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Diese fünf Dinge sollte jeder wissen, der Ausländer für Sozialschmarotzer hält

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REFUGEE WORKING GERMANY
Flüchtlinge haben auf dem Arbeitsmarkt viele Hürden zu meistern. | TOBIAS SCHWARZ via Getty Images
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  • Viele Ausländer finden in Deutschland Arbeit – allerdings hauptsächlich Europäer
  • Asylbewerber haben es wesentlich schwerer
  • Viele Deutsche fürchten dennoch, ihren Job an sie zu verlieren

Jeder Vierte, der Hartz IV bekommt, ist Ausländer. Diese Meldung, die auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) aus dem Mai beruht, machte in den vergangenen Tagen die Runde.

Der Tenor vieler Berichte dazu: Viele Ausländer arbeiten nicht, sondern lassen sich vom Staat aushalten.

Doch diese Darstellung greift zu kurz: Immer mehr Ausländer finden in Deutschland Arbeit und zahlen damit in die Sozialkassen ein.

Hier ein genauerer Blick auf die Zahlen und Hintergründe:

1. Die Zahl der beschäftigten Ausländer ist gestiegen

Heute arbeiten deutlich mehr Ausländer in Deutschland als im vergangenen Jahr. Im Mai waren 3,1 Millionen Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, gut elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Insbesondere die Zahl der Bulgaren, Rumänen und Flüchtlinge, die einen Job gefunden haben, ist gestiegen.

Heute arbeiten in Deutschland 30 Prozent mehr Menschen aus einem sogenannten Asylzugangsland - in der Regel also Flüchtlinge - als im vergangenen Jahr. Insgesamt 136.000.

Auch unter den Türken, der größten Migrantengruppe in Deutschland, stieg die Zahl um 7000 Beschäftigte auf über eine halbe Million an. Ein leichtes Plus von einem Prozent.

2. Die Zahl der arbeitslosen Ausländer ist ebenfalls gestiegen

Allerdings gibt es jetzt auch wesentlich mehr arbeitslose Ausländer als noch vor einem Jahr. Die Zahl der arbeitslosen Nicht-Europäer hat sich verdoppelt, das fällt stark ins Gewicht und hängt mit dem Zuzug von Flüchtlingen zusammen.

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3. Die Arbeitslosenquote unter den Ausländern ist konstant geblieben

Die Arbeitslosenquote unter den Ausländern hat sich seit dem Frühjahr 2015 kaum verändert, sie liegt bei 15 Prozent.

Zum Vergleich: Unter Deutschen liegt sie bei gut sechs Prozent – dem niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung.

Dass der Anteil unter den Ausländern deutlich höher ist, liegt vor allem an mangelnden Deutschkenntnissen, Qualifikationen und gesetzlichen Regelungen, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt verzögern und erschweren.

Die Asylbewerber und geduldeten Flüchtlinge dürfen erst nach 15 Monaten ohne Beschränkung arbeiten; innerhalb der ersten drei Monaten dürfen sie nicht einmal geringfügig beschäftigt werden.

4. Eine raschere Arbeitserlaubnis könnte helfen

Thomas Straubhaar, Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg, plädiert deshalb für eine raschere Arbeitserlaubnis für Migranten und warnt gleichzeitig: “Wenn zu leicht, zu großzügig und zu unspezifisch flächendeckend Sozialtransfers über zu viele ausgeschüttet werden, wird Zuwanderung für die Sozialkassen zum Problem.”

5. Ausländer verdrängen Deutsche nicht vom Arbeitsmarkt

Obwohl Folgen der Einwanderung auf den Arbeitsmarkt sehr umstritten und komplex sind, fürchten viele Deutsche pauschal, ihren Job an Migranten zu verlieren.

Dabei ist der Zugang zum Arbeitsmarkt vor allem für Nichteuropäer ohne Bildung in Deutschland ein steiniger Weg. Und auch nach Erhalt der Arbeitserlaubnis hängen die Aussichten auf einen festen Job maßgeblich von den Deutschkenntnissen, der Qualifikation und Aufenthaltsdauer ab.

Verdrängungseffekte hätten deshalb am ehesten die in Deutschland lebende Menschen mit Migrationshintergrund zu fürchten, meint Straubhaar. Denn die Neuankömmlinge seien den Migranten in Deutschland ähnlicher als den eingesessenen Deutschen.

Trotzdem schüren Parteien wie die rechte Alternative für Deutschland (AfD) gezielt Ängste unter Deutschen.

Zur Erinnerung: Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im vergangen Jahr wieder gesunken und damit auf einem Rekordtief. 1,2 Millionen neuer Asylbewerber in vergangenen beiden Jahren haben an diesem Trend nichts geändert.

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(sk)