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Männergruppen attackieren in Berlin erneut Polizisten - doch diese Videos werfen Fragen auf

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In Berlin kam es innerhalb von drei Tagen zwei Mal zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Menschengruppen. | Kai Pfaffenbach / Reuters
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  • In Berlin kam es innerhalb weniger Tage zu zwei Angriffen auf Polizisten
  • Polizeigewerkschafter und Politiker fordern nun ein härteres Vorgehen
  • Videos der Vorfälle zeigen allerdings, dass die Polizei bereits in Vergangenheit hart vorging

In Berlin kam es diese Woche schon zum zweiten Polizeieinsatz, bei dem die Sicherheitskräfte von einer Menschengruppe angegriffen und beleidigt wurden. Nun wird über härtere Polizeimaßnahmen diskutiert.

Handyaufnahmen der beiden Vorfälle zeigen allerdings, dass die Polizei bereits hart durchgriff.

Muss die Polizei härter durchgreifen?

Zum Hintergrund: Am Mittwochnachmittag kam es vor einem Friseursalon im Stadtteil Gesundbrunnen zu einem Tumult. Eine Gruppe von bis zu 30 Personen regte sich darüber auf, dass die Beamten versuchten, einen 23-Jährigen in Gewahrsam zu nehmen. Die Gruppe versuchte daraufhin einzugreifen. Die Einsatzkräfte drückten den Mann gewaltsam zu Boden, wie ein Video zeigt:

Zuvor pöbelte der Mann gegen die Polizisten, weil diese eine Passantin darauf hingewiesen hätten, die Straße nicht bei Rot zu überqueren. Der Mann soll die Polizisten daraufhin gefragt haben, ob sie nichts Besseres zu tun hätten.

Weil der Mann seine Personalien nicht preisgeben wollte, kam es zu Handgreiflichkeiten. Ein Beamter bekam nach Angaben der Polizei einen Ellenbogenhieb ab und verletzte sich am Auge, er konnte aber weiterarbeiten.

Polizeigewerkschafter Wendt: "Schwerkriminalität"

Die Polizei leitete deshalb gleich mehrere Strafverfahren ein: wegen einfacher und gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Gegen eine Person aus der Menge läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs.

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, forderte nun in einem Interview mit dem TV-Sender N24 "mehr Kapazität, um diese Leute aus dem Verkehr zu ziehen".

Für ihn handelt es sich um "Schwerkriminalität" von "arabischen Großfamilien", die "fast flächendeckend" in Deutschland vorhanden sei.

11-jähriger Polizeibekannt versucht Auto zu starten

Bereits am Montag hatte die Polizei einen anderen Fall aus der gleichen Gegend öffentlich gemacht: Eine bis zu 70-köpfige Menschenmenge soll Polizisten angegriffen haben.

Es sollen Sätze wie "Haut ab, das ist unsere Straße" gefallen sein. Auslöser war ein vermeintlich harmloser Einsatz im Soldiner Kiez, einem sozial schwachen Viertel. Dort versuchten Kinder, ein Auto zu starten.

Beamte fanden einen Elfjährigen vor, der im Viertel als Mehrfachtäter bekannt ist. Innerhalb kurzer Zeit kamen seine Unterstützer zusammen. Medienberichte, wonach es sich um Angehörige eines kriminellen Clans gehandelt habe, bestätigte die Polizei nicht.

Aufnahmen zeigen, dass ein Polizist in der Auseinandersetzung einen Störer in den Schwitzkasten nimmt und zu Boden drückt:

Der Einsatz zeige, wie schwer es in manchen "Problemkiezen" sei, Recht und Gesetz durchzusetzen, kommentierte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) das Geschehene. Am Donnerstag sprach er sich für harte Strafen aus: "Wichtig ist, dass wir Gewalttäter aus den Kiezen herausbrechen. Wer Polizisten angreift, muss Konsequenzen spüren."

Hergang der Vorfälle weiter unklar

In beiden Fällen existieren sehr unterschiedliche Versionen des Geschehens. In der Polizeimeldung des Vorfalls vom Montag heißt es, eine "aggressive Menschenmenge" hätte die Polizisten "bedrängt". Die Bewohner des Bezirks sehen sich hingegen als Opfer ausufernder Polizeigewalt.

Auch in früheren Jahren hatte es schon Berichte über Einsätze in Neukölln, Kreuzberg und Wedding gegeben, bei denen Beamte umringt und bedrängt wurden. Die Polizei meldet solche Vorfälle nach eigenen Angaben an die Presse, wenn es verletzte Beamten oder aggressive Stimmung gab.

Nach Einschätzung des lokalen Quartiersmanagements war es bis zu den jüngsten Vorfällen lange ruhig. Nun ist eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Mit Material der dpa

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(lp)