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Grünen-Politiker Beck ruft zum Streit mit Pro-Erdogan-Bewegung auf: "Unsere Einwanderungsgesellschaft muss erwachsen werden"

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VOLKER BECK
Der Grünen-Politiker Volker Beck | JORG CARSTENSEN via Getty Images
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  • Nach den Pro-Erdogan-Protesten hat Grünen-Politiker Volker Beck einen anderen Umgang mit Deutschtürken gefordert
  • Es helfe nichts, sie zu ignorieren oder auszugrenzen - "wir müssen lernen, uns zu streiten", sagte Beck
  • Anhänger von Erdogans Partei AKP rückte er in die Nähe der AfD

Nach der Demonstration in Köln mit mindestens 20.000 Teilnehmern hat der migrationspolitische Sprecher Grünen, Volker Beck, einen radikal anderen Umgang mit erdoganfreundlichen Deutschtürken gefordert. "Es hilft nichts, sich zurückzuziehen und zu hoffen, dass schon von selbst alles gut wird", sagte Beck der Huffington Post.

Es helfe auch nicht, Menschen auszugrenzen oder zu ignorieren. "Wir müssen ihnen klarmachen, dass wir von unseren Grundwerten, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, nicht zurückweichen. Wir müssen mit denen streiten, die das anders sehen egal, ob ihre Großeltern nun aus Dresden oder Diyarbakır, aus Köln oder Bodrum stammen", sagte Beck.

"Ganz unterschiedliche Sichtweise"

Außerdem forderte Beck eine neue Diskussionskultur im Umgang mit der Pro-Erdogan-Bewegung. "Unsere Einwanderungsgesellschaft muss erwachsen werden", forderte Beck. "Wir, Alteingesessene und Eingewanderte gemeinsam, müssen lernen uns zu streiten. Dass türkischstämmige Menschen ganz unterschiedliche Sichtwiese haben, das wurde schon bei der Diskussion um die Armenien-Resolution für jeden erfahrbar", sagte Beck.

Auf der Demonstration in Köln wurde etwa die Todesstrafe gefordert, außerdem wurden Transparente hochgehalten, die die Meinungsfreiheit diskreditierten.

"Das sind unsere Feinde"

Die Konfliktlinie verlaufe aber nicht zwischen Türken und Deutschen. "Das ist ein Konflikt zwischen jenen, die Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Demokratie unterstützen. Und jenen, die dagegen sind. Das sind unsere Feinde", sagte der Grünen-Politiker. "Zu ihnen zählen nicht nur Erdogan-Freunde und AKP-Anhänger, sondern etwa auch die AfD. AfD und AKP sind sich im Grunde genommen verdammt ähnlich", sagte Beck. Sie hätten erstaunlich viel gemeinsam: "Sie verteufeln die freien Medien, diskreditieren Minderheiten und haben ein rückständiges Gesellschaftsbild", so Beck.

"Das macht mir Sorgen"

Von den Pro-Erdogan-Demonstrierenden verlangte er deswegen ein klares Bekenntnis zur Demokratie. Glaubwürdig sei dies jedoch nur, "wenn es ein Nein zu Erdogans Repressalien gegen Opposition, freie Presse und unabhängige Justiz enthält", sagte er. Bei den Organisatoren der Kundgebung vermisse er dies jedoch.

Die mangelnde Distanzierung von dem türkischen Machthaber sei "nicht freiheitlich und das macht mir Sorgen". Wie man die Repressionen gegen Beamte dulden könne, sei ihm unverständlich.

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