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Berliner Luxushotel "streicht Israel von der Landkarte" - angeblich wegen arabischen Gästen

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HOTEL KEMPINSKI BERLIN
Das Kempinski-Hotel Bristol am Kurfürstendamm in Berlin, aufgenommen 1998. | ASSOCIATED PRESS
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Claude Lanzmann kennt das noble Kempinski-Hotel in Berlin seit Jahren. Der vielfach preisgekrönte Filmemacher übernachtete in dem Haus am Kurfürstendamm erstmals 1986, als er seinen Film "Shoah" in Berlin vorstellte.

In "Shoah" kommen Zeitzeugen des Holocaust zu Wort. Der Film schrieb Geschichte, weil er mit mehr als neun Stunden ungewöhnlich lang war, aber auch, weil erstmals ausführlich Überlebende des Holocaust von ihren Erlebnissen berichteten.

Nun war Lanzmann wieder zu Gast in Berlin - und wie er in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") schreibt, erlebte er dort etwas, das ihn "zutiefst schockiert" hat.

Lanzmann: "Israel ist eliminiert"

Auf seinem Hotelzimmer fand er eine Liste mit Ländervorwahlen. Als er seine Augen über die Liste wandern ließ, blieb er beim Buchstaben "I" hängen. Dort stand nur die Vorwahl für Italien - aber nicht für Israel.

Lanzmann beschreibt schreibt in der "FAZ" so: "Wie ist es möglich, im Jahre 2016 in Berlin, der Hauptstadt des neuen Deutschlands, dass Israel eliminiert, getilgt, ausgemerzt wird?"

"Mehrheit der Kundschaft sind Araber"

Die Antwort bekam Lanzmann dann an der Rezeption. Dort sagte ihm ein Mitarbeiter des Hotels laut der Schilderung von Lanzmann: "Monsieur, es macht mich glücklich, dass Sie diese Frage aufwerfen. Ich bin selbst Jude, es handelt sich bei der Maßnahme um eine bewusste Entscheidung der Direktion des Kempinski-Hotels, gegen die wir leider machtlos sind."

Und dann kam der Grund: „Die Mehrheit unserer Kundschaft sind Araber, und sie haben verlangt, dass Israel gestrichen werde.“

Kempinski dementiert

Würde sich ein Hotel wirklich Gästen beugen und Israel von einer Telefonliste streichen, wäre das ein Skandal.

Das Kempinski bestreitet gegenüber der Huffington Post, dass es eine solche Order gegeben habe. Die Pressesprecherin schreibt:

"Wir können die in dem Artikel von Claude Lanzmann in der FAZ vom 11. August beschriebenen Aussagen des Mitarbeiters so nicht bestätigen. Es gab und gibt keine Anweisung seitens der Hoteldirektion und auch nicht von der Kempinski AG, die israelische Vorwahl nicht in die Ländervorwahl-Liste aufzunehmen. Dies würde auch unseren Grundsätzen von Gastfreundschaft und Offenheit gegenüber allen Menschen widersprechen."

Lanzmann: "Man kann nicht erlauben, dass Israel ausgemerzt wird"

Und weiter: "Es gab keinen dezidierten Grund, dass das Land Israel auf der Liste nicht benannt war und wir haben die Vorwahl selbstverständlich ergänzt. Grundsätzlich sind bei uns alle Gäste herzlich willkommen. Sollten wir mit dem Fehlen der israelischen Vorwahl die Gefühle von Herrn Lanzmann verletzt haben, so bitten wir aufrichtig dies zu entschuldigen.​"

Lanzmann allerdings wird das wohl nicht beruhigen. Die Aussage des Hotelmitarbeiters löste bei Lanzmann eine tiefe Sorge aus: "Alles um mich herum schien wieder möglich zu werden. Nicht nur die Auferstehung des Nationalsozialismus."

Er schreibt in der "FAZ": "Man kann nicht gegen den arabischen Terrorismus kämpfen und gleichzeitig erlauben, dass in einem der nobelsten und wichtigsten Hotels in Berlin Israel ausgemerzt wird. Israel ausmerzen heißt zu verlangen, dass die Israelis ausgemerzt werden. Dass man sie tötet."

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(sk)