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Attentäter von Würzburg wurde schon in Ungarn als Flüchtling registriert

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WUERZBURG
KARL-JOSEF HILDENBRAND via Getty Images
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  • Der Attentäter von Würzburg stellte laut einem Zeitungsbericht schon in Ungarn einen Asylantrag
  • Danach verließ er die Unterkunft und reiste an die deutsche Grenze
  • Dort wurde er wohl ohne Überprüfung ins Land gelassen

Es war der Auftakt zu einer blutigen Serie von Morden in Deutschland: Vor zwei Wochen verletzte ein 17-jähriger Flüchtling in einem Regionalzug bei Würzburg fünf Menschen mit einer Axt und einem Messer schwer. Anschließend wurde er von Polizisten erschossen.

Nun werden neue Details über den Attentäter bekannt. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf ungarische Asyl-Dokumente berichtet, hatte der Jugendliche bereits in Ungarn einen Asylantrag gestellt und war einem Kinderheim zugewiesen worden, in dem er offenbar nicht bleiben wollte.

Laut den Dokumenten war der 17-Jährige, der sich bei ungarischen Behörden als Afghane ausgab, am 25. Juni 2015 in Budapest als minderjähriger, unbegleiteter Flüchtling registriert worden.

Attentäter hätte nicht einreisen dürfen

Laut Akte wiesen ihn die Beamten einem Kinderheim in Fót, unweit der ungarischen Hauptstadt, zu.

Zuvor habe das ungarische Zuwanderungsamt in Budapest dem Asylbewerber Fingerabdrücke abgenommen und diese vorschriftsgemäß in die europäische Fingerabdruck-Datenbank eingespeist.

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Schon kurze Zeit später aber verließ der Minderjährige die Unterkunft. Als der 17-Jährige fünf Tage später, am 30. Juni 2015, an der deutsch-österreichischen Grenze bei Passau auftauchte und als Flüchtling registriert wurde, wurden laut Informationen der "Bild" keine Fingerabdrücke genommen.

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Dadurch sahen die Grenzer auch nicht, dass der Mann bereits in Ungarn einen Antrag gestellt hatte - wäre dies der Fall gewesen, hätten sie ihn vielleicht zurückgeschickt.

"Wir haben alles nach Vorschrift erledigt, den Flüchtling in Obhut gegeben. Die Deutschen haben ihn einfach ungeprüft einreisen lassen“, sagte ein Ministerial-Beamter der ungarischen Regierung der "Bild".

Heikel: Laut der Dublin-Verordnung hätte der Attentäter von Würzburg gar nicht nach Deutschland einreisen dürfen, weil er in einem anderen europäischen Land bereits einen Asylantrag gestellt hatte. Allerdings wurde "Dublin" mit der Flüchtlingswelle im vergangenen Jahr faktisch ausgesetzt.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wollte sich auf Anfrage der "Bild" nicht zu dem Fall äußern.

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