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Umstrittener Islamverband Ditib will unabhängiger von der Türkei werden

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DITIB
Die Moschee von Ditib in Duisburg | Friedemann Vogel via Getty Images
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  • Der umstrittene Islamverband Ditip zieht Konsequenzen aus der Kritik in Deutschland
  • Ditib kündigte an, unabhängiger von der Türkei werden zu wollen
  • Dem Verband wird vorgeworfen, Propaganda für Erdogan zu betreiben und von der Türkei aus gesteuert zu werden

Nach dem Putschversuch in der Türkei steht der Islamische Dachverband Ditib in Deutschland in der Kritik. Skeptiker sehen in ihm ein Propagandainstrument des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Als Reaktion auf das Misstrauen hat Ditib nun angekündigt, auf lange Sicht von der Türkei finanziell unabhängig werden zu wollen. Ditib-Sprecher Zekeriya Altug sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS"): "Die Frage ist, wie lange die Türkei die Unterstützung der Ditib-Imame noch leisten wird. Wir müssen uns langfristig nach Alternativen in der Finanzierung umschauen."

Dem Dachverband deutsch-türkischer Moscheegemeinden war vorgeworfen worden, er ließe sich von der Türkei aus lenken und betreibe politische Agitation für Erdogan.

Sprecher des Islamverbands kann Kritik nicht nachvollziehen

Die niedersächsische Landesregierung stoppte diese Woche Verhandlungen mit dem Islamverband über einen Staatsvertrag. In NRW meldete Ministerpräsidentin Kraft Zweifel an, ob Ditib als Religionsgemeinschaft eingestuft werden könne. Als Begründung nannte sie gewisse "Ereignisse" nach dem Putschversuch in der Türkei.

Ditib-Sprecher Altug zeigte sich gegenüber der "FAS" überrascht von der Kritik. Dass der Verband mit der türkischen Religionsbehörde Diyanet kooperiere, sei nicht neu. Die Zusammenarbeit sei wissenschaftlich begutachtet und die Unabhängigkeit der Ditib bestätigt worden.

"Ditib ist und bleibt politisch neutral", sagte Altug der Zeitung. "Es gibt keine finanzielle Unterstützung durch den türkischen Staat oder die Diyanet, bis auf die Imame, welche die Diyanet bereitstellt, für die wir kein Gehalt zahlen müssen."

Bisher entsendet die türkische Religionsbehörde ihre Beamten für bis zu fünf Jahre in deutsche Ditib-Gemeinden. Diese sprechen meist kaum Deutsch und kennen die hiesige Kultur nicht. Künftig "sollen und werden" die Imame in den mehr als 900 Ditib-Gemeinden laut Altug in Deutschland beheimatet sein, die deutsche Sprache als Muttersprache beherrschen.

Skepsis an den sogenannten "Import-Imamen"

Die Imame, die in den Ditib-Moscheen predigen, werden zum Teil in der Türkei ausgebildet und von der türkischen Regierung bezahlt. Die Ditib fördert seit zehn Jahren ein Ausbildungsprogramm in der Türkei, das bisher etwa 150 Absolventen hervorgebracht hat, von denen 60 als Ditib-Imame tätig sind. Die Auszubildenden müssen deutsche Staatsangehörige sein.

Immer wieder wird Skepsis über diese "Import-Imame" laut. Altug sagte, er gehe davon aus, "dass in zehn Jahren mindestens die Hälfte unserer Imame in Deutschland sozialisiert sein wird".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz sagte der "FAS": "Wenn wir genügend Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland anbieten können, dann wird auch die Forderung glaubwürdiger, dass Imame hier ausgebildet sein sollten."

Die Islam-Verbände sollten stärker zusammenarbeiten, damit tatsächlich die Religion an vorderste Stelle rücke, und nicht mehr nationalstaatliche Interessen. Im Bundesinnenministerium wurde darauf hingewiesen, dass Imame nicht nur aus Deutschland stammen, sondern auch hierzulande ausgebildet werden sollten.

An den Universitäten werden derzeit 1800 Studenten im Fach Islamische Theologie unterrichtet, die dafür geeignet seien.

Ditib stellte sich nach dem Putschversuch auf Erdogans Seite

Ditib war nach dem versuchten Coup unter anderem deswegen in Deutschland in die Kritik geraten, weil die Imame in ihrer bundesweit einheitlichen Freitagspredigt im Sinn der türkischen Regierung Stellung genommen hatten.

Außerdem hatten Journalisten des Magazins "Report Mainz" recherchiert, dass einzelne Ditib-Imame Erdogan-Kritiker als "Vaterlandsverräter" nicht mehr in ihren Moschee haben wollten.

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