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Wie ein Berliner Startup afghanischen Bauern eine berufliche Perspektive gibt

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Salem El-Mogaddedi (l.) und Gernot Würtenberger | Conflictfood/Evelyn Bencicova
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Afghanistan gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Im Human Invelopemtent Index (HDI), dem Wohlstandsindikator für Staaten der Vereinten Nationen, belegt der südasiatische Binnenstaat den 171. Platz unter 187 Nationen.

Doch ein Wirtschaftszweig blüht in Afghanistan weiterhin – im wahrsten Sinne des Wortes: Die Produktion von Opium. Noch immer stammen 90 Prozent des Grundstoffes für Heroin von den Feldern des kriegsgebeutelten Landes.

Eine Alternative zum illegalen Opiumhandel könnte der Anbau und der Vertrieb von Safran sein: Das luxuriöse, oftmals als "rotes Gold“ bezeichnete Gewürz hat seine Wiege im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Iran. Safran ist weltweit gefragt und bringt hohe Erträge.

Ein Berliner Startup importiert das edle Nahrungsmittel - und bietet den Bauern faire Konditionen, von denen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

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Safranernte in Afghanistan
(Credit: Gernot Würtenberger)

Auf afghanischer Seite, in der Region um die Großstadt Herat, arbeitet das Startup Conflictfood dafür mit Safranproduzenten zusammen.

Die Idee hinter Conflictfood: Landestypische Agrarprodukte von bester Qualität direkt von Kleinbauern kaufen, in Deutschland auf den Markt bringen und den Erzeugern somit eine langfristige Perspektive bieten.

Das Startup wurde im vergangenen Jahr von Salem El-Mogaddedi und Gernot Würtenberger gegründet. Der 43-jährige El-Mogaddedi kommt eigentlich aus der Event- und PR-Branche, sein fünf Jahre jüngerer Geschäftspartner arbeitet als Architekt und Mediator.

"Wir sind beide schon immer sehr gerne gereist“, erzählt El-Mogaddedi im Gespräch mit der Huffington Post. "Und wir bringen gerne landestypische Spezialitäten mit nach Hause, etwa Gewürze oder Süßigkeiten“.

Eine Alternative zum Opiumanbau

El-Mogaddedis Familie stammt aus Afghanistan, sein Vater ist als ehrenamtlicher Helfer in seinem Heimatland tätig. Im November 2015 begleiteten die beiden Gründer El-Mogaddedis Vater auf eine humanitären Reise durch die westliche Provinz Herat.

Im Örtchen Shakiban, etwa 45 Kilometer von der Provinzhauptstadt Herat entfernt, trafen sie auf ein selbstverwaltetes Frauenkollektiv, das auf einem ausgedienten Opiumfeld in Eigenregie Safran anbaut.

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Ein Wachmann auf dem Safranfeld
(Credit: Gernot Würtenberger)

Über eine örtliche NGO kamen die beiden mit den Erzeugerinnen ins Gespräch und schließlich ins Geschäft. Nach zwei weiteren Besuchen verließen sie Afghanistan mit mehreren Kilo Safran im Gepäck. Dies sei kein Problem gewesen, meint El-Mogaddedi, "man muss nur alles ordnungsgemäß verzollen“.

In ihrem Onlineshop verkaufen die Wahlberliner – El-Mogaddedi kommt aus der Nähe von Hannover, Würtenberger aus Wien – das faserige Gewürz in unterschiedlichen Mengen.

Ein Gramm reine Safranfäden gibt es für 21 Euro, zwei Gramm für 35 Euro. Vier Gramm des "roten Goldes“, das sich luftdicht verpackt problemlos mindestens zwei Jahre lang konservieren lässt, kosten 58 Euro.

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Safranfäden aus Shakiban
(Credit: Gernot Würtenberger)

Hübsch eingepackt wird das Gewürz in einer Berliner Manufaktur von Behinderten. Ein Teil des Erlöses geht an Bildungseinrichtungen in Afghanistan.

Importiert wird der Safran noch immer in Eigenregie, zukünftig wollen die Startup-Gründer den Vertriebsweg durch den Iran nutzen. "Das Ende des westlichen Handelsembargos gegen den Iran kommt uns da sehr gelegen“, sagt der 43-Jährige.

Safran auf dem Vormarsch

Noch immer gilt Safran als ebenso luxuriöses wie exotisches Nischenprodukt, dennoch ist das Gewürz auch in Deutschland auf dem Vormarsch.

Der Grund: Die indische Küche wird immer beliebter. "Safran ist ein wichtiger Bestandteil der indischen oder ayurverdischen Küche sowie der traditionellen chinesischen Medizin“, erklärt El-Mogaddedi.

Gleichwohl finden die roten Fäden auch in der südeuropäischen Küche Verwendung: "Safran gehört in jede Paella, auch Risotto Milanese (die klassische Version des norditalienischen Reisbreis, Anm. d. Red.) wird damit verfeinert“.

Dattelkonfekt und Öl aus Palästina

Aktuell planen die Conflictfood-Gründer ihr Tätigkeitsfeld auch auf andere Konfliktregionen auszuweiten: Dazu wollen El-Mogaddedi und Würtenberger im Oktober eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben rufen.

Aus Palästina wollen sie demnächst Dattelkonfekt sowie Sesam- und Mandelöl in ihr Sortiment aufnehmen. Den Kontakt zu einem Kollektiv von Kleinbauern aus dem besetzten Westjordanland stellte ein einheimischer evangelischer Priester her.

Kaffee aus dem Jemen

Auch den Jemen haben sie im Blick, die politische Lage im Land würde die Einreise aktuell allerdings zu gefährlich machen. "Im Jemen gibt es eine mehr als 500 Jahre alte Kaffeekultur und beste Anbaugebiete“, schwärmt El-Mogaddedi.

In Malaysia wollen sie eine Kooperation mit Reisbauern eingehen, die einen schier aussichtslosen Kampf gegen die Palmöl-Mafia führen.

"Die Palmöl-Produktion hat katastrophale ökologische Auswirkungen“, erklärt der Gründer. "Trotzdem gibt es Reisproduzenten, die mit innovativen Methoden gegen den Trend und ihre Verdrängung ankämpfen“.

In allen Konfliktregionen soll die Zusammenarbeit gemäß der Philosophie des Startups ablaufen: Beste Agrarprodukte finden, Menschen langfristig eine Perspektive bieten und somit Fluchtursachen bekämpfen. Und die Welt – ganz nebenbei – ein kleines bisschen besser machen.

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(lp)