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Wacken Open Air: Was ihr über das Festival wissen müsst

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WACKEN OPEN AIR
Wacken Open Air findet wieder statt | Morris MacMatzen / Reuters
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Stagediver gehören beim Wacken Open Air zum Inventar.

Ab Mittwoch heißt es für Headbanger aus der ganzen Welt endlich wieder: Waaaccckkkeennn! Das Wacken Open Air 2016 öffnet zum mittlerweile 27. Mal seine Pforten und 75.000 Metal-Jünger pilgern in das kleine norddeutsche Örtchen. Hier zehn harte Fakten über das größte Metal-Festival der Welt.

Aus der Kiesgrube in den Metal-Olymp

Sogar Jan Delay hat Wacken bereits einen Song gewidmet. Sehen Sie das Video dazu bei Clipfish!

Veranstalter Thomas Jensen und Holger Hübner hielten das erste Open Air im August 1990 in einer Kiesgrube in Wacken ab. Sechs Bands traten für schlappe 12 DM auf. Knapp 800 Metal-Fans fanden sich zu dem Festival ein. Inzwischen hat sich das Festival bei 75.000 verkauften Tickets eingependelt und ist jedes Jahr in Rekordzeit ausverkauft. Insgesamt tummeln sich mit den Bands, Helfern und Pressevertretern etwa 85.000 Menschen auf dem Festivalgelände. Dieses Jahr spielen auf acht Bühnen 157 Bands. Übrigens: Wer in Wacken wohnt, darf kostenlos aufs Festivalgelände.

Wacken: Ein beschauliches Dörfchen

Die Gemeinde Wacken hat etwas über 1.800 Einwohner und ist die meiste Zeit des Jahres ein recht beschaulicher Ort. Das Open Air und die Metalheads sind im Dorf sehr beliebt, zumal es für die ansässigen Geschäfte und Gastronomiebetriebe hohe Gewinne bringt. Viele der Bewohner arbeiten als Helfer auf dem Festival oder verdienen sich etwas dazu, indem sie etwa in ihren Gärten Bier ausschenken. Zu Beschwerden kommt es selten. 2013 klagten aber Anwohner wegen der Überschreitung der zulässigen Lärmobergrenzen. Das Verfahren endete mit einem außergerichtlichen Vergleich: Wenn die Lärmgrenze von 70 Dezibel überschritten wird, zahlt der Veranstalter an die Gemeinde 1.000 Euro für wohltätige Zwecke. 2006 widmete die koreanische Regisseurin Cho Sung-hyung mit "Full Metal Village" der Gemeinde und seinen Bewohnern sogar einen eigenen Dokumentarfilm.

Über 220 Hektar Festivalgelände

Natürlich brauchen die 75.000 Besucher auch eine Menge Platz: Das Festivalgelände umfasst über 220 Hektar, die mit mehr als 40 Kilometer Bauzaun unterteilt und abgesperrt werden. Über 1500 Lkw bringen das benötigte Material an ihren Bestimmungsort. Die Stromleistung des Festivals beträgt 12 Megawatt - so viel wie die einer Kreisstadt mit 70.000 Einwohnern. Für die Bedürfnisse der Besucher stehen über 1.000 Toiletten und etwa 500 Duschen bereit. Dazu wurden 600.000 Euro in den Bau von Abwasseranlagen und die Stromversorgung investiert. Der entsorgte Müll beträgt eine Menge von 3.500 Kubikmeter Müll - und das jeden Tag.

Immer wiederkehrende Gäste

Angeführt wird die Liste der musikalischen Stammgäste von den Mittelalter-Rockern Subway To Sally ("Mitgift - Mördergeschichten"). 2015 feierten sie ihren zehnten Besuch auf einer Wacken-Bühne - so viele wie keine andere Band. Allerdings: Im Rahmenprogramm spielen einige Acts seit Jahren nahezu täglich auf dem Festival. Dazu gehören Alleinunterhalter Mambo Kurt, der die Fans mit Heimorgel-Coverversionen von Metal-Klassikern zum Schunkeln bringt, und die Kapelle der Wackener Freiwilligen Feuerwehr.

So gefragt wie ein Bundesland

Google liefert einen weiteren Hinweis, wie beliebt das Festival mittlerweile ist: Die Häufigkeit der Suchanfragen. So wird Wacken die meiste Zeit des Jahres über etwa genauso oft gegoogelt wie das drum herum liegende Bundesland Schleswig-Holstein.

Sind Metal-Fans trinkfest?

