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Strafanzeige: Kirche will Flüchtlinge in Regensburger Pfarrheim aushungern

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  • Seit vier Wochen harrt eine Gruppe von Flüchtlingen im Regensburger Pfarrheim aus
  • Das Bistum hat Strafanzeige gestellt, doch nur ein Teil der Gruppe hat sich bereit erklärt, das Gebäude zu verlassen
  • Nun hat die Kirche den Flüchtlingen die Essensversorgung abgeschnitten
  • Eine Zusammenfassung des Textes gibt es im Video oben

Seit mehr als vier Wochen belagern Flüchtlinge das Pfarrheim von Regensburg. Sie stehen unter kirchlicher Obhut, doch nun sollen sie das Gebäude verlassen.

Das Bistum habe in Rücksprache mit den Behörden festgelegt, gegen die 25 Asylsuchenden Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch zu stellen, teilte ein Bistumssprecher am Freitag mit.

Um sie zum Gehen zu bewegen, geht die Kirche einen radikalen Schritt: Die Versorgung mit Nahrungsmitteln werde ab Samstag eingestellt, ein Notarzt sei aber erreichbar. Die ganze Gruppe oder einzelne Personen der Gruppe könnten jederzeit das Pfarrheim verlassen und mit ihrer zuständigen Behörde die nächsten Schritte besprechen.

Flüchtlinge wollen Bleiberecht erzwingen

Das Vorgehen stößt auf Kritik. Der Bayerische Flüchtlingsrat etwa moniert, das Bistum habe verboten, dass Helfer den im Pfarrheim verbliebenen Flüchtlingen - darunter seien fünf Kinder und ein sechsmonatiges Baby - Lebensmittel und Getränke bringen.

Laut einem Bericht der "WAZ" sei Security-Mitarbeitern sogar mit der Kündigung gedroht worden. "Dieses Vorgehen der Bistumsleitung ist empörend und stößt auf völliges Unverständnis", teilte der Flüchtlingsrat mit.

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Die Flüchtlinge hatten Anfang Juli Zuflucht im Regensburger Dom gesucht und dort fast eine Woche ausgeharrt, ehe sie in das Pfarrheim umzogen. Mit ihrer Aktion wollen sie für ein Bleiberecht und gegen die Einstufung von Balkan-Staaten als sichere Herkunftsländer demonstrieren.

Generalvikar Michael Fuchs verurteilte insbesondere das wiederholte Vorschieben der Kinder für die unerfüllbaren Ziele der Gruppe.

Die Kinder wurden demnach "von Anfang an benutzt als Transparent-Halter, als Foto-Objekte an der Protestfront, ja in konkreten Drohungen sogar als mögliche Waisenkinder durch Selbstmord der Erwachsenen und als mögliche Tötungsopfer", sagte Fuchs.

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