg erreichbar. Luftabwürfe über einer umkämpften Stadt sind unmöglich."

Die einzige Perspektive für die Bürger Aleppos ist somit ein stabiler Frieden. Die Zeit für sie wird immer knapper.

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