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Rheinland-Pfalz setzt Verhandlungen mit Islam-Verbänden aus

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DITIB
Rheinland-Pfalz setzt Verhandlungen mit Islam-Verbänden aus | dpa
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  • Rheinland-Pfalz setzt seine Verhandlungen mit Islam-Verbänden aus
  • Thema war unter anderem der Religionsunterricht
  • Das Land fürchtet den Einfluss der Türkei

Die rheinland-pfälzische Landesregierung setzt die Verhandlungen mit islamischen Verbänden unter anderem zum islamischen Religionsunterricht aus. Nach dem Putschversuch in der Türkei wolle sich die Regierung zunächst ein umfassendes Bild über die neue Situation verschaffen, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Freitag in Mainz.

Sie sagte schon am Montag: "Wir werden nicht zulassen, dass innenpolitische Konflikte aus der Türkei in Rheinland-Pfalz ausgetragen werden."

Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi sagte gegenüber der "Bild": „Ditib ist nicht an einem interreligiösen Dialog interessiert, sondern daran, die Türken in Deutschland unter Kontrolle zu halten und ihre Integration in die weltliche Welt zu hindern.“

Weiter sagte er: „Der Religionsunterricht dreht sich vor allem darum, wie toll der Islam ist.“

Die Regierung aus SPD, FDP und Grünen war mit vier Verbänden - darunter die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) - im Gespräch über einen Vertrag zur freien Religionsausübung und über Islamunterricht. Auch andere Bundesländer prüfen derzeit ihre Kooperation mit Ditib beim Religionsunterricht mit Blick auf mögliche Einflussnahme des türkischen Staates.

Ditib steht unter Beschuss

Ditib untersteht dem türkischen Religionsministerium und ist Dachverband für etwa 900 Moscheevereine in Deutschland. Die Türkei bezahlt auch die Ditib-Imame, die in Deutschland predigen.

Ditib war nach dem versuchten Coup unter anderem deswegen in Deutschland in die Kritik geraten, weil die Imame in ihrer bundesweit einheitlichen Freitagspredigt im Sinn der türkischen Regierung Stellung genommen hatten.

Außerdem hatten Journalisten des Magazins "Report Mainz" recherchiert, dass einzelne Ditib-Imame Erdogan-Kritiker als "Vaterlandsverräter" nicht mehr in ihren Moschee haben wollten.

Ditib distanziert sich radikalen Erdogan-Anhängern

Einer soll sogar Übergriffe auf Vertreter der Gülen-Bewegung in Deutschland gutgeheißen haben. Jene Bewegung des Predigers Fethullah Gülen, den der türkische Präsident Recep Tayyp Erdogan für den Aufstand verantwortlich macht.

Ditib hatte sich offiziell von den Ausfällen distanziert. Auf Anfrage der Huffington Post hatte ein Sprecher außerdem mitgeteilt, die betreffende Freitagspredigt sei "keineswegs politisch" gewesen.

Viele Menschen mit türkischen Wurzeln hätten sich mit ihren Ängsten alleine gelassen gefühlt, stellenweise sei daraus inakzeptable Aggression erwachsen. Ditib habe sich in der Verantwortung gefühlt, diese Gefühle aufzugreifen und sinnvoll zu kanalisieren.

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(ben)