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Mann beschimpft Frau mit Kopftuch - eine Forscherin erklärt, warum sie ihn nicht zur Rede stellte

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HARASSMENT
Frauen sind besonders häufig Opfer von Belästigungen. | PeopleImages via Getty Images
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Die Wissenschaftlerin Uditi Sen aus Großbritannien saß im Bus. Ein Betrunkener beschimpfte gleich daneben eine Frau mit Kopftuch als "Terroristin". Und Sen? Sagte nichts zu dem Islamhasser.

Sens Verhalten klingt zunächst einmal befremdlich. Zumal Sen die Szene extra noch in einem Facebook-Post beschreibt, der fast 900 Mal geteilt wurde.

Tatsächlich aber hatte Sen eine sehr gute Erklärung für ihr Verhalten: Sie strafte den Pöbler mit Verachtung. Und hat die Lage so entschärft.

„Spreche NIEMALS den Täter an”, schreibt die Forscherin für Südostasienstudien. Denn der Täter sei meist auf Konfrontation aus. Viele gingen in solch einer Situation den Krawallmacher selbst an und versuchten, ihn so zum Schweigen zu bringen. Oftmals fühle sich der Täter dann erst richtig motiviert.

"Mobbing funktioniert nie gegen eine Gruppe"

Sens Tipp, um mit dem Opfer schnell in Kontakt zu kommen: "Sagen Sie einfach Hallo, setzen Sie sich hin und fangen Sie ein Gespräch an. Über das Wetter. Über den Busfahrplan. Fußball. Egal.”

Ein Junge starrt eine verschleierte Muslima im Supermarkt an - dann sagt er DAS

Im Fall der Muslimin, die beschimpft wurde, war der Konflikt ganz schnell entschärft – der Mann verlor das Interesse, da ihm keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt wurde.

Das rät auch Maria Tischbier von der Polizei Berlin: Wenn man sich der Konfrontation und dem Täter entziehe, indem man nicht mit ihm spreche, könne es helfen "einen 'Aufschaukelungsprozess' zu vermeiden", sagt sie in einem Interview.

Sen meint, noch besser sei es, wenn man gleich mehrere Personen mobilisieren könne, die sich mit dem Opfer unterhalten: “Mobbing funktioniert nie gegen eine Gruppe von Personen.”

Häufig passieren die Attacken in öffentlichen Verkehrsmitteln und es kann jeden treffen.

Fall in Manchester: "Geh zurück nach Afrika!"

So etwa in einer Straßenbahn in Manchester. Dort beleidigten drei Briten einen Amerikaner aufgrund seiner Hautfarbe. "Geh zurück nach Afrika!", brüllten sie den Mann an. Es kam zum Wortgefecht, einige Passanten mischten sich ein und beleidigten die drei Angreifer als Gegenreaktion. Ein Video der Szene verbreitete sich im Netz und sorgte für Empörung.

In Ausnahmesituation wie dieser kommt es oft zu extremen Gegenreaktion und großer Unsicherheit. Schnell kann die Situation eskalieren. Aber gerade dann sollte man sich nicht auf Provokationen einlassen.

Helfen heißt oft, einfach zum Telefon zu greifen

Aus rechtlicher Sicht gilt, dass jeder in Deutschland verpflichtet ist, in dem Rahmen zu helfen, in dem es ihm möglich ist. Niemand muss sich allerdings dabei selbst in Gefahr bringen.

Im Zweifel solle man die Notrufnummer 110 wählen, erklärt die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Vor allem, wenn niemand vor Ort ist, der spontan Hilfe leisten kann.

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(sk)