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Die Welt scheint den Krieg in der Ukraine vergessen zu haben - das könnte sich bald rächen

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CRIMEA SOLDIERS
Russische Soldaten während einer Militärübung. | Eduard Korniyenko / Reuters
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  • Beobachter fürchten ein neues Aufflammen des Krieges in der Ukraine
  • Russland verlegt Truppen auf die Krim
  • Das ukrainische Militär rechnet mit einem Angriff

Der Krieg in der Ukraine ist schon fast vergessen. Doch die Anzeichen mehren sich, dass er schon bald wieder schrecklich aktuell werden könnte.

Vor allem eine Nachricht lässt Beobachter aufhorchen. Der russische Präsident Wladimir Putin hat der Ukraine wegen angeblich versuchter Anschläge auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim mit Gegenmaßnahmen gedroht.

"Wir können so etwas nicht einfach durchgehen lassen"

Russland hat nach Angaben seines Inlandsgeheimdienstes FSB zwei Soldaten im Kampf gegen ukrainische Saboteure verloren.

Angeblich sollen Kämpfer mit Sprengstoffpaketen auf die Krim eingedrungen sein. Dabei sollen sie ukrainische Truppen unterstützt haben. Die Ukraine wies am Mittwoch alle Vorwürfe entschieden zurück.

"Allem Anschein nach sind die Leute, anstatt nach Wegen einer friedlichen Lösung zu suchen, zur Praxis des Terrors übergegangen", sagte Putin der Agentur Interfax zufolge am Mittwoch in Moskau. "Wir können so etwas nicht einfach durchgehen lassen."

Die Welt fragt sich nun, was "nicht durchgehen lassen" bedeuten soll. Putins Drohungen bestätigen Sorgen, dass der eingefrorene Konflikt zwischen der Ukraine und Russland bald wieder aufflammen könnte.

Züge mit Panzern auf dem Weg zur Krim

Dass Putin der Ukraine droht, ist nichts Neues. Doch der Hintergrund, vor dem er diese Äußerung tut, lässt viele befürchten, dass eine Eskalation der Gewalt kurz bevorsteht. In der Vergangenheit hat der russische Präsident Angriffe immer als Verteidigungsmaßnahme zum Schutz von Russen dargestellt.

Seit Sonntag berichten ukrainische Offizielle von russischen Truppenbewegungen und Hubschrauberflügen im Norden der Krim. Am Montag und Dienstag tauchten dann zahlreiche Videos auf Youtube auf, die russische Militärkonvois auf der Krim zeigen. Zu sehen waren Flugabwehrgeschütze und zahlreiche Lastwagen und Tanklaster.

Bilder vom russischen Festland zeigten mit Schützenpanzern beladene Züge, die auf dem Weg zum Fähranleger in der Grenzstadt Kerch waren. Passend dazu veröffentlichte die Stadtverwaltung von Kerch im Internet einen Aufruf, von einem Besuch der Halbinsel abzusehen:

"Wegen eines großen Ansturms von Touristen warnt die Stadtverwaltung, dass Besucher bis zu zehn Stunden in der Schlange vor der Krim-Kaukasus-Fähre warten müssen", heißt es.

Ein plötzlicher Ansturm von Touristen, die ein Kriegsgebiet besuchen wollen?

Dazu passt, dass das Internet im Norden der Krim seit Montagabend nicht mehr funktioniert. Als Grund gegeben die Internet-Provider eine "amtliche Anordnung" an. Soll auf diese Weise verhindert werden, dass Aktivisten Bilder von russischen Truppenbewegungen ins Internet stellen?

Auch die ukrainischen Militärs bereiten sich auf einen Angriff vor. "Ich möchte sie darüber informieren, dass wir direkt an der Grenze Manöver des Feindes mit schwerem militärischen Gerät beobachten“, sagte der Sprecher des ukrainischen Militärs, Andrij Lysenko in einer Pressekonferenz schon am 7. August.

Er ist der Ansicht, dass "die besetzenden Truppen in jeder Minute, in jeder Stunde einen Angriff in jeder Größenordnung anfangen könnten."

Nicht nur auf der Krim steigt das Risiko einer Eskalation. Auch im Osten der Ukraine hat die Gewalt in den letzten Wochen zugenommen. Der Juli war nach Angaben der Vereinten Nationen der Monat mit den meisten Toten seit einem Jahr.

Angriffe in der Ostukraine nehmen zu

Erst am Dienstag starb ein ukrainischer Soldat bei einem Artilleriegefecht zwischen ukrainischen Soldaten und von Russland unterstützen Separatisten in der Nähe des Hafens Mariupol.

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Aleksandr Motusjanik, ein Sprecher des ukrainischen Präsidenten, sagte dem Sender "Voice of America" gestern, dass von Sonntag auf Montag 47 Angriffe von Separatisten auf ukrainische Positionen stattgefunden hätten, von Montag auf Dienstag seien es 50 gewesen.

Dabei würden russische Einheiten wieder schwere Artillerie einsetzen, die nach dem Friedensabkommen von 2015 aus dem Gebiet eigentlich abgezogen sein sollte. Er sagte, es gebe eine "riesige Wahrscheinlichkeit", dass es zu einem größeren Konflikt kommen könnte.

Beide Seiten würden Truppen bewegen. Sie scheinen sich auf "etwas Größeres" vorzubereiten, sagte er.

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