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Top-Ökonom Hellwig: Darum lohnt es sich, Banken zu verstaatlichen

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HELLWIG
Ökonom Martin Hellwig | Getty
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  • Der führende Ökonom Martin Hellwig plädiert dafür, Banken in Notlagen zu verstaatlichen
  • Die erhoffte Konsequenz: Die Geldhäuser würden einen reinigenden Reformprozess durchlaufen
  • Die Rettung mit Steuergeldern könnte für mehr Besonnenheit im Bankgeschäft sorgen

Käme es zu einer neuen Finanzkrise, stünde die Deutsche Bank ziemlich schlecht da. Der Stresstest der Europäischen Zentralbank ergab: Sie würde wohl nicht bankrott gehen, bekäme allerdings Schwierigkeiten mit dem Eigenkapital. Kurz gesagt: Für eine lange, schwere Krise ist schlicht nicht genug Geld da.

Insgesamt bewertet die Zentralbank die Ergebnisse des Tests zwar positiv. Doch mit der Commerzbank ist auch ein zweites deutsches Geldhaus unterdurchschnittlich schlecht für einen finanzwirtschaftlichen Schock gerüstet.

Was soll in so einem Fall geschehen? An der Bankenrettung hat sich der deutsche Staat bislang meist mit Garantien beteiligt - es wurden also Versprechen abgegeben, aber es floss nur in absoluten Ausnahmefällen Geld ins Kapitaldepot der Banken. Das ist schließlich ein drastischer Schritt: eine Verstaatlichung der Banken.

"Kontrollfunktion ausüben"

Doch muss dieser Fall tatsächlich so exotisch sein? Soll die öffentliche Hand im Fall des Falles Steuergelder in Banken investieren?

Aber sicher, meint der Wirtschaftswissenschaftler Martin Hellwig, Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern. Die Banken durch öffentlich eingenommene Gelder zu Gemeinschaftsgütern machen - das hält der Forscher nicht nur für möglich, sondern sogar für geboten.

Sollte eine Bank sich also nicht mehr selbst helfen können, "sollte der Bund Aktien übernehmen und die damit verbundenen Kontrollfunktionen ausüben", sagt Hellwig der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Nach dem Motto: Wer die Kapelle zahlt, bestimmt, was gespielt ist.

Einsteigen, aufräumen, aussteigen

Dass ausgerechnet der Staat Bankmanager spielen soll, mag nicht einleuchten. Doch Hellwig führt das Beispiel Schweden an: Dort stieg der Staat 1992 in Banken ein, filetierte unprofitable Geschäftsbereiche heraus und hinterließ 1995 stabile Unternehmen. Eine erfolgreiche, vorübergehende Verstaatlichung. Ziel war schon damals, "ein Aufräumen zu ermöglichen und anschließend wieder auszusteigen", sagt Hellwig.

Das Beispiel könnte Schule machen, auch, wenn Verstaatlichungen seit der letzten Finanzkrise eigentlich nicht mehr vorgesehen sind. Ungewöhnliche Szenarien verlangen aber bisweilen ungewöhnliche Maßnahmen.

Und die sind bei Banken durchaus angezeigt, hängt an ihnen doch ein großer Teil der Volkswirtschaft. "Ich gehe davon aus, dass man dieses Instrument anwenden wird, wenn es um ein Institut geht, bei dem man Angst haben muss, dass ein Abwicklungsverfahren erhebliche Systemschäden mit sich bringen würde", sagt Hellwig.

Modernere Banken dank Steuer-Investments

Banken, die "too big to fail" sind, könnten also mit Steuer-Euros gerettet werden - ein Investment, das sich für den Staat sogar auszahlen könnte. Ein modernisiertes Institut könnte an Aktienwert schließlich deutlich zulegen und damit auch den Wert der Staatseinlage steigern.

Eine weitere mögliche Folge des staatlichen Eingriffs: Die zwangsläufige Modernisierung kann dem Geldhaus guttun. Denn die Banken haben den Strukturwandel, der bereits in den neunziger Jahren begonnen habe, verschlafen, meint Hellwig. Das Privatkundengeschäft sei zunehmend unprofitabel geworden.

Die Konsequenz: "Von außen hat man den Eindruck, dass in den letzten zwanzig Jahren die Investmentbanker die Bank beherrscht und ausgesaugt haben." Die Verstaatlichung im Notfall könnte ein Schritt zu mehr Vernunft in der Bankenwelt sein.

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