Huffpost Germany

Allahs junge Krieger: Es gibt immer mehr junge Salafisten in Deutschland - so werden sie geködert

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ALLAH
Allahs junge Krieger: Es gibt immer mehr junge Salafisten in Deutschland - so werden sie geködert | Dabiq / Getty / Reuters
Drucken
  • Die Zahl der Salafisten in Deutschland steigt dramatisch
  • Unter den Radikalen sind immer mehr junge Menschen
  • Denn die Extremisten wissen, wie sie die Jugendlichen ködern können

Der Generalbundesanwalt ermittelt, die Polizei durchsucht Wohnungen, nimmt junge Männer fest.

Deutschlands Behörden sind in den vergangenen beiden Tagen hart gegen mutmaßliche Islamisten vorgegangen.

Gegen Menschen, die die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützt haben sollen zum Beispiel - mit Geld, mit Logistik.

Die Razzien werfen ein Schlaglicht auf eine Gruppe, die erschreckenden Zuwachs hatte in den vergangenen Jahren. Und erschreckend jungen Zuwachs.

Salafisten wachsen wie keine andere extreme Strömung

Schwerpunkt der Razzien der vergangenen Tage war Nordrhein-Westfalen. Das dortige Landesamt für Verfassungsschutz schätzt die Zahl der Salafisten, also der Anhänger einer besonders konservativen Strömung des Islam, dort auf 2700. Das sind fast doppelt so viele, wie noch vor drei Jahren. Darunter sollen 600 gewaltbereit sein, doppelt so viel, wie noch vor einem Jahr.

Laut Bundesverfassungsschutz leben in ganz Deutschland derzeit 8900 Salafisten. Eine Sprecherin sagte der HuffPost, das sei eine "enorme" Steigerung im Vergleich zu den Jahren zuvor.

"Anhängerschaft von Extremisten wird immer jünger"

"Die Mehrzahl der Salafisten sind junge Männer, darunter auch Jugendliche“, sagte Sprecher Jörg Rademacher der Huffington Post. "Wir sehen, dass die Anhänger, egal ob von rechten, linken oder salafistischen Extremisten, immer jünger werden.“

Was junge Menschen am Salafismus so fasziniert

Junge Menschen, das haben viele Experten beobachtet, fühlen sich von den Extremisten besonders angezogen. Weil die Mitgliedschaft dort Aufmerksamkeit erzeugt – in einer Gesellschaft, die so viel toleriert, dass Jugendliche sich schon etwas einfallen lassen müssen, um zu provozieren. Von „Pop-Dschihad“ ist da auch die Rede.

Die Salafisten versprechen jenen Jugendlichen Orientierung und Anerkennung, die sie sonst vermissen. Die keinen Sinn im Leben sehen, sich ausgegrenzt fühlen. Dabei müssen sie nicht mal Islam-Kenner sein. Die Salafisten sind da nicht besonders wählerisch. Zumal Koran-Neulinge auch kaum unbequeme Fragen stellen können, ob das radikale Treiben wirklich etwas mit der Religion zu tun hat.

Eine Sprecherin des Verfassungsschutz sagte: "Die Salafisten verfügen über ein sehr festgefügtes Wertgebilde und klare Regeln, das ist attraktiv für Menschen in der Findungsphase."

Und die Islamisten versprechen Action im tristen Alltag. Die teils nötige Heimlichtuerei ist spannend.

Warum gerade jetzt?

Dass die Islamisten solchen Zulauf haben in den letzten Jahre, führt Rademacher einerseits auf den Erfolg des IS zurück. Erfolg macht anziehend, das gilt auch auf diesem makabren Gebiet.

Andererseits, sagt Rademacher, spreche die aggressive Propaganda der Terroristen genau die junge Zielgruppe an. Während Islamisten zur Hochzeit der Al-Kaida noch dröge Videos mit Osama Bin Laden aufnahmen und mühsam zu lesende Propagandapamphlete verbreiteten, nutzen die heutigen Islamisten die sozialen Netzwerke.

"Die Jugendlichen suchen den Kontakt oder werden direkt angesprochen, beide Varianten sind gängig“, sagt Rademacher. Außerdem gebe es die „Laufpropaganda“: Jugendliche zeigten Propagandavideos auf dem Schulhof herum.

Die Islamisten haben ihre Propaganda hochprofessionell aufgebaut. Der auf soziale Medien spezialisierte Autor J. M. Berger, sagte dem US-Sender CBS einmal dazu: „Große Firmen wünschen sich, auf diesem Gebiet so gut zu sein wie der IS.“

Die Extremen nutzen das ganze Social-Media-Repertoire vom süßen Katzenbild bis zum professionell inszenierten Enthauptungsvideo.

Die Kampagnen werden von Muttersprachlern und Kennern der westlichen Kultur begleitet. So prägten ein Deutscher und ein Österreicher maßgeblich die Strategie für die IS-Propaganda im westlichen Raum.

Der Bundesverfassungsschutz weiß: "Die Propaganda ist immer professioneller geworden." "Vieles sei aber auch Zufall. In einer anderen Zeit wären die jungen Leute vielleicht auch zu den Rechtsextremisten gegangen, erklärte eine Sprecherin der HuffPost.

Kampf gegen die "Radikalisierer"

Bundesinneminister Thomas de Maizière (CDU) hat einen klaren Kurs vorgegeben, wie damit umzugehen ist: Der Rechtsstaat gehe gegen die Szene vor, "die glaubt, als Radikalisierer und Agitatoren junge Menschen für den Dschihad“ verführen zu können.

Dazu gehört auch, wie jetzt in NRW, dass die Behörden Druck machen auf mutmaßliche Islamisten. Und sie versuchen, junge Menschen vor der Radikalisierung zu bewahren – oder ihnen die Augen zu öffnen.

Wege aus dem radikalen Sumpf

Das wohl größte Projekt dazu heißt „Wegweiser“. Betroffene und ihre Angehörigen bekommen individuelle Hilfe, wie sie mit der Situation umgehen können.

Sprecher Rademacher sagte der HuffPost, bis zum Jahresende solle es 13 Beratungsstellen in allen Landesteilen geben, außerdem wolle man mehr Personal einstellen.

Offenbar wir das Angebot auch angenommen. 160 Jugendliche würden derzeit betreut.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(lp)