Ja! Auf dem Wacken Open Air werden über 100.000 Liter Bier ausgeschenkt. Noch einmal doppelt so viel wird von Besuchern für die Party auf dem Zeltplatz mitgebracht. Der durchschnittliche Bierkonsum betrug 2011 laut Statista 5,1 Liter pro Besucher - bei Rock am Ring/Rock im Park lag er bei etwa 3,1 Liter.

Rucksäcke und Taschen sind nicht mehr erlaubt

Auch Wacken reagiert nach dem Amoklauf in München und dem Anschlag in Ansbach in diesem Jahr auf die veränderte Sicherheitslage und verbietet Rucksäcke und Taschen auf dem Festivalgelände. Der Veranstalter schreibt:

"Liebe Metalheads, aus aktuellem Anlass hat sich die Festivalleitung in Zusammenarbeit mit den zuständigen Sicherheitsbehörden dazu entschieden, aus Sicherheitsgründen Rucksäcke, Taschen jeglicher Art und auch Full Metal Bags nicht auf dem Veranstaltungsgelände zu erlauben. Zum Veranstaltungsgelände zählen Wackinger Village, Wacken Center, Wacken Plaza, Metal Market, Beer Garden und Infield. Erlaubt sind weiterhin Bauchtaschen und natürlich könnt ihr auch die faltbare Wasserflasche aus dem F:M:B für Getränke weiterhin nutzen."

Ganz ohne müssen Besucher aber nicht auskommen: An den Einlässen befinden sich die bekannten Schließfachtrucks - in doppelter Anzahl. Außerdem bittet der Veranstalter darum, alle Taschen und Rucksäcke mit Namen und Telefonnummer zu kennzeichnen.

Das friedlichste Festival der Welt

Jedes Jahr aufs Neue beweisen die wild aussehenden Metalheads, dass sie im Grunde ganz friedlich sind. 2015 konnte die Polizei einen neuen Rekord-Tiefstand bei den festgestellten Straftaten vermelden. Es wurden nur 157 Straftaten gemeldet. Das sind 116 weniger als das Jahr zuvor. Die Zahl der Eigentumsdelikte halbierten sich gar fast: Von 208 Fälle auf 112, davon 86 Zeltdiebstähle. Auch das Deutsche Rote Kreuz musste, rund ein Drittel weniger zu Rettungseinsätzen ausrücken: Nur 1.600 Patienten mussten in drei Tagen versorgt werden. Bei der Anzahl der Besucher ist die geringe Zahl der Körperverletzungen mehr als erstaunlich: lediglich zwölf wurden gemeldet.

Trotz der hohen Sicherheit hat das Festival im Laufe seiner Geschichte fünf Tote zu beklagen. 2005 erlag ein Mann seinen Kopfverletzungen, nachdem er stark betrunken gegen einen im Schritttempo fahrenden Rettungswagen gestürzt war. 2011 starb ein Fan an einem Herz-Kreislauf-Stillstand, nachdem er von Sicherheitskräften überwältigt wurde. 2012 erlitt ein Besucher, der neben einem Stromaggregat geschlafen hatte, eine tödliche Kohlenmonoxidvergiftung. 2013 starb ein Festivalgast in seinem Zelt eines natürlichen Todes. 2014 wurde ein Mann am Ortseingang von Wacken von einem Taxi überfahren.

Mehr als nur ein Festival: Wacken als Marke

Unter dem Wacken-Banner sind im Laufe der Zeit mehrere Ableger entstanden. Dazu gehören etwa die Hamburg Metal Dayz, die Kreuzfahrten der Full Metal Cruise und die Wacken Roadshow. Erstmals fand im Winter das Full Metal Mountain mit einer Mischung aus Wintersportevent und Metal-Musik statt. Geplant wird obendrein eine metallische Urlaubsreise nach Ibiza. Mit dem Metal Battle richtet das Wacken-Team einen internationalen Bandwettbewerb aus, die gemeinnützige Wacken Foundation und das Wacken Music Camp unterstützen den musikalischen Nachwuchs. 2015 wurde erstmals das eigene Bier ausgeschenkt: das Wacken Premium-Pils. Alles in allem kann gut und gerne von einem kleinen Imperium gesprochen werden.

Karten für das nächste Jahr?

Wer keine Karten mehr bekommen hat und nächstes Jahr einen Trip zum größten Metal-Festival der Welt machen möchte, muss schnell sein. Denn: Die Tickets gehen weg wie geschnitten Brot und waren nach dem Vorverkaufsstart binnen 24 Stunden weg. Am besten man schlägt sofort nach dem Ende des Festivals zu, denn dann beginnen die Veranstalter traditionell mit dem Vorverkauf für 2017.