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So will AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm die Partei zur stärksten Kraft in Mecklenburg-Vorpommern machen

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AFD
dpa
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  • In Mecklenburg-Vorpommern tritt ein ehemaliger Radiomoderator als AfD-Spitzenkandidat an
  • Er hat Chancen, mit einem Ergebnis über 20 Prozent in das Schweriner Schloss einzuziehen
  • Dabei unterscheidet er sich von allen andere AfD-Spitzenkandidaten

Auf den ersten Blick ist es schwer, Leif-Erik Holm nicht sympathisch zu finden.

Der Mann war viele Jahre Radiomoderator und weiß, wie man Menschen für sich gewinnt.

Er hat gute Laune, redet kurz und verständlich und was er sagt, klingt irgendwie nett - auch wenn es das auf den zweiten Blick manchmal nicht ist.

Holm ist Spitzenkandidat der AfD in Mecklenburg-Vorpommern. Im September wird gewählt. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass seine Partei als stärkste Kraft in den Landtag einzieht. Das wäre eine Sensation. Und für Deutschland ein politisches Erdbeben.

Überraschend ist an Holm, dass er völlig aus dem Schema der AfD-Spitzenkandidaten herausfällt, die bei den vergangenen Landtagswahlen antraten. Und genau das könnte der Faktor sein, der ihm zum Gewinner in Mecklenburg-Vorpommern macht.

Vom Radiomoderator zum Spitzenpolitiker

Schon jetzt ist klar, dass er die politische Landschaft in dem Bundesland zumindest für fünf Jahre enorm verändern wird. Die rot-schwarze Koalition unter Erwin Sellering wird vermutlich abgewählt.

In Umfragen kommt die SPD aktuell auf 22 Prozent, die CDU auf 25 Prozent, Linke auf 17 Prozent und die AfD auf 19 Prozent. Bei fast allen Wahlen schnitt die AfD aber am Ende besser ab, als die Umfragen prognostizierten.

Holm könnte dafür sorgen, dass die Koalitionsbildung so schwierig wird wie in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt (jeweils Dreierkoalitionen). Außerdem könnte der Erfolg der AfD die NPD aus dem Landtag werfen - Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, in dem die rechtsextreme Partei noch im Landtag sitzt.

Warum er in die AfD gegangen ist?

„Ich wollte eigentlich nie in die Politik. Der Job im Radio hat mir Spaß gemacht", sagt er. "Mir ist aber klargeworden, dass es in Mecklenburg-Vorpommern an vielen Dingen fehlt“.

An einer echten Opposition durch die Altparteien, einem vernünftigen Patriotismus, wie er sagt. In Reden spricht er auch von "Bevölkerungsaustausch", im Wahlprogramm ist von "Gendermainstream" die Rede.

Dennoch ist er anders, als die anderen AfD-Spitzenkandidaten der Wahlen in diesem Jahr.

Junge in Rheinland-Pfalz ist der kantige, trotzige Berufsoffizier. Meuthen der Professor, der um Vernunft bemüht ist. Poggenburg und Höcke sind die Scharfmacher.

Und Holm, der Nette – von der Lügenpresse, könnte man sagen.

"Dann habe ich mich voll auf die politische Sache gestürzt"

In Schwerin geboren, machte der heute 46-Jährige eine Ausbildung zum Elektromonteur in der damaligen DDR und studierte nach der Wende in Berlin Volkswirtschaft.

Beim Radio Mecklenburg-Vorpommern startete er seine Karriere als Moderator, es ging zum NDR, darauf folgten Moderationen beim Radio FFH in Frankfurt und bei Antenne MV, wo er bis 2013 blieb.

Damals kündigte ihm der Sender, weil er Sprecher des Landesverbands wurde und bei der Bundestagswahl antrat. „Dann habe ich mich voll auf die politische Sache gestürzt“, sagt er im Gespräch mit der Huffington Post.

Als Berliner Büroleiter von Beatrix von Storch verdiente er die ersten Sporen – „nachdem wir ins EU-Parlament eingezogen waren und insbesondere weil Volkswirtschaftler als Mitarbeiter gebraucht wurden.“ Das Büro hat er verlassen, um sich ganz dem Wahlkampf zu widmen, wie er sagt.

