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Pro-Erdogan-Demo in Köln: Das müsst ihr über die Kundgebung der Unterstützer wissen

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Demonstranten bei einer Kundgebung in Berlin | Getty
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  • Tausende Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan werden am Sonntag in Köln demonstrieren
  • Bei der Kundgebung könnte es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei kommen
  • Deutsche Politiker kritisieren die Veranstaltung

Am Sonntag wird Köln zum Schauplatz eines innenpolitischen Konfliktes - der sich allerdings gar nicht hierzulande abspielt, sondern in der Türkei: Nach dem Putschversuch stehen sich Gegner und Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegenüber.

Die Unterstützer haben eine Kundgebung angemeldet. Diese dürfte reichlich Zulauf erhalten - und Diskussionen über Erdogans Einfluss in Deutschland auslösen. Das sind die Fakten, die ihr vor der Demo kennen müsst:

1. Die Versammlung wird zu einer gigantischen Machtdemonstration

Die Ausmaße der Demonstration dürften Köln in den Ausnahmezustand versetzen: Bis zu 30.000 Erdogan-Anhänger sollen kommen. Zeigen soll das wohl: Die Unterstützung für den starken Mann und damit dessen Macht ist ungebrochen. Auch vier Gegenkundgebungen sind angemeldet.

Sollte es zu Ausschreitungen kommen, drohen Kämpfe auf den Straßen: Die Polizei kündigte am Freitag an, gegen jede Form von Gewalt hart vorzugehen. 2.300 Polizisten sollen für Ordnung sorgen. Die Stimmung zwischen Anhängern und Gegnern Erdogans ist seit dem Putschversuch vor zwei Wochen auch in Deutschland sehr aufgeladen.

2. Erdogan lügt über die Situation in Deutschland

Erdogan wirft Deutschland und Österreich Defizite bei der Meinungsfreiheit vor. Den in beiden Ländern lebenden Türken werde das Recht zu Protesten verwehrt. Teilweise dürften sie nicht einmal die türkische Flagge an ihren Häusern hissen.

Mit der Wahrheit haben diese Aussagen allerdings wenig zu tun: Ein solches Flaggenverbot existiert in Deutschland und Österreich nicht. Zudem findet am Sonntag in Köln ja eine Demonstration tausender Erdogan-Anhänger statt.

3. Auch Rechtsextreme wollen gegen die Demo marschieren

Das Kölner Verwaltungsgericht kippte am Freitag das Verbot einer rechten Gegendemonstration. Hinter dem ebenfalls für Sonntag geplanten Demonstrationszug unter dem Motto "Keine Huldigungen für Erdogan in Deutschland: Stoppt den islamistischen Autokraten vom Bosporus" steht unter anderem die rechtsextremistische Partei Pro NRW.

Die Anmelder wünschten einen Demonstrationszug durch die Innenstadt und über eine Brücke auf die andere Rheinseite. Die Polizei wollte dagegen nur die Abschlusskundgebung auf der anderen Seite erlauben. Sie befürchtet nach eigenen Angaben Gewalt, weil Hooligans der Hogesa-Gruppierung dazustoßen könnten.

Die Veranstalter beteuern dagegen, sie wollten nur friedlich demonstrieren und hätten keine Verbindungen zu Hogesa. Das Gericht ist der Meinung, dass keine ausreichenden Hinweise vorliegen, die auf eine Hogesa-Beteiligung schließen ließen. Insgesamt sind vier Gegendemonstrationen angemeldet, auch Autonome werden erwartet.

4. Bundespolitiker kritisieren die Mobilmachung der Anhänger

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sieht die Kundgebung extrem kritisch: "Innenpolitische Spannungen aus der Türkei zu uns nach Deutschland zu tragen und Menschen mit anderen politischen Überzeugungen einzuschüchtern, von welcher Seite auch immer, das geht nicht", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". In Deutschland gebe es dafür keinen Platz - "und das werden wir auch nicht zulassen".

Ähnlich äußerte sich der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir: "Wir erleben, dass hierzulande Jagd gemacht wird auf türkische Oppositionelle", sagte er der Funke-Mediengruppe. "Erdogan-Anhänger, die andere einschüchtern wollen, müssen mit der ganzen Härte des Gesetzes bestraft werden." Demonstrationen wie die am Sonntag müssten auf dem Boden der Rechtsordnung stattfinden. "Es darf dabei kein Klima der Angst entstehen."

5. Aus der Türkei kommen weiter Provokationen

Mit populistischen Aktionen dürfte es die türkische Regierung schaffen, ihre in Deutschland leben Fans weiter anzustacheln - und die Gegner noch wütender zu machen: So berichteten türkische Medien, dass in Istanbul derzeit ein "Friedhof der Verräter" gebaut werde. Dort sollen Menschen begraben werden, die sich am Putschversuch des 15. Juli beteiligt hatten - ohne religiöse Zeremonie.

Die Ruhestätte wird derzeit neben einer Baustelle errichtet, auf der ein Hundeasyl entstehen soll, berichtet. Noch mehr Feuer ins Öl goss demnach der Bürgermeister Istanbuls, Kadir Topbas, mit den Worten "Möge jeder, der vorbeikommt, sie verfluchen und sie nicht in Frieden ruhen lassen".

Mit Material von dpa.

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