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Varoufakis rechnet mit Merkels Flüchtlingspolitik ab: "Sie hat keinen Plan"

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  • In einem aktuellen Interview rechnet Yanis Varoufakis mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel ab
  • Merkel habe "keinen Plan", sagt der ehemalige griechische Finanzminister
  • Eine Zusammenfassung seiner Aussagen findet ihr im Video oben

Nach seinem Rücktritt als griechischer Finanzminister im Juli 2015 war es stiller geworden um Yanis Varoufakis – den Mann, der durch sein vehementes "Nein" zur Sparpolitik der EU das Establishment in Brüssel während seiner kurzen Amtszeit in Aufruhr versetzte.

In einem aktuellen Interview mit der "Welt" zeigt sich erneut: Der Ökonom hat keineswegs abgeschlossen mit der Politik - und scheut auch nach seinem Rückzug aus dem griechischen Parlament nicht die Kritik an den politischen Größen der EU.

Besonders scharf kritisiert Varoufakis dabei nicht etwa den in Griechenland so verhassten deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble, sondern vielmehr Bundeskanzlerin Angela Merkel selbst.

Varoufakis findet: "Merkel hat keinen Plan"

Auch wenn er mit Schäubles Plänen für die Eurozone nicht übereinstimme, habe Schäuble zumindest als Einziger "einen Plan" gehabt, argumentiert Varoufakis. "Merkel hat keinen Plan." Und: Hollande weiß nicht mal, was das Wort Plan bedeutet", urteilt der Ökonom.

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"Merkel würde nie eine Entscheidung treffen, wenn sie sie auf morgen verschieben kann und sich bis dahin anschaut, wie sich alles weiterentwickelt hat", sagt Varoufakis. Das sei "sehr schlecht" für Europa.

Auch in Hinblick auf Merkels Flüchtlingspolitik habe er seine Meinung geändert. Im Februar hatte Varoufakis noch angegeben, dass er - wäre er Deutscher - Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik gewählt hätte. Das habe sich nach dem Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei geändert.

"Ich will, dass dieser Flüchtlings-Pakt kollabiert"

Das Abkommen sei ein "Skandal", sagt Varoufakis jetzt. "Wir haben eine Verpflichtung gegenüber den Vereinten Nationen, Flüchtlinge aufzunehmen. Stattdessen bestechen wir einen zunehmend diktatorisch auftretenden Präsidenten der Türkei, um es uns mit dem Deal zu erlauben, internationales Gesetz zu brechen", wettert der Ökonom.

Varoufakis hofft demnach darauf, dass der EU-Türkei-Deal, an dessen Erhalt sein ehemaliger Kollege und Freund, der griechische Premierminister, Alexis Tsipras momentan noch festhalte, platzt. "Ich will, dass dieser Flüchtlings-Pakt kollabiert. Ich will nicht, dass wir mit Erdogan ins Bett gehen", sagte Varoufakis der "Welt".

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Dass Griechenland dadurch wieder mehr Flüchtlinge erwarten würde, wertet der ehemalige Finanzminister als positiv für die griechische Wirtschaft. Die Flüchtlingskrise habe dem Land aus ökonomischer Sicht gar geholfen, argumentiert Varoufakis.

"In diesem Punkt verteidige ich Merkel"

Viele der Flüchtlinge, die das Land erreichten, brächten Geld mit, so der Ökonom. "Sie kommen vom Boot, gehen zu einem Bankautomaten und heben mit ihrer Karte Geld ab. Und sie geben das Geld auch aus. In unseren Läden", erklärt der Politiker.

Nur in einem Aspekt findet Varoufakis lobende Worte für die Bundeskanzlerin. Ihre Entscheidung im Herbst 2014, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, hält der Ökonom weiterhin für richtig.

"In diesem Punkt verteidige ich Merkel nach wie vor", sagt Varoufakis im Interview. "Weil ich überzeugt bin, dass wir eine moralische Verantwortung gegenüber Menschen haben, die vor Tod, Krieg und Terror flüchten".

Die EU könne es zudem verkraften, "ein paar Millionen mehr" aufzunehmen. "Meine Antwort ist, trotz aller Probleme: Lasst die Flüchtlinge rein", sagt Varoufakis. "Wir Europäer sind zum Teil mit verantwortlich für das, was in deren Herkunftsländern passiert".

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