Huffpost Germany

Rapper Xatar: Shitstorms werden überbewertet

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Von Hasskommentaren lässt sich Rapper Xatar nicht einschüchtern

Für Außenstehende mag es einem Desaster ähneln: Da veröffentlicht Rapper Xatar (34), der mit bürgerlichem Namen Giwar Hajabi heißt, die erste Single "AFD" aus seinem Kollabo-Album mit seinem Kollegen Haftbefehl, postet den Link zum Song auf Facebook - und schon hagelt es negative Kritiken. "Track ist Müll", "richtig scheiß Song" oder "Das ist mit Abstand das schlechteste Lied, das die jemals gemacht haben", schreiben die verärgerten Fans. In den sozialen Netzwerken halten eben die wenigsten mit ihrer Meinung hinterm Berg. Verunsichern lässt sich Xatar von so etwas allerdings nicht, wie er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news verrät.

Xatar, Sie sind bei Facebook, Twitter und Instagram: Wie wichtig sind Ihnen die sozialen Netzwerke?

Hier können Sie das Kollabo-Album "Der Holland Job" von Xatar und Haftbefehl alias "Coup" vorbestellen

Xatar: Ich bin ehrlich gesagt nicht so der Social-Media-Profi, der voll auf Marketing setzt. Das ist so zeitaufwendig, ich lasse lieber die Musik sprechen. Wenn ein Album gut ist, dann verkauft es sich auch. Das ist zumindest meine Erfahrung. Ich will nicht künstlich oder mit Druck für Verkäufe sorgen. Natürlich mache ich das in einem gewissen Maße auch, aber so, dass ich mich damit noch wohlfühle.

Denken Sie, dass Social Media das Musikbiz beeinflusst?

Xatar: Auf jeden Fall. Das Rap-Business basiert komplett auf Social Media. Das hat früher mit MySpace angefangen, weil es die einzige Plattform war, die einem als Rapper zur Verfügung stand. Von Fernsehsendern und Radiostationen wurde man ja boykottiert. Außer Sido und Bushido hat damals keiner so richtig Platten verkauft. Erst als Facebook in Deutschland so groß wurde, fing das mit den Albumverkäufen richtig an. Am Ende des Tages ist es also schon wichtig für uns Rapper.

Wie gehen Sie mit Hatern um, die Ihre Arbeit kritisieren?

Xatar: Das ist normal. Kritik kannte ich auch schon vor der Musik, früher auf der Straße. Und manche Dinge sind absehbar, wie jetzt zum Beispiel bei unserer Single "AFD". Wir wussten, worauf wir uns einlassen und dass das eine riesen Enttäuschung für viele Leute ist. Vor allem für die jüngeren Fans. Die dachten, da kommt jetzt eine Atombombe. Es ist schon oft nachvollziehbar, woher der Hate kommt. Aber ich definiere mich eh nicht über Social-Media-Kommentare.

Tatsächlich?

Xatar: Ja, die werden überbewertet. Mich trifft so etwas auch nicht. Natürlich bin ich Künstler und arbeite für den Applaus. Wenn ich auf einer Bühne stehe, ist es mir übertrieben wichtig, wie das Gefühl des Publikums ist. Man sieht und spürt schließlich auch, ob es ihnen gefällt und sie feiern oder nicht. Bei Social Media ist das was anderes. Da bekommt ein Hate-Kommentar tausend Likes und du denkst, jemand auf Augenhöhe kritisiert deine Musik. Aber wenn du dann sein Profil anklickst, stellt sich heraus, dass das ein Elfjähriger ist.

Was war bisher Ihr kuriosestes Social-Media-Erlebnis?

Xatar: Ich habe es schon oft erlebt, dass Leute auf meiner Seite schlimm gehatet und beleidigt haben, also habe ich sie gesperrt. Über andere Accounts haben sie mich dann angeschrieben und mich angefleht, sie wieder freizuschalten, weil sie eigentlich die größten Fans von mir sind. Sogar Fotos mit all meinen Produkten haben sie mir geschickt und erzählt, sie hatten nur einen schlechten Tag oder wollten vor ihren Freunden cool sein. Also habe ich sie wieder freigeschaltet. Auch Haftbefehl bekommt so viel Hate aber verkauft drei Mal so viele Platten wie Leute, die nur in den Himmel gelobt werden. Dieses ganze Social-Media-Ding ist kein Meinungsforschungsergebnis, das man ernst nehmen kann.