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Diese Dinge machen Eltern guter Schüler anders

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CHILD PARENT LEARNING
Mutter und Kind beim Malen. | Ableimages via Getty Images
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Trotz zahlreicher Schulreformen, gibt es immer noch zwei Arten von Schülern: Die einen sind motiviert, interessiert und schreiben gute Noten, die anderen sind lustlos, desinteressiert und werden nur knapp ins nächste Schuljahr versetzt.

Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler herauszufinden, wieso manche Kinder in der Schule gute Leistungen abliefern, während andere sich schwer tun. Immer mehr Studien zeigen jetzt, dass das Umfeld der Kinder bei der Entwicklung von Intelligenz und Leistungsfähigkeit eine größere Rolle spielt als gedacht.

Dabei geht es vor allem darum, welche Denkweise die Eltern ihren Kindern vermitteln.

school parent child

Eltern guter Schüler loben die Anstrengungen ihrer Kinder

Eltern, deren Kinder gut in der Schule sind, haben in ihrem Nachwuchs den Willen geweckt, von sich aus zu lernen und bei Schwierigkeiten nicht aufzugeben.

Sie haben ihr Kind für seine Anstrengungen gelobt und nicht für das Ergebnis ihrer Mühen.

"Du bist so klug“ sei eine hohle Phrase, erklärt Psychologe Stephen Grosz von der Columbia University. Seine These: Unspezifisches Lob kann Kindern schaden.

Seine Erklärung: Intelligenz und Talent werden als festsehende Eigenschaften verstanden. Lobt man diese, verliert das Kind seine Motivation, sich weiterzuentwickeln und wird ängstlich, wenn es an einer Aufgabe scheitert.

Eltern guter Schüler sehen Intelligenz und Talent nicht als feste Größen

Wenn es also in einem Fach wie Mathematik schlecht abschneidet, hat es keinen Antrieb mehr, für gute Noten zu lernen, "weil ihm Naturwissenschaften einfach nicht liegen“ oder es "zu dumm dafür ist".

Mit dieser Einstellung wird ein Kind nie gute Noten in Mathematik schreiben – auch nicht in anderen naturwissenschaftlichen Fächern wie Physik und Chemie. Denn warum die Mühe, wenn es sowieso kein Talent dafür hat bzw. nicht intelligent genug ist?

Wenn man stattdessen ein Kind dafür lobt, dass es fleißig gelernt hat, um eine gute Note in Mathematik zu schreiben, begreift es: Meine Leistung hängt von meinen Bemühungen ab – und wenn ich lerne, kann ich meine Fähigkeiten verbessern.

Eltern guter Schüler fördern ein natürliches Interesse an der Umwelt

Außerdem unterstützen Eltern guter Schüler ihre Kinder dabei, ein natürliches Interesse an der Welt, in der sie leben, zu entwickeln. Zum Beispiel lesen sie gemeinsam mit ihren Kindern. Jedes neue Wort erweitert ihren Vokabelschatz, ihren Horizont und ihr Imaginationsvermögen.

Dabei ist es wichtig, dass die Eltern den Kindern nicht nur vorlesen, sondern vor allem mit ihnen lesen. "Bessere Lesefähigkeit kann auch die Kenntnisse in anderen Bereichen und die Kreativität weiter entwickeln“, sagte Psychologe Stuart Ritchie von der University of Edinburgh der britischen Tageszeitung "Daily Mail“.

Er untersuchte 1.890 Zwillingspaare mithilfe eines Lese- und Intelligentestes. Sein Fazit: "Wir haben herausgefunden, dass die Kinder, die gut lesen können, bessere kognitive Fähigkeiten entwickeln und klüger sind. Das ist bereits ab einem Alter von sieben Jahren zu sehen.“

child parent

Eltern guter Schüler zeigen ihren Kindern, welche Perspektiven sie haben

Eltern, die hohe Erwartungen an ihre Sprösslinge haben, gelten als anstrengend. Diese Ansprüche der Eltern an ihre Kinder zahlen sich aber aus, wenn es den Eltern gelingt, dem Kind statt Druck eine Perspektive zu vermitteln.

Denn wenn Eltern und das soziale Umfeld es versäumen, einem Kind zu zeigen, dass es Träume und Wünsche für seine Zukunft entwickeln kann, hat das traurige Folgen.

Tim Rauchhaus, Standortleiter der Berliner Arche – einem Hilfswerk für sozial benachteiligte Kinder – sagte im Gespräch mit der Huffington Post: "Wir haben eine Umfrage in der Arche gemacht, welchen Berufswunsch die Kinder haben. Nummer eins war Superstar, Nummer zwei Hartz-IV-Empfänger. Das ergibt sich daraus, dass die Kinder perspektivlos aufwachsen. Aus ihnen wird nichts, weil sie keine Idee davon haben, was sie werden sollen.“

Eltern guter Schüler haben Erwartungen an ihre Kinder

Eltern hingegen, die ihren Kindern zeigen, welche Möglichkeiten sie haben, ermutigen sie auch, ihre Wünsche in die Tat umzusetzen. Sie vermitteln den Kindern das Gefühl, dass sie etwas erreichen können.

Das zeigt auch eine Studie der University of California, an der 6600 Kinder teilnahmen, deren kognitive Fähigkeiten gemessen und die zu ihrem Elternhaus befragt wurden.

Bei 96 Prozent der Kinder, die am besten abschnitten, wünschten sich die Eltern, dass sie später aufs College gehen. Bei den Kindern, die am schlechtesten abschnitten, lag der Wert nur bei 56 Prozent. Denn Kinder, die wissen, welche Möglichkeit sie haben, nutzen sie auch.

children school

Eltern guter Schüler lassen ihre Kinder selbstständig lernen

Jedoch sollten Eltern ein gesundes Mittelmaß im Auge behalten, wenn sie ihre Kinder fördern wollen: Die Schulleistungen verschlechtern sich, wenn sie die Kinder unter Druck setzen oder kontrollieren. Dies zeigte unter anderem eine Schweizer Studie: Schüler, die Hilfe von den Eltern bekamen, schnitten schlechter bei Prüfungen ab als Schüler, die ihreHausaufgaben allein machten.

Kinder sollen von sich aus den Antrieb entwickeln, lernen zu wollen. Und diesen Antrieb können die Eltern ihren Kindern vermitteln, indem sie ihnen Perspektiven zeigen, für die es sich lohnt, in der Schule gut abzuschneiden - und indem sie ihnen die Angst vor Herausforderungen nehmen.

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Nun setzen sie sich für Chancengleichheit für blinde Kinder ein. Anderes Sehen e.V. bietet Blindenstöcke für Kinder, die ihre ersten Schritte wagen, und entwickelt liebevoll gestaltete Tast-Bilderbücher.

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(glm)