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Michael Phelps: Das 21. Gold macht ihn zum erfolgreichsten Olympioniken überhaupt

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MICHAEL PHELPS
Michael Phelps gewinnt bei den Olympischen Spielen 2016 seine 21. Goldmedaille | ODD ANDERSEN via Getty Images
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Es ist sein 21. Gold. Eben noch war Michael Phelps (31) durch das Wasser im Olympia-Becken von Rio de Janeiro gepflügt, jetzt steht er mal wieder auf dem Siegerpodest, die US-Hymne erklingt - und die Tränen fließen. Tatsächlich, der schwimmende Roboter, wie sie in nennen, weint vor Freude.

"Der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten"

Wie Michael Phelps seine vorzeitige Pensionierung gefeiert hatte, sehen Sie hier im Video auf Clipfish Er winkt zur Tribüne, wo seine Mutter und Freundin Nicole mit dem dreimonatigen Sohn Boomer sitzen. 25 olympische Medaillen hat er bei fünf Olympischen Spielen bisher geholt - davon 21 Mal Gold. Damit ist er der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten. Mag sein, dass Phelps diesen Triumph noch gar nicht so richtig realisieren kann, denn eigentlich ist es ein Wunder, dass er in Rio überhaupt an den Start gegangen ist. Michael Phelps hatte 2013 seine aktive Karriere beendet. Er könne kein Chlor mehr riechen, sagte der Rekord-Schwimmer als Begründung. Vielleicht hatte er das nicht bedacht, denn ohne Alternative zum Leistungssport fühlte sich der US-Amerikaner verloren. "Nach all den Jahren des Spitzensports hatte er keinen neuen Sinn gefunden, war orientierungslos durchs Leben gestolpert", schreibt die "Welt". Zu viele Pokerspiele, zu viel Alkohol.

Rücktritt vom Rücktritt

Zwar gab er im Frühjahr 2014 seinen Rücktritt vom Rücktritt bekannt, aber so richtig in der Spur war er immer noch nicht. Dann der Tiefpunkt: Im Herbst 2014 wurde er mit überhöhter Geschwindigkeit und 1,4 Promille im Blut erwischt. Es war bereits seine zweite Alkoholfahrt, denn 2004 war er wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet und zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt worden.
Phelps entschloss sich zu einer Suchttherapie und verbrachte 45 Tage in einer Entzugsklinik. Der US-Schwimmverband nahm ihn vorübergehend aus dem Team. Heute sagt er: "Ich war an einem sehr dunklen Ort und wollte nicht mehr leben." Er hat es wieder geschafft, vielleicht auch weil er sich geändert hat. "Ich habe mich immer nur als Schwimmer gesehen. Das war's. Ich war mir selbst nicht mehr wert als das."

Leben abseits des Schwimmbeckens

Heute weiß Phelps, dass es noch ein Leben jenseits des Schwimmbeckens gibt. Seit Februar 2015 ist er mit dem Model Nicole Johnson verlobt, am 5. Mai 2016 kam der gemeinsame Sohn Boomer zur Welt - und sein Vater wollte es noch einmal wissen.

Der hoch aufgeschossene junge Mann (1,93 Meter) aus Baltimore, Maryland, hatte selbst keine einfache Kindheit. Bei ihm wurde ADHS festgestellt, eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Deshalb - und durch den Einfluss seiner älteren Schwestern - begann er im Alter von sieben Jahren zu schwimmen.
Mit 15 nahm er an den Olympischen Spielen 2000 in Sydney teil. Da gewann er noch keine Medaille. Vier Jahre später holte er in Athen schon sechs Mal Gold und 2008 in Peking acht Goldmedaillen.

Fehlverhalten und Suspendierung

Anfang 2009 veröffentlichte die britische Boulevardzeitung "News of the World" ein Foto, das Michael vieldeutig beim Rauchen einer Wasserpfeife zeigt. Phelps entschuldigte sich für sein "Fehlverhalten", wobei ihm das Wort Marihuana nicht über die Lippen kam. Trotzdem suspendierte ihn der US-Schwimmverband wegen "Verstoßes gegen die Verhaltensregeln" für drei Monate von allen Wettkämpfen. Und sein Sponsor Kellogg's kündigte an, den auslaufenden Werbevertrag nicht zu verlängern, weil "dieses Verhalten" nicht zum Image des Lebensmittelkonzern passe. Dieser Skandal ist längst Geschichte. Heute erregt Michael Phelps durch kreisrunde Flecken auf der Haut Aufmerksamkeit. Diese kleinen Blutergüsse an Schulter und Oberschenkel haben aber eine harmlose Ursache. Sie entstehen beim sogenannten Schröpfen. Dabei werden kleine Sauggläser auf die Haut aufgebracht. Das Verfahren, bei dem ein Unterdruck entsteht, wirkt wie eine Massage - und offenbar auch positiv auf die Leistungsfähigkeit, wie Phelps mit Goldmedaille Nummer 20 und 21 beweist.