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Eine 4.000 Jahre alte chinesische Sage hat sich dieses Jahr bewahrheitet

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CHINA YANGTSE
Der sagenumwobene Gelbe Fluss | manx_in_the_world via Getty Images
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Sagen sind der faszinierende Grundbaustein unserer Kultur – nur ernst nimmt sie niemand mehr. Dabei haben nicht wenige einen wahren Kern, der ihren Aussagen auch heute noch eine große Bedeutung verleiht.

Das konnten Wissenschaftler verblüfft feststellen, als sie geologische Erkenntnisse mit den Aussagen einer alten chinesischen Sage verglichen.

Yu besiegte die Flut und wurde zum Herrscher Chinas gekrönt

Der Gründungsmythos des chinesischen Reichs beruft sich auf die Sage von der großen Flut des Gelben Flusses, die "stieg und stieg, bis sie den Himmel bedrohte" wie in einem überlieferten Text zu lesen ist. Ein Prinz namens Gun ließ Staudämme bauen – doch die Fluten waren stärker.

Schließlich hatte sein Sohn Yu die rettende Idee: Er entwickelte ein System von Gräben und Schluchten, die die Fluten um die Siedlungen herum leiteten. Zum Dank wurde Yu zum neuen Herrscher gekürt und gilt seitdem als Gründer der Xia-Dynastie, des ersten chinesischen Herrscherhauses.

Neue Studie zeigt: Die große Flut gab es tatsächlich

Das Problem: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise für die Existenz der Xia-Dynastie – viele Historiker waren deshalb der Meinung, die Sage wäre reine Propaganda gewesen. Nun haben aber Forscher der Universität von Peking, Taiwan und der Purdue-Universität im US-Bundesstaat Indiana in einer groß angelegten Studie herausgefunden: Die große Flut hat es tatsächlich gegeben und die Chronisten haben nicht übertrieben.

"Es war eine der größten Fluten, die die Erde in den letzten 10.000 Jahren gesehen hat“, schreibt Geologe und Mitautor Darryl Granger der Purdue-Universität. Er hat zusammen mit Wissenschaftlern die Gesteinsschichten des Gelben Flusses untersucht und Belege gefunden, dass vor etwa 4.000 Jahren ein natürlicher Staudamm durch ein Erdbeben zerbarst und der Gelbe Fluss sich in einer gewaltigen, sturzartigen Flut bis etwa 2.000 Kilometer ins Landesinnere fraß.

gelber fluss

Zeitgleich soll die Xia-Dynastie ihre Herrschaft gefestigt haben. Vielleicht durch den in der Sage beschriebenen Trick?

Auch 2016 kämpft der Mensch gegen die Natur

"Yu brachte Ordnung ins Chaos. Er schaffte es, die zivilisierten chinesischen Siedlungen von ihrer wilden Umgebung zu separieren“, sagte David Cohen, Mitautor der Studie und Professor für Anthropologie an der National Taiwan University, auf einer Pressekonferenz.

Ereignisse des Jahres 2016 zeigen: Der Kampf der Menschen um die Kontrolle der Natur ist noch lange nicht vorbei. Auch dieses Jahr ringen die Chinesen wieder mit den Fluten des Gelben Flusses - wie vor 4.000 Jahren. Und das trotz modernster Technologien und neuer Erkenntnisse.

Mit unzähligen Staudämmen soll der Gelbe Fluss im Zaum gehalten werden – was sich jedoch als ein schwieriges Unterfangen erweist. Da die Region auch ein Erdbebengebiet ist, können diese bei jeder Erschütterung brechen und ganze Städte würden in den Wassermassen buchstäblich verschwinden. Immer wieder warnen Ingenieure vor einer drohenden Katastrophe.

Von Menschenhand geleitete Flut

Wie die große Flut sich abgespielt haben könnte – und dass sich das Geschehen gerade wiederholt – zeigt ein Ereignis, das vor zwei Monaten stattfand. Glücklicherweise wurde es dieses Mal von Menschenhand geleitet:

Ende Juni wurden die Schleusen eines Damms nahe der Stadt Luoyang in der Provinz Henan geöffnet, um den Schlamm im Staubecken wegzuspülen - eine notwenige Maßnahme, damit der Damm entlastet wird und nicht auseinander bricht. Die Stadt machte zusätzlich noch ein großes Event daraus:

Zahlreiche Touristen beobachteten, wie die Schleusentore sich öffneten und der Gelbe Fluss entfesselt den Damm hinabströmte. Dieses eindrucksvolle Bild zeigt, welche unglaubliche Kraft die Wassermassen dabei entfalten:

damm

Eine Kraft, die die Menschen nicht immer kontrollieren können, wie die Überschwemmungen zeigen, die im Juli die zentral- und südchinesischen Provinzen trafen:

flut

Bleibt zu hoffen, dass die Menschen aus der alten Sage lernen und nicht zuviel Hoffnung in die Staudämme setzen.

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(glm)