"Jeder hat seinen eigenen Stil"

„Wichtig finde ich, dass wir alle zusammen langfristig das Vertrauen der Bürger gewinnen. Denn das haben die Politiker der Altparteien in den letzten Jahren völlig verspielt“, sagt Holm.

Wir gegen die.

Aber Holm weiß, wie er es in Zuckerwatte packen kann, sodass es möglichst wenig aneckt. Mit ihm hat die AfD einen brillanten Verkäufer in ihren Reihen.

Er weiß als Radiomoderator, wie man zu Menschen redet, ohne sie zu verschrecken. Ohne zusammenhangloses Gerede, lange Sätze, Nebensätze, Fremdwörter, Wut, zu vielen Zahlen.

„Als Journalist habe ich den kleinen Vorteil, aus Sicht des Empfängers zu denken und Dinge auf den Punkt bringen zu können“, sagt er.

Wenn Höcke, Poggenburg oder Petry reden oder Beatrix von Storch twittert, wirkt das hingegen manchmal wie ein Unfall.

"Jeder hat seinen eigenen Stil"

Holm sagt dazu: "Jeder hat eben seinen eigenen Stil“.

Jedes Wort im Wahlprogramm ist durch seine Finger gegangen. Aufreger wie in Baden-Württemberg - ein Abgeordneter fiel mit antisemitischen Äußerungen in seinen Büchern auf - kann er nicht gebrauchen.

Ungewöhnlich allerdings ist, wie er dort vergleichsweise oft auf die ehemalige DDR eingeht. An einigen Stellen wirbt er sogar dafür, sich bei der DDR etwas abzuschauen, nämlich die „hervorragende naturwissenschaftliche und praktische Ausbildung in den Schulen oder die Förderung junger Familien über günstige Darlehen“.

So viel DDR-Bezug findet sich in den anderen Ost-Verbänden der AfD nicht. Holm ist das Thema aber wichtig.

„Ich bin in der DDR großgeworden und wir hatten eine tolle Kindheit. Ja, die DDR war ein Unrechtsstaat, und ich möchte nie wieder eingesperrt sein“, sagt Holm.

"Der Ossi schaut genauer hin"

„Aber wir konnten eben gleichzeitig recht sorglos aufwachsen. Das macht die Erinnerung so ambivalent. Einige gute Ideen aus DDR-Zeiten haben wir sogar ins Wahlprogramm aufgenommen“, so der AfD-Politiker.

Bei anderen Punkten liegt Holm dagegen mehr auf Linie anderer AfD-Landesverbände.

„Gesellschaftspolitische Umerziehungsmaßnahmen wie „Gender Mainstreaming“ lehnt die AfD ab“, heißt es etwa. „Die Lehrinhalte (des Sexualkundeunterrichts, Anm. d. Red.) haben sich vorrangig an der Lebenswelt von Mehrheiten zu orientieren, nicht an der von Minderheiten.“ Im Klartext: Aufklärung über Homosexualität hat in Schulen nichts verloren.

Ans Eingemachte geht es auch beim Punkt Asylrecht.

Holm warnt vor unkontrollierter Masseneinwanderung (Mecklenburg-Vorpommerns Ausländeranteil wird selbst Ende des Jahres nur bei etwa 6 Prozent liegen). Auf die Frage, warum ausgerechnet die Ost-Länder in der Flüchtlingskrise rechter wählen als die im Westen, sagt er: „Der Ossi schaut genauer hin. Wir erkennen, dass die Probleme von Duisburg-Marxloh, Hamburg-Wilhelmsburg und Berlin-Neukölln bald auch die von Rostock und Schwerin sein können.“

Das ist schon eine äußerst haarsträubende Schönfärberei für Bundesländer, die mit rechtsextremen Gewalttaten und brennenden Flüchtlingsheimen zu kämpfen haben, wie wenige andere.

Holm ist dann eben doch auch, was die anderen AfD-Spitzenkandidaten waren: Offen rechts. Und populistisch.

Hinzu kommt: Holm ist einer komfortablen Situation. Er kann fordert, kritisieren und versprechen, was er möchte – nichts davon wird er vermutlich einlösen müssen, weil niemand mit ihm koalieren würde.

Außer vielleicht die NPD.

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