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Kurden sollen in Konsulat mit Elektroschockern attackiert worden sein

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EKREM KURDE
Ekrem soll im türkischen Konsulat in Hannover verprügelt worden sein. | Screenshot BR
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  • In den türkischen Konsulaten in Essen und Hannover soll es zu heftigen Angriffen auf Kurden gekommen sein
  • Das berichten Kurden im Magazin "Report München"
  • Grünen-Politiker Cem Özdemir warnt vor einer Zuspitzung des Kurdenkonflikts in Deutschland

Der 18-jährige Ekrem aus Bitterfeld möchte eine Ausbildung bei der Bundespolizei machen. Dafür braucht der Kurde einen deutschen Pass und muss seine türkische Staatsbürgerschaft ablegen. Also fuhr Ekrem zum türkischen Konsulat nach Hannover.

Trotz Termins musste er dort lange warte und beschwerte sich. Dann soll es zum heftigen Streit mit einem Mitarbeiter gekommen sein, wie Ekrem dem Magazin "Report München" des Bayerischen Rundfunks (BR) sagte.

"Mit den Oberschenkeln in mein Gesicht geschlagen"

"Als ich mich umgedreht habe, hat er (ein Sicherheitsmitarbeiter des Konsulats; Anm. d. Red) mich da am Nacken gefasst, meinen Kopf runtergedrückt und der zweite Sicherheitstyp hat dann mit den Oberschenkeln in mein Gesicht geschlagen", sagte Ekrem.

Als er dann auf dem Boden gelegen sei, habe er noch Tritte ins Gesicht bekommen, so dass sein Kiefer blutete. In Handschellen wurde er demnach festgehalten und bedroht: "Wenn Du noch eine Bewegung machst, breche ich dir den Arm", soll einer der Sicherheitsmitarbeiter zu ihm gesagt haben.

Ekrem ging noch am selben Tag zum Arzt: Der bescheinigt ihm eine Prellung an Oberschenkel, Kiefer, Nacken, Bauchdecke sowie eine Schürfwunde am Kinn.

Türkische Botschaft dementiert, Ekrem hat Angst

Inzwischen hat der junge Kurde Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt.

Die türkische Botschaft in Berlin dementiert den Vorfall in einer Mitteilung an den BR. Es habe keine Handgreiflichkeiten gegeben.

(Text geht unter dem Video weiter)

Der 18-Jährige hat nun Angst, das Konsulat zu besuchen. Er hält die Attacke für einen gezielten Angriff auf ihn als Kurden.

Ein Beamter habe ihm beim Gehen gesagt, er werde in Zukunft im Konsulat nicht mehr bedient. Allerdings sind seine Papiere noch dort, Ekrem kann sich derzeit nicht ausweisen.

Kurde berichtet von Elektroschocker-Einsatz gegen Bruder

Offenbar handelt es sich bei Ekrems Problem um keinen Einzelfall. Ein weiterer Kurde berichtete in der Sendung von einem Vorfall im türkischen Konsulat in Essen, der ihm und seinem Bruder passiert sein soll.

Der Bruder wollte demnach Probleme im Zusammenhang mit seinem Wehrdienst durch die Zahlung einer Gebühr aus der Welt räumen. Im Regelfall seien dafür 1000 Euro fällig, der Mitarbeiter des Konsulats habe aber das Doppelte verlangt.

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Daraufhin seien die Brüder in einen dunklen Raum geführt worden. Dort hätten mehrere Männer den Bruder verprügelt und mit Elektroschockern auf den Boden gezwungen.

Die Schilderung der türkischen Botschaft in Berlin ist auch in diesem Fall eine andere: Sie bestätigt dem BR zwar eine Auseinandersetzung, die sei allerdings von den kurdischen Brüdern ausgegangen.

Auch in Essen ermittelt nun die deutsche Staatsanwaltschaft zu dem Fall.

Özdemir: "Bitte nicht hier!"

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, fürchtet eine Zuspitzung des Konflikts zwischen Türken und Kurden in Deutschland. Man müsse klarmachen, dass sich das "Klima in der Türkei nicht auf das Klima hier überträgt", sagte der Politiker dem Sender.

Bei den Kurden in Deutschland steigt die Angst vor AKP-Anhängern zunehmend. Bei Demonstrationen und Feiern werden sie zunehmend von türkischen Nationalisten angegriffen. Sollte dieser Konflikt nun auch in den Ämtern angekommen sein, wäre dies allerdings ein besorgniserregendes Novum.

Sollte es sich, wie von den beiden Zeugen beschrieben, um Gesetzesverstöße durch Mitarbeiter im diplomatischen Dienst handeln, muss diesen das Auswärtige Amt nachgehen.

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(sk)