Huffpost Germany

Diese begrünten Wände können die Luft in Großstädten dramatisch verbessern

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CITY TREE
Die Stadt Paris hat bereits mehrere "CityTrees" installiert | Green City Solutions
Drucken

Wie lässt sich die Luft, die Menschen in urbanen Zentren Tag für Tag einatmen, säubern? Diese Frage beschäftigt Stadtplaner, Biologen und Entrepreneure auf der ganzen Welt.

Ein kleines Dresdner Start-up hat im Jahr 2014 eine geniale Antwort auf diese Frage gefunden. Die vier Gründer von "Green City Solutions" Peter Sänger, Victor Splittgerber, Liang Wu und Dénes Honus entwickelten etwas, das sie "CityTree" nannten.

Nur zwei Jahre nach Gründung startet das Konzept aus Dresden in diesem Jahr nun weltweit durch. Zu recht: Denn dieses Projekt könnte die Luft unserer Großstädte der Zukunft tatsächlich dramatisch verbessern.

city tree

1600 Pflanzen auf vier Meter hohen Wänden

Hinter den "CityTrees" stecken - anders als der Name vermuten lassen könnte - nicht etwa normale Bäume, sondern freistehende, vier Meter hohe "Wände", die mit speziellen Moosen begrünt werden. Rund 1600 Pflänzchen finden Platz auf der Pflanzenwand.

Das Interessante daran: Die Pflänzchen gelten als besonders effizient, wenn es darum geht, Abgase und Feinstaub aus der Luft zu saugen - deshalb kann ein "CityTree" genauso viel Kohlendioxid binden wie 275 Bäume.

Die Pflanzenwand ersetzt also effektiv einen kleinen Wald und ist so besonders geeignet für dicht besiedelte, urbane Räume.

100 "CityTrees" könnten die Luft in Berlin Mitte um 30 Prozent verbessern

In einem Umkreis von bis zu 50 Metern kann die Wand die Luftqualität um 30 Prozent verbessern. Laut Recherchen der Huffington Post UK würden 100 Einheiten ausreichen, um eine Fläche in der Größe von Berlin Mitte zu säubern.

Ein weiterer Vorteil: Der "CityTree" kann sich komplett selbst versorgen. Mit Hilfe eingebauter Sensoren und eigener Internetverbindung wird berechnet, wann und wie viel Wasser die Pflänzchen benötigen.

city tree

Dank integrierter solarer Energiegewinnung und durch Nutzung von Regenwasser funktioniert selbst dieser Mechanismus ökologisch nachhaltig.

Drei Millionen Tote jährlich durch Luftverschmutzung

Ein schlüssiges Konzept, das sich in zwei Jahren seit der Gründung bereits schnell auszubreiten scheint: Inzwischen stehen die Pflanzensysteme nicht nur in der Heimatstadt des Start-ups, in Dresden, sondern auch in internationalen Städten wie Hongkong, Paris und Oslo. In Paris empfing der französische Präsident François Hollande das Team sogar persönlich.

city tree

Kein Wunder: Wie viele Großstädte weltweit, kämpft Paris mit zahlreichen Initiativen - unter anderem einem Verbot älterer Automodelle und innovativen Stadtplanungsprojekten - seit Jahren gegen die katastrophale Luftqualität im Stadtzentrum.

Das Problem haben viele Städte. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich rund drei Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung, 80 Prozent aller Städter leben laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation in Städten, deren Luftverschmutzung als "stark" eingeordnet werden kann

25 neue CityTrees, allein in diesem Jahr

Im Weg stehen den "CityTrees" offenbar häufig die hohen Anschaffungskosten - 22.000 Euro verlangt das Unternehmen für eine Wand - und die Bürokratie vieler Städte.

Das könnte euch auch interessieren: Kampf gegen Smog - dieser Turm reinigt die Luft in verschmutzten Großstädten

"Dass unsere Kunden vor allem Städte sind, ist ein Problem", sagt Gründer Sänger im Interview mit der "WirtschaftsWoche". "Denn die Entscheidungsprozesse in einer Stadt dauern länger als wir dachten."

Trotzdem kann das Unternehmen wohl mit Zuversicht in die Zukunft sehen: Mehrere Preise, darunter einen GreenTec-Award im Jahr 2015, haben die jungen Gründer schon erhalten.

Laut Informationen von "WiWo" sind allein 75 Großstädte in Deutschland aktuell an den grünen Wänden interessiert, 25 "CityTrees" sollen nur in diesem Jahr noch installiert werden.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Werdet zum Umwelthelfer

Keine Frage: Das Umweltbewusstsein in unserem Land hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch gewandelt. Viele fragen sich allerdings: Wie kann ich wirklich effektiv helfen?

Das ist gar nicht schwer. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org stellt die Huffington Post Projekte vor, die jeder von Euch unterstützen kann.

Die Aktionsgemeinschaft Artenschutz e.V. zum Beispiel setzt sich mit einem Projekt in Kenia für den Schutz und die Aufzucht von Elefantenbabys ein.

Denn noch immer werden ausgewachsene Elefanten wegen ihrer kostbaren Stoßzähne gejagt und getötet. Zurück bleiben verstörte Jungtiere, die auf sich allein gestellt sind und nicht überleben würden.

Die Elefantenbabys benötigen teure tierärztliche Versorgung und Verpflegung über mehrere Jahre, um schließlich wieder in die Wildnis entlassen werden zu können. Nach ihrem Aufenthalt im Waisenhaus sind die ausgewachsenen Tiere in der Lage, sich in bestehende Elefantenherden zu integrieren.

Unterstütze jetzt die Aktionsgemeinschaft Artenschutz bei ihrer Arbeit im Waisenhaus für Elefantenbabys auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

"Wie der Weltuntergang": Schlimmster Smog des Jahres raubt Peking die Luft

(lk)