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Erdogan, der "Oberbefehlshaber" Millionen demonstrieren in Istanbul

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ISTANBUL
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und seine Frau Emine Erdogan auf der Instabuler Demonstration | Getty
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  • In Istanbul sind angeblich Millionen zu einer Demonstration gegen den Türkei-Putsch zusammengekommen
  • Staatspräsident Erdogan lässt sich als "Anführer" feiern

Nicht nur als Staatschef bittet Recep Tayyip Erdogan zur Mega-Kundgebung gegen den Putschversuch. "Einladung unseres Präsidenten und Oberbefehlshabers an unser Volk", steht auf den Transparenten für die "Demokratie- und Märtyrer-Versammlung", zu der am Sonntag in Istanbul nach Berichten der Staatsmedien Millionen zusammengekommen sind.

Auf den roten Transparenten abgebildet: Ein Zivilist, auf seinem Hemd die türkische Flagge mit Halbmond und Stern, der sich einem Putschisten-Panzer in den Weg stellt. Solche Bilder hätten sich aus Sicht Ankaras weltweit als Symbol für den niedergeschlagenen Putsch durchsetzen sollen: Der mutige Widerstand der Zivilisten, der den Umsturzversuch vom 15. Juli tatsächlich erst scheitern ließ - und den etliche Menschen mit ihrem Leben bezahlten.

Auf Erdogans Einladung kommen zu der Kundgebung am Sonntagabend nicht nur Ministerpräsident und AKP-Chef Binali Yildirim, sondern auch Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu von der Mitte-Links-Partei CHP und der Vorsitzende der ultranationalistischen MHP, Devlet Bahceli. Zusammen repräsentieren sie mehr als 85 Prozent des Wählerwillens. Nebeneinander singen Erdogan, Yildirim, Kilicdaroglu und Bahceli in seltener Eintracht die Nationalhymne.

Der "Anführer" tritt vor sein Volk

Als Erdogan bei der "historischen Veranstaltung" eintrifft, preist der Staatssender TRT ihn als "Anführer, der in seine Flagge und sein Vaterland verliebt ist". Yildirim hat seine Partei angewiesen, die Demonstration im brechend vollen Versammlungsort Yenikapi am Marmarameer nicht in AKP-Festspiele ausarten zu lassen. Entsprechende Slogans sind unerwünscht, Parteiflaggen ebenso.

Tatsächlich ist nur ein Meer an türkischen Flaggen zu sehen. Die Behörden haben Medienberichten zufolge 2,5 Millionen davon für die Großkundgebung vorbereiten lassen. Über den Massen in Yenikapi wehen gigantische Flaggen, auch sie sollen Einheit signalisieren: In der Mitte die türkische Flagge, links davon eine mit Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk, rechts das Konterfei Erdogans.

Erdogan stellt Todesstrafe in Aussicht

Nach dem Putschversuch feierte der Westen nicht den "Sieg der Demokratie", sondern koppelte die (aus türkischer Sicht halbherzigen) Verurteilungen des Putsches mit Ermahnungen an Erdogan, eben jene Demokratie nun nicht gänzlich über Bord zu werfen.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu rüstet im Gegenzug verbal auf - und nennt Österreich das Zentrum des "radikalen Rassismus". Wie gleichgültig die EU Erdogan inzwischen zu sein scheint, zeigt der Präsident bei der Großkundgebung am Sonntagabend. Er stellt erneut die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei in Aussicht - wissend, dass die EU für diesen Fall ein sofortiges Ende der Beitrittsgespräche angekündigt hat.

istanbul

Erdogan versichert seinerseits, er sei "kein Despot oder Diktator". Anders als die Nazis betreibt der Präsident derzeit auch keine Gleichschaltung. Erdogan sucht seit dem Putschversuch den Schulterschluss mit weiten Teilen der parlamentarischen Opposition - wobei er allerdings die ihm verhasste pro-kurdische HDP außen vor lässt, obwohl auch sie den Putschversuch klar verurteilt hat.

Bald nach der Veranstaltung wird Erdogan seine erste Auslandsreise seit dem Putschversuch antreten. Sie führt ihn nicht in den Westen, dessen Haltung zu dem Umsturzversuch der Staatschef "unentschuldbar" nennt. Am Dienstag wird Erdogan vom russischen Präsidenten Wladimir Putin in St. Petersburg empfangen werden. Putin hatte Erdogan noch am Putschwochenende persönlich angerufen und sich Ermahnungen verkniffen. Die Reise nach Russland könnte einen weiteren Schritt Erdogans und der Türkei markieren - weg von der EU.

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