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Spanien jagt Steuersünder mit Drohnen

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Spaniens Finanzministerium geht spektakulär gegen Steuersünder vor. (Symbolfoto) | Google Earth
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Spanien sitzt auf einem hohen Schuldenberg. Und er steigt mit besorgniserregender Geschwindigkeit. Das Problem: Die Regierung in Madrid gibt viel mehr aus als über die Steuern hereinkommt.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass Steuerhinterziehung in Spanien oftmals wie ein Kavaliersdelikt behandelt wird. Nicht so von Finanzminister Cristobal Montoro.

Der Politiker der Volkspartei setzt auf eine ungewöhnliche Maßnahme, um Steuersünder aufzuspüren: Drohnen.

19 Millionen Anwesen in über 4.300 Städten und Gemeinden wurden von den unbemannten kleinen Drohnen innerhalb der vergangenen zwei Jahre überflogen, 1.700 weitere sollen noch folgen.

Bisheriges Ergebnis: Die Besitzer von rund 1,7 Millionen Häuser stehen im Verdacht, zu wenig oder gar keine Grundsteuer für ihr Anwesen gezahlt zu haben. Das sind fast neun Prozent aller ermittelter Eigentümer – eine Zahl, die sogar Montoro überrascht.

Zahlen, bitte: 1,3 Milliarden Euro Steuern werden nachgefordert

Denn die Steuernachforderungen sind laut Angaben des Finanzministeriums 24 Prozent höher als erwartet: Knapp 1,3 Milliarden Euro könnte der verspätete Zahltag in die spanischen Staatskasse spülen.

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Im Vergleich dazu sind die Kosten für die Steuersünder-Operation gering: 80 Millionen Euro hat der Einsatz der Drohnen und die Auswertung der Bilder laut Hochrechnung der spanischen Tageszeitung “El Mundo” bislang gekostet.

Pools, Gartenhäuser, Garagen: gebaut, aber nicht gemeldet

Aus den Aufnahmen, die die Drohnen schossen, konnte zudem festgestellt werden, dass rund 70 Prozent der Steuersünder Upgrades an ihren Häusern “vergessen” hatten, anzumelden: Swimming Pools, Garagen, Gartenhäuser – die Häuser wurden teils nach Belieben erweitert, ohne die Behörden zu informieren.

Die meisten Vergehen gab es in der bevölkerungsreichsten Region Andalusien im Süden Spaniens. Gemessen an den Einwohnern ist allerdings die Region Aragón Spitzenreiter: Fast 17 Prozent der Häuser sind dort im Besitz von Steuerbetrügern.

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Vom Drohneneinsatz verschont blieben die autonomen Regionen Navarra und das Baskenland. Die beiden Provinzen verfügen über ihre eigene Steuerhoheit.

Das Fotografieren und Filmen der Anwesen durch die Drohnen war die bisher größte Operation des Finanzministers gegen Steuersünder – aber nicht die erste eigenwillige Methode.

Auch Lionel Messi wurde zur Kasse gebeten

Montoro ließ bereits seine Mitarbeiter die Facebook-Profile reicher Spanier nach verdächtigen Posts durchsuchen. Wer in dem sozialen Netzwerk zu sehr mit seinem Reichtum protzte, bekam prompt Besuch vom Finanzamt.

Außerdem stellte das Finanzministerium spanische Bürger an den Pranger, die dem Staat mehr als eine Millionen Euro schulden, indem es eine Liste mit deren Namen veröffentlichte.

Der berühmteste Fang: Lionel Messi. Der Stürmer des FC Barcelona hatte Werbeeinnahmen in Höhe von 56 Millionen Euro am Fiskus vorbeigeschleust.

Doch große Fische wie Messi sind selten. Den größten Anteil machen kleinere Steuersünder aus. Vor allem im Baugewerbe und Tourismus boomt die Schattenwirtschaft.

Laut Schätzungen entgehen dem spanischen Staat jährlich 24,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) durch Steuerhinterziehung. Das entspricht 250 Milliarden Euro. Die 1,3 Milliarden Euro, die durch die Drohnen-Mission aufgespürt wurden, sind also nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

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