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Hannes Jaenicke: "Im Einsatz für Delfine" räumt er mit Vorurteilen auf

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Mit dem Wolf tanzt er bestimmt auch irgendwann, aktuell taucht Schauspieler Hannes Jaenicke (56, "Allein unter...") aber mit Delfinen. Welche tollen Bilder das gibt, sehen die Zuschauer in der neuen Ausgabe seiner erfolgreichen Doku-Reihe "Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Delfine" (2. August, 22.15 Uhr, ZDF). Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news hat er vorab schon mal mit ein paar Vorurteilen über den hochentwickelten Meeressäuger aufgeräumt: Morden und vergewaltigen die süßen Dauerlächler tatsächlich?

Warum ist der Delfin diesmal im Mittelpunkt?

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Hannes Jaenicke: Delfine sind unglaublich dankbare Tiere, weil man mit keinem Tier besser illustrieren kann, was wir mit unserem Plastikmüll oder den ganzen Giften, die wir ins Grundwasser leiten, anrichten. Das alles findet man im Magen und in der Fettschicht eines Delfins, wenn man ihn obduziert. Ein weiteres Thema ist die Überfischung: 650.000 Meeressäuger ersticken jährlich in Fischernetzen. Und das dritte Thema sind die Delfinarien, in denen die Tiere mehr vor sich hinvegetieren als leben.

Haben Sie sich an der Oscar-prämierten Doku "Die Bucht" mit Ric O'Barry orientiert?

Jaenicke: Nein, das haben wir absichtlich nicht gemacht. Wir haben uns vor allem auf die Wissenschaft konzentriert. Die Forschung hat im Bereich Delfine und Orcas in den letzten Jahren große Sprünge gemacht. Daher haben wir den berühmtesten Orca-Forscher der Welt vor die Kamera geholt. Wir haben aber auch dem Direktor des Nürnbergers Zoos eine Plattform gegeben, um seine Argumente für das Delfinarium zu erklären.

Vor ein paar Jahren machte das die Runde: Delfine sind nicht nur süß, sie können auch vergewaltigen...

Jaenicke: Das mit den Vergewaltigungen haben wir recherchiert und so einen Gangbang auch gedreht. Und ganz ehrlich: Das ist erstaunlich harmonisch abgelaufen. Ein Weibchen wurde innerhalb von 20 Minuten von fünf Männchen begattet. Es sieht nicht nach Vergewaltigung aus. Dennoch weiß die Wissenschaft noch nicht genau, warum sie das so machen. Eine These ist, dass kein Männchen weiß, wer der Vater ist. Infolgedessen fühlt sich ein kompletter Pulk an jungen kräftigen Männchen für den Schutz des Kleinen verantwortlich.

Und diese Bilder von Delfinen, die einen anderen Kleinwal abwechselnd solange unter Wasser ziehen, bis er ertrinkt...

Jaenicke: Das Material habe ich auch gesehen. Es ist eine matriarchale Gesellschaft und die Delfin-Männchen werden oft von den Weibchen abgewiesen. Und dann werden sie gelegentlich aggressiv, aber ansonsten sind es unfassbar soziale Tiere. Außerdem sind diese Meeressäuger die einzigen Tiere, die speziesübergreifend helfen. Es gibt hunderte Geschichten von Tauchern oder Fischkuttern, die in Not geraten sind, und dann von Delfinen gerettet wurden. Man weiß aber nicht, warum Delfine auch Menschen, also anderen Arten, helfen.

Was ist noch neu in der Forschung?

Jaenicke: Man hat erst vor wenigen Jahren entdeckt, dass Delfine Werkzeug benutzen. Auch scheint inzwischen klar zu sein, dass das, was wir immer als spielen betrachtet haben, in Wahrheit Training für ein besseres Jagdverhalten ist. So haben wir zum Beispiel gefilmt, wie sie Quallen von Nase zu Nase werfen. Es sieht aus wie spielen, aber gleichzeitig steigern sie so ihre Jagdkünste.

Wie ist es, mit Delfinen zu schwimmen?

Jaenicke: Wir haben es versucht. Man muss schon ziemlich schnell sein, kann ich da nur sagen. Sogar wenn sie schlafen, schwimmen sie immer noch fünf bis sechs Seemeilen [ca. 9 bis 11 km/h]. Wenn sie normal schwimmen, kommt man nicht hinterher.

Mit welchem Sport halten Sie sich so fit, dass Sie das überhaupt probieren?

Jaenicke: Ich liebe alles, was mit Brettern und Wasser zu tun hat. Mittlerweile fahre ich sogar SUP (Stehpaddeln).

Ein anderes Wildtier-Thema sorgte zuletzt für Schlagzeilen: Der Zoo in Buenos Aires wird geschlossen und die Tiere, bei denen es möglich ist, ausgewildert. Was halten Sie davon?

Jaenicke: Das Projekt gibt es inzwischen in vielen Zoos. Auch die Delfinarien in den USA müssen dicht machen. Das Problem ist natürlich: Was machst du mit Tieren, die 30 Jahre lang im Becken gelebt haben oder dort geboren wurden?

Grundsätzlich ist es aber eine gute Entwicklung oder?

Jaenicke: Ich bin kein grundsätzlicher Zoogegner. Die Frage ist nur: Welche Tieren kann man artgerecht halten? Wandernde Tierarten und große Raubtiere haben in Zoos nichts verloren.

Sie haben sich schon mit so vielen Tierarten näher beschäftigt. Bei welcher Auswilderung wären Sie gern dabei?

Jaenicke: Mit Primaten habe ich das schon erlebt. Es ist unglaublich, wie schnell sie sich die Natur zurückerobern. Gedreht habe ich das auch schon mit Raubkatzen, die irre ängstlich sind, wenn sie freigelassen werden. Ich glaube, es ist bei jedem Tier unheimlich faszinierend.