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"Friedhof der Verräter": So verhöhnt die Türkei verstorbene Aktivisten

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FRIEDHOF
Ein Mann steht vor dem geplanten "Verräter-Friedhof" | Getty
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  • In Istanbul wurden tote Putschisten auf einem eigens angelegten Friedhof neben einem Hundeasyl begraben
  • Markiert war das Areal mit der Aufschrift "Verräter-Friedhof"

Dass der Putsch von Mitte Juli niedergeschlagen wurde, war dem Regime des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan wohl nicht genug: Menschen, die sich an dem Aufstand beteiligt hatten und getötet wurden, sind zum Teil auf einem "Friedhof der Verräter" in Istanbul begraben worden - ohne Gebet und ohne Grabstein, wie türkische Medien berichten.

Mehr als 290 Menschen kamen bei den Unruhen zu Tode. Aktivisten, die ihre Beteiligung mit dem Leben bezahlten, sollten nun offenbar auch noch über den Tod hinaus gedemütigt und als Verräter gebrandmarkt werden. Mittlerweile hat Istanbuls Bürgermeister Kadir Topbas angekündigt, der Friedhof werde doch nicht gebaut - auf dem Gelände sind jedoch bereits Menschen verscharrt worden.

"Nicht in Frieden ruhen lassen"

Markiert war der Ort bis vor Kurzem durch ein Schild mit der Aufschrift "Verräter-Friedhof". Gebaut wurde es neben einer Baustelle, auf der ein Tierasyl für Hunde entsteht, wie die "Welt" berichtet. Bürgermeister Topbas hatte sich stark für das entwürdigende Mahnmal gegen die Abtrünnigen ausgesprochen: "Möge jeder, der vorbeikommt, sie verfluchen und sie nicht in Frieden ruhen lassen", sagte er einer Nachrichtenagentur.

Unklar ist, was nun mit dem dort bereits beerdigten Putschisten geschehen soll. Unterdessen gehen die sogenannten Säuberungen im öffentlichen Dienst der Türkei weiter. Die türkische Staatsanwaltschaft will die Privatvermögen von mehr als 3.000 suspendierten Richtern und Staatsanwälten beschlagnahmen lassen.

Über 3.000 Richter und Staatsanwälte sollen festgenommen werden

Betroffen sind 3.049 Richter und Staatsanwälte mit mutmaßlichen Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fetullah Gülen, deren Festnahme bereits angeordnet worden sei, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstagabend meldete.

Beschlagnahmt werden sollen unter anderem Immobilien, Bankkonten oder Fahrzeuge. Die Regierung macht den in den USA lebenden Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich. Die Regierung wirft der Gülen-Bewegung vor, den Staat unterwandert zu haben. Gülen wurde in der Vergangenheit großer Einfluss im Justizbereich nachgesagt.

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