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Diese Entwicklung in den USA muss Wladimir Putin gehörig Angst machen

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PUTIN
Putin macht die Wirtschaftskrise im Land Sorgen | Getty
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Russland steckt in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Gehälter stagnieren, die Schulden steigen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung dramatisch. Russland hat seinen Staatshaushalt Anfang des Jahres um zehn Prozent gekürzt.

Selbst Putin hat sich sein Einkommen kürzlich runtergeschraubt.

Das liegt auch an der Ölpreiskrise, die seit mehr als zwei Jahren auf das russische Budget drückt.

Kosten für Ölförderung sinken

Und die Lage könnte für Russland bald noch sehr viel düsterer werden.

Der Grund: In den USA hat es bei der Ölfördertechnik einen entscheidenden Durchbruch gegebenen. Denn die als Fracking bekannte Ölfördertechnik ist signifikant günstiger geworden, wie eines der größten US-Ölförderunternehmen jetzt bekannt gab.

Aber warum sind das jetzt für Russland und seinen Präsidenten Wladimir Putin so schlechte Nachrichten?

Durch das Fracking ist die USA in den vergangenen Jahren zum größten Ölförderer der Welt und zu einem scharfen Konkurrenten für russische Energiefirmen aufgestiegen. Allerdings war die Technik für die Förderung von Schieferöl bisher kostspielig. Denn für das Fracking müssen mit viel Aufwand Gesteinsschichten tief in der Erde aufgebrochen werden.

In Russland und Saudi Arabien dagegen - lange die größten Ölfördernationen der Welt - sprudelt das Öl quasi von alleine aus dem Boden. Und ist deshalb entsprechend günstig. Das neue nun in den USA: Unternehmen in Texas fördern Schieferöl neuerdings für etwas mehr als 2 Dollar das Barrel. Bisher galten Förderkosten von 20 bis 50 Dollar pro Barrel für Schieferöl als normal.

Kosten für Ölförderung sinken

Scott Sheffield, der Chef des Ölunternehmens “Pioneer Natural Resources”, sagte vergangene Woche: “Wir können mittlerweile mit den Preisen mithalten, die Saudi Arabien hat.” Er glaubt, dass sich wegen der sinkenden Kosten allein in Texas die Ölproduktion in den kommenden Jahren mehr als verdoppeln wird.

Das bedeutet für die russischen Energieunternehmen weitere Konkurrenz auf dem Weltmarkt.

Russland erwirtschaftet rund 50 Prozent seiner Einnahmen aus dem Export von Rohöl oder Rohöl-Produkten.

Weil der Ölpreis seit zwei Jahren im Dauertief steckt, breitet sich in den Kassen des Kremls gähnende Leere aus. Die Wirtschaft schrumpft wegen des niedrigen Ölpreises rund fünf Prozent pro Jahr.

USA fördern weiter massiv Öl

Russland braucht einen Ölpreis von rund 100 Dollar um genug Geld einzunehmen, um alle staatlichen Ausgaben zu finanzieren. Derzeit liegt der Ölpreis nur bei rund 40 US-Dollar je Barrel.

Russland hatte es lange für unmöglich gehalten, dass die USA mit diesem niedrigen Ölpreis noch lange Öl fördern. Das Kalkül in Moskau (und in Saudi Arabien): Wenn sich für US-Unternehmen die Schieferöl-Förderung nicht mehr lohnt, bricht die Förderung ein. Als Folge klettert der Ölpreis weltweit, weil das Angebot schrumpft.

Doch damit hat sich Moskau verrechnet. Die Kosten für die Förderung von Schieferöl sinken. Unter anderem durch neue Technologien, mit denen sich pro Bohrung mehr Öl fördern lässt.

Dass die USA wegen der sinkenden Kosten bei der Schieferöl-Produktion in den kommenden Jahren wohl noch zulegen werden, ist für Russland also keine gute Nachricht.

"Stimmung in der Bevölkerung hat sich dramatisch gedreht"

"In der (russischen) Bevölkerung gibt es zwar keine dramatische Proteststimmung, aber eine Art "Negativ-Stabilisierung. Die Leute begreifen, dass die Krise ernst ist und lange anhalten wird", sagte kürzlich die Soziologin Tatjana Malewa von der Russischen Akademie für Volkswirtschaft im "Deutschlandfunk".

"Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation ist nicht ausreichend, um die Beziehung zum obersten Machthaber wesentlich zu ändern", glaubt Alexej Graschdankin, Vizechef des führenden Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum der “Welt”.

Straßenproteste könnten ausbrechen

Allerdings sieht das der Politologe und Russland-Experte Sergey Aleksashenk anders. Er schrieb kürzlich in einem Beitrag für den Think-Tank Brookings Institut, dass Russland bei allen Wahlen Putins in guter wirtschaftlicher Verfassung gewesen sei.

Das sei bei der kommenden Wahl anders.

Aleksashenk schreibt: “Die Stimmung in der Bevölkerung hat sich Anfang des Jahres dramatisch verschlechtert und die Zustimmung für die Regierung ist dramatisch zurückgegangen.”

Und weiter: “Ein abnehmender Lebensstandard könnte das Volk auf die Straßen treiben. Der Kremlin könnte in der Folge gezwungen sein, die Proteste niederzuschlagen.”

Für Putins Wahl im Frühjahr 2018 seien das keine guten Aussichten. So dürften die technischen Entwicklungen bei der Ölförderung in den USA auch die Machthaber im Kreml interessieren.

UPDATE: Der Geologe Arthur Berman hat darauf hingewiesen, dass die Produktionskosten von Pioneer inklusive Steuern bei mehr als 6 Dollar liegen. Aber auch das liegt noch unter den durchschnittlichen Preisen der Ölförderung in Russland, die bei rund 18 Dollar liegen. Die reinen Produktionskosten (ohne Steuern, Transportkosten, etc) liegen in Russland bei rund 3 Dollar. Inklusive Steuern liegen sie bei mehr als 10 Dollar.

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(lp)