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Falschmeldung: Das steckt hinter dem absurden Gerücht um die geheimen Flüchtlingsflüge von Köln

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Auch in Köln sollen die geheimen Flüchtlings-Flüge starten. | dpa
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  • Ein großes Verschwörungs-Medium berichtet von geheimen Flüchtlings-Flügen
  • Eine offensichtliche Falschmeldung. Doch zehntausende Deutsche glauben sie
  • Kein Einzelfall. Die wachsende Zahl von Falschmeldungen in sozialen Medien wird Sicherheitsexperten zufolge immer mehr zum Problem

Es war eine schier unglaubliche Meldung, die in dieser Woche auf diversen ominösen Web-Seiten die Runde machte. Eine große rechte Verschwörungsseite hatte am Montag getitelt: „Bundesregierung schleust Flüchtlingsmassen über Flughäfen ein.“

Zu unglaublich. Denn die Geschichte, die bis Mittwochmittag über 23.000 Mal bei Facebook geteilt wurde, ist offenbar einfach nur hanebüchener Unsinn. Nicht nur das Bundesinnenministerium hat entsprechende Meldungen gerade erst aufs Schärfste dementiert.

"Sie landen tief in der Nacht"

Die in rechten Kreisen sehr bekannte Seite hatte geschrieben, die Asylsuchenden würden in der Türkei und in Griechenland in gecharterte Maschinen einsteigen: „Sie landeten hierzulande tief in der Nacht“. Anschließend würden sie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf die Aufnahmelager verteilt.
 
Beispielhaft sei der Flughafen Köln-Bonn zu sehen: „Am Tag wird bloß eine Maschine aus dem östlichen Mittelmeer gemeldet.“ Nachts seien es aber gleich elf.

Dabei ist es eine Binsenweisheit, dass Flieger in der Urlaubszeit wegen des erhöhten Flugaufkommens öfter auch einmal in der Nacht landen. Auch twitterte das Bundesinnenministerium mittlerweile: „Der behauptete Sachverhalt trifft nicht zu.“

Und der Flughafen Köln-Bonn teilt mit: „Derzeit kursieren im Internet Spekulationen über angeblich geheime Nachtflüge aus der Türkei zum Flughafen Köln/Bonn, die Flüchtlinge nach Deutschland bringen. Diese Behauptungen entsprechen nicht der Wahrheit.“

"Flüge, wie man sie Jahr und Tag kennt"

Die Flüge aus und in die Türkei seien allesamt Touristen-Maschinen, „wie der Flughafen sie seit Jahr und Tag kennt“. Entgegen den Spekulationen im Netz hätten die Flüge auch gegenüber dem Vorjahr nicht zugenommen, obwohl der Gesamtverkehr in der Ferienzeit um fast ein Fünftel gewachsen sei.

Der Flughafen nennt sogar detaillierte Zahlen über Starts und Landungen von und in die Türkei. Doch die offensichtliche Falschmeldung wird auch jetzt noch von anderen Verschwörungs-Medien, mit teils erheblicher Reichweite, weiterverbreitet.

Häufig falsche Gerüchte über Flüchtlinge - mit fatalen Folgen

Es ist nicht das erste Mal, dass in sozialen Medien Falschmeldungen über die Flüchtlingspolitik oder einzelne Asylsuchende tausendfach geteilt werden, obwohl deren fehlender Wahrheitsgehalt offensichtlich ist. „In den sozialen Medien werden beispielsweise oft Gerüchte über angebliche Straftaten von Flüchtlingen verbreitet, die komplett erfunden sind“, sagt Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Tatsächlich musste die Polizei in den vergangenen Monaten häufig wegen völlig aus der Luft gegriffener vermeintlicher Straftaten von Flüchtlingen, ermitteln. Dabei kolportierten Internetnutzer selbst schwerste Delikte wie Vergewaltigungen zum Teil wider besseren Wissens im Netz.

Auch in anderen Bereichen als der Flüchtlingspolitik würden Nutzer in sozialen Medien teils Unwahrheiten verbreiten, klagt Wendt in der Huffington Post. Dies sei für die Sicherheitsbehörden ein „erhebliches Problem“.

Auch, weil Falschmeldungen zu bestimmten Themen „zu einer Radikalisierung sowohl am linken als auch am rechten Rand sorgen können".

"Problem für Sicherheitsbehörden"

Der Sicherheitsexperte analysiert: „Viele Menschen lesen gar keine Zeitungen oder klassische Online-Meldungen mehr und hören auch kein Radio.“ Sie informierten sich über soziale Medien, die ihre vorhandene Meinung mit teils falschen Meldungen noch bestärkten.

Auch die Politik müsse sich Gedanken über diese Blase machen.

Ebenso wohl die etablierten Medien. Ignorieren Journalisten solche Gerüchte wie das von den nächtlichen Massen-Flügen, sehen das die rechten Verschwörungs-Theoretiker einfach als Beleg für ihre kruden Thesen.

Zudem könnten, wenn eine Richtigstellung in den Massenmedien ausbleibt, auch moderate Kritiker der Flüchtlingspolitik den Eindruck gewinnen, dass es schon stimmen werde, wenn niemand widerspreche.

Auch deshalb hat sich die „Huffington Post“ dazu entschlossen, über diese offensichtliche Ente zu berichten.

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