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Was Trump treibt, ist historisch dumm - und eine historische Chance

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Was Trump treibt, ist historisch dumm - und eine historische Chance | Carlo Allegri / Reuters
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Was Donald Trump abzieht, ist eine historische Leistung.

In der Geschichte der USA hat es noch kein Bewerber um das Präsidentenamt fertiggebracht, mit einer derartigen Konstanz Menschen im eigenen Land zu beleidigen, Verbündete im Ausland zu bedrohen und die eigene Dummheit derart offensiv zur Schau zu stellen.

Das will etwas heißen in einem Land, in dem es Sarah Palin bis zur Anwärterin auf das Amt des Vizepräsidenten gebracht hat und in dem George W. Bush regiert hat.

Attacke auf die Eltern eines ausgezeichneten Soldaten

Trump ändert diesen irren Kurs auch 100 Tage vor der Wahl nicht.

Er attackierte im Sender ABC ausgerechnet die Eltern des US-Soldaten Humayun Khan. Dieser war 2004 im Irak umgekommen, als er versuchte, seine Kameraden vor einer Autobombe zu schützen. Er war für seinen Mut besonders ausgezeichnet worden.

Sein Vater Khizr Khan war auf einer Veranstaltung der Demokraten aufgetreten und hatte Trump vorgeworfen, "nichts und niemanden“ geopfert zu haben.

Am Sonntag ätzte Trump in ABC, er habe viel Opfer gebracht, habe hart gearbeitet. Khan aber unterstelle er, dessen Ansprache sei wohl vom Redenschreiber seiner Rivalin Hillary Clinton verfasst worden. Und Mutter Ghazala Khan habe wohl nichts zu sagen gehabt, oder nichts sagen dürfen.

Ohrfeige für Trump

Die Mutter reagierte nun in der Tageszeitung "Washington Post“ auf Trump. Sie schrieb, sie habe auf der Bühne nicht über ihren toten Sohn reden können. "Welche Mutter könnte das? Donald Trump hat Kinder, die er liebt. Muss er sich wirklich fragen, warum ich nicht gesprochen habe?“ Trump wisse nicht, was Opfer zu bringen bedeute.

Ebenfalls auf ABC zeigte Trump, wie wirr sein Verhältnis zum traditionellen Gegenspieler Russland ist und wie lückenhaft sein außenpolitisches Wissen. Im Interview polterte er, er werde schon dafür sorgen, dass Russland seine Truppen nicht in die Ukraine schicke.

Wo liegt die Krim nochmal?

Darauf hingewiesen, dass die Truppe bereits seit etwa zwei Jahren auf der ukrainischen Halbinsel Krim stehen, wich er aus. Russlands Truppen seien eben nur "in gewisser Weise“ dort. Und er signalisierte, dass er die Sanktionen gegen Russland aufheben wolle.

Was Trump da von sich gegeben hat, ist eine historische Dummheit.

Er ist dabei, es sich kurz vor der Wahl mit dem traditionellen Wählerklientel der Republikaner zu verscherzen. Dementsprechend hektisch versuchten andere Parteikollegen, die Scharte wieder auszuwetzen und den Heldenmut des Soldaten zu loben.

Geopolitisches Unwissen kommt gar nicht gut an

Die einflussreiche Tageszeitung "New York Times“ erlaubte sich den Hinweis, dass 1976 ähnlich wirre Aussagen des damaligen Präsidenten Gerald Ford über Osteuropa "enorm schädlich“ für ihn gewesen waren. Die Leute hätten gedacht, er kenne sich in der Geopolitik nicht genug aus. Letztlich hatte er die Wahl knapp an Jimmy Carter abgeben müssen.

Vielleicht muss man die Einlassungen Trumps auch als historische Chance verstehen.

Als Chance, dass ein Mann dieses Charakters und dieses Wissens doch nicht der mächtigste Mann der Welt wird.

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(cho)