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Ein Burnout beginnt anders, als du wahrscheinlich denkst

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BURNOUT
Ein Burnout beginnt anders, als du wahrscheinlich denkst | iStock
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Burnout ist allgegenwärtig. Für einige ist es so etwas wie die Zivilisationskrankheit der Zukunft. Andere halten es nur für eine Modeerscheinung. Grund für die Verwirrung ist, dass Burnout - genau wie Depressionen - meist völlig falsch verstanden wird.

Jemand der sagt, er stehe kurz vor dem Burnout, will meistens nur zum Ausdruck bringen, dass er erschöpft ist. Aber Burnout ist viel mehr als reine Erschöpfung.

Es ist eine Krise der eigenen Identität, die meist entsteht, weil die eigene Erwartungshaltung an eine Situation zu hoch war.

Das zu verstehen ist extrem wichtig, denn andernfalls suchen sich Betroffene viel zu spät Hilfe.

Wie fängt ein Burnout an?

In einem Artikel für das Online-Magazin "Edition F" beschreibt Fabienne Riener die verschiedenen Phasen der Krankheit und erklärt, warum ein Burnout ganz anders beginnt, als die meisten denken - nämlich mit einem Neubeginn und der Vorfreude darauf.

"Der Beginn eines neuen Lebensabschnitts geht oft einher mit viel Energie, viel Hoffnung und viel Tatendrang", schreibt Riener. Ein Zustand, der mit vielen positiven Gefühlen verbunden sei.

Doch wenn es dann wirklich losgeht mit dem Neubeginn, kann es schnell zum ersten Tiefpunkt kommen: "In den ersten Tagen und Wochen ist die Welt meistens noch in Ordnung, aber man unterschätzt oft, dass der Energieverbrauch auch sehr hoch ist", schreibt die Autorin, die eine Praxis für Life Coaching und Psychotherapie in Berlin betreibt.

Konstante Leistung zu erbringen, erfordert sehr viel Kraft

Gerade wenn man einen neuen Job beginnt, will man alles geben. Manche Menschen verausgaben sich dabei mehr, als ihnen möglicherweise selbst bewusst ist. Nach einigen Wochen stellen sie dann vielleicht fest, dass sie nicht mehr so leistungsfähig sind wie zu Beginn. Auch viele Arbeitgeber machen sich nicht bewusst, dass Leistung in Phasen auftritt und sich verändert.

"Konstante Leistung zu erbringen, erfordert Kraft", schreibt Riener.

Fest steht auch, dass ein Burnout nicht über Nacht auftritt - es entwickelt sich über Monate oder sogar Jahre hinweg. Auf das große Engagement der Anfangszeit bei einem Job oder Projekt, folgt nach gewisser Zeit ganz automatisch die Ernüchterung.

Der Kampf zwischen eigenen Bedürfnissen und fremden Erwartungen

Erste Krisen treten auf und es beginnt der Kampf zwischen den eigenen Bedürfnissen und den äußeren Erwartungen. Riener definiert diese als intrinsisch und extrinsisch.

Dieser Kampf löst Stress aus - das ist vollkommen normal. Doch mit diesem Stress muss man sich auseinandersetzen, um gar nicht erst in eine Burnout-Falle hineingezogen zu werden.

Wer das nicht tut, fängt bald an, die eigenen Grenzen zu überschreiten. Betroffene arbeiten dann immer mehr, verdrängen Misserfolge und Enttäuschungen: Der Workoholic ist geboren. "Wer ausbrennt, muss wahrscheinlich einmal gebrannt haben", schreibt Psychologe Matthias Burisch in seinem Buch "Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung".

Workoholics seien sehr aktiv, stünden ständig unter Zeitdruck und hätten das Gefühl, unentbehrlich zu sein, schreibt der Psychologe. Was dann folge, ist eine Phase der chronischen Erschöpfung.

Der Alltag wird zur Belastung

Diese zeichne sich häufig durch Schlafstörungen aus, die wiederum zu einem noch niedrigeren Energielevel führe. Der Job wird zur Belastung, Betroffene verhalten sich distanziert und vernachlässigen Freizeit und Freunde.

An diesem Punkt fühlen sich Betroffene bereits sehr unwohl. Ihr Leben erscheint ihnen leer, sie spüren die starke Belastung bereits, geben sich jedoch häufig selbst die Schuld daran.

Gleichzeitig entsteht oft das Gefühl, für die unbefriedigende Situation im Job verantwortlich zu sein. Ein Teufelskreis beginnt, in dem Betroffene die Arbeitsbelastung sogar noch steigern, um das empfundene Ungleichgewicht wieder auszugleichen. In dieser Phase sinkt das Selbstwertgefühl auf ein Minimum.

Burnout zeigt sich auch durch körperliche Symptome

Als nächstes folgen Konzentrationsstörungen und Leistungsabfall. Auch körperliche Symptome werden präsent. Dazu gehören Tinnitus, Kopf- und Rückenschmerzen, erhöhter Blutdruck, häufige Infektionen aufgrund eines schwachen Immunsystems, Gewichtszunahme, sexuelle Probleme, Magen-Darm-Beschwerden und nervöse Ticks. Die Anfälligkeit für Suchtverhalten steigt zudem.

Wer ein Burnout hat, spürt sowohl eine körperliche als auch eine seelische Belastung: "Ein geschädigter, erschöpfter, sinnentleerter Mensch, der so weit von sich selbst entfernt ist, dass er keine Ahnung hat, wer er ist und was er tun soll und sich oftmals selbst die Schuld für alles gibt", schreibt Riener.

Die Gesellschaft will Beweise sehen

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Das Problem ist, dass Burnout von der Gesellschaft erst als ernstzunehmende Erkrankung akzeptiert wird, wenn es greifbare, also meist körperliche, Symptome gibt.

Und noch etwas macht es Burnout-Patienten schwer: "Ein Burnout-Syndrom hat viele Parallelen zu einer Erschöpfungs-Depression, aber es ist mit Sicherheit nicht dasselbe", sagte Volker Faust, Professor am Zentrum für Psychiatrie der Universität Ulm in Weißenau, gegenüber der Nachrichtenseite "Focus Online".

"Hausärzte behandeln meist die körperlichen Beschwerden, wie Tinnitus oder Schlafstörungen. Der seelische Hintergrund wird selten erkannt."

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