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"Möge mir Gott vergeben": Erdogan macht ein brisantes Geständnis vor dem türkischen Volk

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  • Der türkische Präsident Erdogan gibt zu, die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen zu lange unterstützt zu haben
  • Erdogan wirft Gülen vor, für den gescheiterten Militärputsch verantwortlich zu sein
  • Seine Vorgehen gegen die Gülenisten könnte nun noch härter werden
  • Eine Zusammenfassung von Erdogans Aussagen findet ihr im Video

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat ein brisantes Eingeständnis gemacht: Er bedauert, die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen zu lange unterstützt zu haben.

Gülen, der in Amerika im Exil lebt, wird von Erdogan verdächtigt, den Putschversuch am 15. Juli mit etwa 290 Toten initiiert zu haben.

"Die ehemaligen Präsidenten Özal, Demirel, der einstige Premierminister Ecevit und sogar wir (Erdogans Partei AKP; Anm. d. Red) haben der Organisation Gülens geholfen, obwohl wir Politiker mit unterschiedlichen Ansichten waren", sagte Erdogan in einer Ansprache vor dem Islamrat am 3. August, wie die Zeitung "Hürriyet Daily News" berichtet.

Erdogan: "Ein ständig wachsender Virus"

Diese Unterstützung der Gülenisten sei der Grund, warum die Organisation in der Gesellschaft "wie ein ständig wachsender Virus" seine religiösen Werte verbreiten konnte, so Erdogan weiter.

Erdogan gab zu, dass er die wirklichen Absichten und langfristigen Ziele der Gülenisten bis 2010 nicht sah. Erst ab 2012 äußerte er seine Vorbehalte gegen die Gruppe. In seiner Partei seien diese Vorbehalte zu lange nicht ernst genommen worden.

Freunde in der AKP habe er über verdächtige Handlungen wie das Anwerben von hochrangigen Offizieren im Militär und prominenten Persönlichkeiten innerhalb des Staates überzeugen wollen. Auch im öffentlichen Dienst und der Privatwirtschaft sei Gülen aktiv gewesen.

Kein Schuldeingeständnis, sondern eine Drohung

2013 war es dann zum Bruch gekommen, als Erdogan Gülen vorwarf, die Proteste gegen ihn unterstützt zu haben.

Aber selbst jetzt, nach dem Putschversuch, sagt Erdogan, wollten manche seiner Parteifreunde die Lage immer noch nicht klar sehen. „Aber von diesem Moment an ist die Zeit des Zweifelns vorüber und die Zeit des Kämpfens hat begonnen.“

Weiter sagte er: “Ich weiß, dass wir Rechenschaft vor Gott und der Nation ablegen müssen. Mögen Gott und die Nation uns vergeben."

Erdogan hat also zugegeben, Fehler gemacht zu haben.

Aber nur, weil die anderen so gerissen waren. Das ist kein Schuldeingeständnis. Sondern eine weitere Drohung an seine Kritiker. Abertausende sind bereits entlassen oder verhaftet worden.

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(ben)