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Was du sagen solltest, wenn dein Kind den Broccoli nicht essen will

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KIND BROCCOLI
Wie man Kinder dazu kriegt, Obst und Gemüse zu essen | iStock
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Fast alle Eltern haben mit dem Problem zu kämpfen: Um das zweite Lebensjahr herum wird plötzlich eine unsichtbare Grenze überschritten und es gibt kein Zurück mehr. Von einem Tag auf den anderen möchte das Kind nicht mehr essen, was man ihm vorsetzt - und schon gar kein Gemüse.

Gerade noch hat dein Baby brav den Spinat geschluckt, doch jetzt gibt es beim Essen immer öfter ein Riesentheater.

In diesen Momenten sieht man als Eltern eine düstere Vorschau auf die kommenden Jahre an sich vorüberziehen. Diskussionen um einen Mindest-Gemüseanteil pro Mahlzeit, Bestechung mithilfe von Nachtisch. Keine schöne Perspektive.

Die gute Nachricht ist: So schwer muss es nicht sein.

Es gibt ein paar simple Regeln, die du beachten musst, um die Situation zu Tisch so angenehm wie möglich zu gestalten:

1. Fang keine Diskussion an

Wenn du dachtest, du könntest deinem zweijährigen Kind mit Logik kommen, hast du dich geirrt. Dass Gemüse aber so gesund ist, wird es vermutlich wenig interessieren. Versuche stattdessen, so wenig wie möglich darauf zu reagieren und es zu akzeptieren, wenn dein Kind etwas ablehnt, denn "dann fehlt die Verstärkung für das Verhalten, und das Kind isst das Gemüse das nächste Mal wahrscheinlich wieder", sagte Ernährungspsychologe Thomas Ellrott in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Kinder probieren manchmal die verrücktesten Dinge am Esstisch aus, um im Vordergrund zu stehen. "Wenn die Eltern das nicht erkennen, verstärken sie dieses Verhalten."

2. Zwing dein Kind nicht zum Essen

In ihrem Buch "Child of Mine: Feeding with Love and Good Sense" erklärt Ellyn Satter ein paar einfache Regeln, mit denen Eltern und Kind entspannter gemeinsam essen können. Dazu gehört auch, die Kinder nicht zum Essen zu zwingen oder eine bestimmte Anzahl an Bissen zu verlangen.

Dazu gehört auch, einen Nachtisch nicht davon abhängig zu machen, wie gut das Kind gegessen hat. Das ist nichts anderes als Erpressung.

Auch Elrott sieht diese Maßnahme sehr kritisch. Es könne schädlich sein, wenn man Kinder entgegen ihrer inneren Reize von Hunger und Sättigung zum Essen zwinge: "Genau das tun wir aber, wenn wir sie darauf dressieren, dass sie erst satt sein dürfen, wenn ihr Teller leer ist, wenn es also ein äußeres Signal für ihr Sattsein gibt. Dann essen sie später auch so lange Süßes oder Chips, bis die Packung leer ist", sagte er der "FAS".

3. Sei selbst ein Vorbild

Wenn dein Kind lernt, dass es nicht gezwungen wird, Dinge zu essen, die es vielleicht eklig findet, wird es von alleine neue Geschmäcker ausprobieren. Und du kannst ihm dabei helfen. Lehnt dein Kind den Broccoli ab, dann frag es, ob du ihn essen darfst, weil er dir so gut schmeckt.

Sprich mit deinem Kind über deine Lieblingsspeisen. Es lernt, dass Geschmäcker unterschiedlich sein können und vielleicht machst du es neugierig darauf, was seine Mama oder sein Papa besonders gern isst.

Es ist außerdem hilfreich, gemeinsam als Familie zu essen. So bekommt das Kind ganz automatisch mit, dass seine Eltern eine Vielzahl an verschiedenen Speisen essen und genießen.

4. Lass dein Kind alles probieren

Eine einfache Regel könnte lauten: "Du musst nichts aufessen, aber alles probieren." Es ist nicht schlimm, wenn dein Kind Sachen wieder ausspuckt, die es wirklich eklig findet. Auch Erwachsene mögen nicht jeden Geschmack.

Aber gib ihm die Chance, alle Geschmacksrichtungen kennenzulernen und selbst zu entscheiden, was es mag und was nicht. Es ist viel wahrscheinlicher, dass Kinder sich gegen auferlegte Zwänge wehren. Also lass deinem Kind ein gewisses Maß an Freiheit.

Ellrott erklärt einen weiteren Vorteil der Methode: "Wir Menschen kommen mit einer Neophobie auf die Welt, mit einer Angst vor Neuem. Und Probieren hilft, die zu überwinden."

5. Mach es deinem Kind schmackhaft

Obst- oder Gemüseteller, die spannend aussehen, werden lieber gegessen. Kohlrabi-Dreiecke oder Kiwi-Sterne sind schnell gemacht und bringen Kinderaugen zum Leuchten.

Alternativ kannst du auch einen Dip oder einfach ein bisschen Ketchup zum Gemüse reichen. "Wenn ein Klecks Ketchup dazu führt, dass die Eltern Gemüse in das Kind hineinbekommen, ist das doch zweckmäßig. Denn desto eher essen die Kinder das Gemüse später auch ohne Ketchup", sagte Ellrott.

6. Gib die Hoffnung nicht auf

Alle paar Jahre ändert sich der Geschmack - das passiert sogar Erwachsenen noch. Lebensmittel, die man nie mochte, schmecken plötzlich sehr gut.

Gerade bei Kindern sind die Geschmacksnerven noch in der Entwicklung. Es ist von der Evolution so eingerichtet, dass sie am Anfang ihres Lebens süßere Speisen bevorzugen, denn sie erinnern an den Geschmack der Muttermilch.

Auf diese Weise können Säuglinge und Kleinkinder identifizieren, was gut und was schlecht für sie ist. Doch diese Neigungen verändern sich, je älter das Kind wird.

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