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Die Reaktion auf diese Kinder-Werbung zeigt, wie hysterisch unsere Gesellschaft ist

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GAP
Werbung des Modeherstellers GAP sorgt für Sexismus-Skandal. | Screenshot
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Die Liste der Skandale rund um Werbung ist lang - gerade in der Modeindustrie. Das musste gerade erst die US-Modekette GAP erleben: Abertausende Internet-Nutzer regen sich seit einigen Tagen über die aktuelle Kindermode-Kampagne des Modehauses auf.

Der harte Vorwurf: Sexismus.

Denn auf den Werbeplakaten sieht man einen Jungen und ein Mädchen in der neuen GAP-Kollektion. Der Junge trägt ein T-Shirt mit dem Konterfei von Albert Einstein - der Werbeslogan lautet "Der kleine Wissenschaftler".

Das Mädchen wiederum trägt einen silbernen Haarreifen mit Katzenohren - ihr Werbespruch besagt "a social butterfly". Und das regt viele Menschen nun unfassbar auf: Trauen wir Mädchen etwa keine intellektuellen Höhenflüge zu?

Während der Junge also das Potential hat, ein neuer Einstein zu werden - dessen Name GAP leider falsch schrieb - wird das Mädchen wohl nur durch ihre Geselligkeit auffallen.

Und ein Hingucker auf dem Spielplatz sein.

Als könnten Frauen keine Wissenschaftlerinnen werden. Als sollten sie ihre Zeit lieber in hübscher Kleidung auf dem Spielplatz verbringen. So argumentieren die GAP-Gegner.

#NotBuyingIt

"Was zur Hölle", twittert eine empörte Userin:
Eine weitere Twitter-Nutzerin geht sogar noch einen Schritt weiter: "Schande über dich, GAP. Für diesen schändlichen Sexismus, der kleine Mädchen herabsetzt", schreibt die wütende Dame. Der Hashtag #NotBuyingIt (deutsch: werde ich nicht kaufen) verstärkt ihre Ansicht:
Eine Geschäftsfrau hat eine deutliche Forderung an GAP: "Hört auf damit, unseren Kindern zu erzählen, dass ihr Geschlecht ihr Talent bestimmt!"

Die Sexismus-Debatte ist unnötig

In der Tat müssen wir uns über Rollenbilder in unserer Gesellschaft unterhalten. Und dabei trägt auch die Werbeindustrie eine Mitverantwortung.

Doch schaut man sich dieses Beispiel genauer an, zeigt sich, dass die Aufregung um die Kampagne völlig übertrieben ist.

Glauben wir wirklich, dass so ein T-Shirt Mädchen das Selbstbewusstsein rauben kann? Müssen wir die Energie nicht eher darauf verwenden, über gleiche Chancen in Schulen, Universitäten - und Führungskarrieren zu reden?

Wenn ihr, lieben Eltern, es so schlimm findet, weshalb kauft ihr euren Mädchen nicht einfach das Einstein-T-Shirt? Dunkelblau sieht bei Mädels genauso großartig aus wie bei Jungs.

Aber es bringt ja so einen Spaß, sich einfach aufzuregen. Hättet ihr ein paar Seiten weiter geblättert, wäre euch ein ganz anderes Mädchen-Bild aufgefallen: das ein kleines Mädchen in einem "Abenteurer"-Shirt zeigt. Ein Gebiet, das oftmals doch als Männerdomäne gilt. Aber das hätte ja nicht ins Sexismus-Bild gepasst. Deshalb hat keiner darüber gesprochen:

GAP gerät nicht zum ersten Mal in die Kritik. Gerade bei Kinder-Kleidung beweisen die Designer oftmals kein Feingefühl - so kassierte die Firma einen Shitstorm, weil sie ein Mädchen-Shirt mit der Aufschrift „Junge, aufstrebende Präsidentin“ oder „Astronautin“" rausbrachte.

Davor stand eigentlich "Künstlerin", aber das Wort war durchgestrichen. Und sofort waren alle Internet-Nutzer auf 180. Denn man würde den Kindern so ja den Eindruck vermitteln, dass der Beruf "Künstler" minderwertiger sei als andere Berufe.

Andererseits muss man auch sagen: Offenbar hat GAP nichts gelernt.

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(lp)