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"Wie in den 30er-Jahren": Erdogan-Anhänger betreiben in Deutschland Hetzjagd auf Gülenisten

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ERDOGAN COLOGNE
"Wie in den 30er-Jahren": Erdogan-Anhänger betreiben in Deutschland Hetzjagd auf Gülenisten | Sascha Steinbach via Getty Images
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  • In Deutschland haben Erdogan-Unterstützer zum Boykott von angeblich Gülen-nahen Unternehmen aufgerufen
  • Es kursieren Listen mit Namen der Geschäfte
  • Betroffene berichten von Beleidigungen und Morddrohungen

Es sind besorgniserregende Entwicklungen. Unter deutsch-türkischen Anhängern des Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan kursieren Listen von Firmen, bei denen man nicht mehr einkaufen soll. "Esst nicht in diesen Restaurants!“, steht darin oder: "Kauft nicht in diesen Läden!“.

Es sind Boykottlisten, die bei Facebook und in Whats-App-Gruppen geteilt werden. Sie richten sich gegen die von der türkischen AKP-Regierung für den Militärputsch vom 15. Juli verantwortlich gemachte Gülen-Bewegung.

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Boykott-Aufrufe gegen alle Art von Geschäften

Erdogan-Anhänger hierzulande rufen dazu auf, gezielt Unternehmer in Deutschland zu boykottieren, die der Gülen-Bewegung nahestehen könnten: Friseure, Bauunternehmer, Restaurantbesitzer, Gemüsehändler, Ärzte.

Die Bewegung des muslimischen Predigers Fethullah Gülen wird von der türkischen Regierung für den Putschversuch gegen Erdoğan Mitte Juli verantwortlich gemacht. Nun werden Gülens angebliche und tatsächliche Unterstützer auch in Deutschland verfolgt: "Wir sind zur Zielscheibe geworden“, sagt ein Druckereibesitzer aus dem Rheinland, der sich selbst als Gülen-Anhänger bezeichnet.

Beleidigungen und Morddrohungen


Türkischstämmige Unternehmer aus Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg berichten der "Zeit", sie würden auf offener Straße angeschrien oder beleidigt: als Gülen-treue Vaterlandsverräter und Terroristen. Sie erhielten Morddrohungen, ihre Geschäfte würden beschmiert. In mehreren Städten werde in Moscheen öffentlich dazu aufgerufen, in bestimmten Läden nicht mehr einzukaufen.

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"Das ist wie in den dreißiger Jahren, als es hieß: Kauft nicht beim Juden“, sagt ein Lebensmittelhändler aus Gelsenkirchen, der anonym bleiben möchte. Unternehmer seien in ihren Läden überfallen worden. Die örtlichen Polizeidienststellen bestätigen die Übergriffe. In Nordrhein-Westfalen ermittelt der Staatsschutz.

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