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Milzbrand-Epidemie in Sibirien tötet 1500 Rentiere

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(Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben)

Sibirien leidet durch die Klimaerwärmung - besonders bei den hohen Temperaturen im Sommer. Die Hitze führt dazu, dass die dort verbreiteten Permafrostböden schmelzen. Auch in Grönland, Alaska und Russland tritt dieses Phänomen auf.

Durch das Auftauen des Permafrostes werden gefährliche Gase - wie Methan - aus dem Boden freigesetzt. Dadurch entstehen in der Erde größere Krater und in der Luft Gasbläschen. Auch andere giftige Gase könnten durch die Klimabelastung freigesetzt werden.

Auf der sibirischen Halbinsel Yamal starben in nur einer Woche 1500 Rentiere an Milzbrand, wie die Tageszeitung "Washington Post" schreibt. 63 Personen mussten unter Quarantäne gestellt werden und 40 weitere, größtenteils Kinder, wurden vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Das berichtete der russische Fernsehsender RT.

Der Gouverneur der Region reagierte und rief am 25. Juli sogar den Notstand aus. Im Zuge dessen wurde ein Militäreinsatz initiiert - so soll einerseits das Gebiet gesäubert und andererseits die leblosen Tierkadaver entsorgt werden.

Epidemie durch 75 Jahre alten Schlachtkörper verursacht

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Seit 1941 hatte es in Sibirien keinen Todesfall mehr durch Milzbrand gegeben. Nun konnte die Epidemie durch das Auftauen eines mehrere Jahrzehnte alten Rentierkadavers, begünstigt durch die klimatische Erwärmung, erstmalig wieder ausbrechen.

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Durch den vergleichsweise heißen sibirischen Sommer war das tote Tier mit dem Boden aufgetaut, wodurch das Anthrax (Milzbrand-Bakterium) freigesetzt worden war. Dieses Bakterium ist bei sehr niedrigen Temperaturen in der Lage, mehrere Jahrzehnte zu überleben.

Durch diesen Umstand konnte das Bakterium auch nach 75 Jahren aus dem toten Tierkörper freigesetzt werden und eine Epidemie auslösen. Die sommerlichen Temperaturen hatten die Tiere bereits körperlich geschwächt und so den Ausbruch der Krankheit begünstigt.

Die Washington Post weist in diesem Zusammenhang auch auf eine Arbeit zweier russischer Forscher aus dem Jahr 2011 hin. Diese wies bereits damals auf die Gefahr der Kontaminierung durch Milzbrand hin und erinnerte daran, dass ein solches Bakterium bis zu einhundert Jahre überdauern könne.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei HuffPost Frankreich und wurde von Hanna Weil übersetzt

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(pb)