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Ex-Armeechef der Türkei: CIA hatte beim Putschversuch die Finger im Spiel

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BASBUG ILKER
Ex-Armeechef der Türkei: CIA hatte beim Putschversuche die Finger im Spiel | Osman Orsal / Reuters
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  • Hohe türkische Beamte richten schwere Vorwürfe an die USA
  • Die CIA soll von dem Putschplänen in der Türkei gewusst haben

Der frühere Chef der türkischen Streitkräfte, İlker Başbuğ, wirft dem US-Geheimdienst CIA vor, in den Putsch in der Türkei involviert zu sein.

„Es gab bei diesem Aufstand Unterstützung aus dem Ausland“, sagte er dem Sender CNN Türk laut einer Übersetzung der Nachrichtenseite „Hurriyet Daily News“.

Gülen lebe sicher nicht in den USA, ohne dass die ihren Nutzen daraus zögen.

Auch Başbuğ beschuldigt Gülen-Bewegung

Als Hauptverantwortliche bezeichnet Başbuğ allerdings – ebenso wie die türkische Regierung - den im US-Exil lebenden Imam Fethullah Gülen und dessen angebliche Terrororganisation Fetö (Fethullahist Terrorist Organization). Die CIA habe deren Aktivitäten für ihre Zwecke genutzt – um mit Hilfe der Fetö die türkische Armee zu schwächen, so die Theorie von Başbuğ.

Die türkische Regierung hatte nach dem Putschversuch mehrere tausend Soldaten entlassen, darunter fast 150 Generäle.

Başbuğ - ein Mann mit vielen Feinden

Um die Äußerungen Başbuğs einordnen zu können, muss man wissen, dass dieser sowohl mit Erdogan als auch mit Gülen noch eine Rechnung offen haben dürfte.

Başbuğ war im Jahr 2012 selbst verurteilt worden. Die Regierung unter Erdogan hatte ihm vorgeworfen, die sogenannte Ergenekon-Verschwörung angeführt zu haben, die Erdogan ab 2003 habe stürzen wollen. Die Existenz einer solchen Organisation wurde jedoch nie bewiesen. Einige Zeit später wurden die Urteile aufgehoben.

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Unter den Richtern, die für die höchst umstrittenen Urteile verantwortlich waren, waren auch Anhänger Gülens.

Außerdem wurden, so kritisiert Başbuğ, zwischen 2002 und 2010 viele Erdogan-Kritiker aus der Armee entfernt, während die Gülen-Anhänger bleiben durften.

Damals hatten sich Erdogan und Gülen nämlich noch gut verstanden. Zum Bruch der beiden religiösen Männer war es erst 2013 gekommen, als Erdogan Gülen vorwarf, seine Regierung mit Hilfe der Gezi-Proteste aus dem Amt jagen zu wollen.

Alles nur eine "Retourkutsche"?

Der Türkei-Experte Udo Steinbach sagte der Huffington Post, die Äußerungen Başbuğs könnten vor diesem Hintergrund schlicht eine „Retourkutsche“ an Gülen sein.

So ganz von der Hand zu weisen seien Mutmaßungen, dass die CIA zumindest etwas gewusst haben könnte, allerdings nicht, sagt Steinbach.

So wird unter anderem der Chef der Luftwaffenbasis in Incirlik, General Bekir Ercan Van, des Putschversuches bezichtigt. Jener Luftwaffenbasis, die neben Deutschland vor allem auch die USA nutzen. Dass die CIA-Agenten dort überhaupt nichts mitbekommen haben sollten, wäre laut Steinbach verwunderlich.

Auch die türkische Regierung hatte deswegen Zweifel an der Loyalität der USA angemeldet.

Erdogan hatte kürzlich gesagt, hinter dem versuchten Coup stecken Kräfte, „die den Aufschwung der Türkei ohnehin nicht ertragen können“. Der Putsch sei in der Türkei versucht worden, das „Szenario“ jedoch sei im Ausland entworfen worden.

Türkei mutmaßt, dass die CIA etwas mitbekommen haben muss

Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, es wäre falsch, ohne sichere Informationen zu behaupten, die Geheimdienste der USA hätten von den Putschplänen gewusst, diese aber verschwiegen.

Er sagte aber auch: „Eine Tatsache steht jedoch im Raum: (...) Auch wenn der Putschversuch vom 15. Juli nur von einer kleinen Gruppe in der türkischen Armee unterstützt wurde, ist es ein Zeichen großer Schwäche der Geheimdienste, wenn sie von der Vorbereitung eines so umfangreichen Unterfangens nicht vorab Kenntnis erhalten konnten."

Und weiter: "Organisiert wurde der Putschversuch allerdings von einer Person, die in den Vereinigten Staaten lebt, weshalb die dortigen Nachrichtendienste und die zuständigen Behörden eigentlich am besten darüber informiert sein sollten.“

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