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Publizist Henryk M. Broder zum Morden in Syrien: "Aleppo ist schlimmer als Auschwitz"

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HENRYK M BRODER
Der Kolumnist Henryk M. Broder hält das Morden in Aleppo für schlimmer als Auschwitz | ullstein bild via Getty Images
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  • Der Kolumnist Henryk M. Broder wettert in einem Gastbeitrag gegen die Teilnahmslosigkeit des Westens angesichts des Mordens in Aleppo
  • Er schreibt, er halte die Ereignisse in Aleppo für "schlimmer als Auschwitz"

Der Kolumnist Henryk M. Broder bricht in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung "Die Welt" ein Tabu.

Er schreibt, er halte das Leiden der Zivilbevölkerung in der syrischen Großstadt Aleppo für schlimmer als den Mord an den Juden in Auschwitz - und das als Jude. Als Konsequenz fordert er indirekt ein militärisches Eingreifen des Westens.

In dem Beitrag schreibt er, er wüsste, wie zurückhaltend man mit historischen Vergleichen sein müsse. "Obwohl man im Prinzip alles mit allem und jeden mit jedem vergleichen kann: Trump mit Hitler, eine Hühnerfarm mit einem KZ, die EU mit dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation."

"Keiner wird sagen können, das Schlachtfest habe unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden"

Dann lässt er aber jede Zurückhaltung fallen: "Ich möchte nur feststellen: Für mich ist Aleppo schlimmer als Auschwitz." Der Grund sei, dass Auschwitz Vergangenheit sei, während Aleppo gerade jetzt passiere.

"Auschwitz ist Geschichte, bis ins letzte Detail dokumentiert. Auschwitz kann und wird sich nicht wiederholen. Es wird der Sündenfall der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts bleiben", schreibt er.

Dazu passend: "Letzte Chance der Rebellen" - diese 5 Dinge musst du über die Schlacht von Aleppo wissen

Der Unterschied zu Aleppo sei, dass er gerade jetzt vor den Augen aller geschieht: "Aleppo aber ist Gegenwart. Das Morden und Sterben wird live übertragen. Keiner wird sagen können, das Schlachtfest habe unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden."

Als es darum geht, wie das Morden gestoppt werden soll, bleibt er etwas vage - aber alles deutet darauf hin, dass er ein militärisches Eingreifen der Nato verlangt.

"Niemand soll sich später darauf berufen, er habe nichts mitbekommen oder es sei unmöglich gewesen, das Geschehen mit militärischen Mitteln zu stoppen, so als wäre die Nato ein Traditionsverein, der Trachtenkapellen zu Volksfesten entsendet", schreibt der Publizist.

"Seid einfach still und schämt euch"

Als Aufforderung an Politiker wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Bundespräsidenten Joachim Gauck sagt er, sie sollten aufhören, "Krokodilstränen um die toten Juden zu vergießen" und aufhören, "vom Friedensprojekt Europa zu reden".

"Seid einfach still und schämt euch", ruft er ihnen zu.

Die Vereinten Nationen hatten erst gestern einen alarmierenden Bericht zur Lage in Aleppo veröffentlicht. Seit islamistische Gruppen am Wochenende den Belagerungsring der Regierungstruppen um Viertel in Hand der Aufständischen durchbrachen und eine Verbindungsstraße unter Kontrolle der Regierung kappten, hat sich die Lage in der syrischen Stadt noch einmal verschärft.

Demnach hätten Bombardements wichtige Infrastruktur in der einstigen Wirtschaftsmetropole getroffen und zwei Millionen Menschen von fließendem Wasser abgeschnitten, teilte das UN-Kinderhilfswerk mit.

Zwei UN-Beamte forderten eine "humanitäre Feuerpause", um beschädigte Leitungen reparieren und Hilfsgüter liefern zu können. Die syrische Armee griff Aktivisten zufolge von Rebellen gehaltene Viertel an.

Mit Material der dpa

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(lk)