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In Tschernobyl könnte bald eine der größten Solaranlagen der Welt entstehen

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TSCHERNOBYL SOLAR
Am Ort des schwersten Kernkraftunfalls könnte bald eine riesige Solaranlage entstehen. | Getty/HuffPost
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  • In der Ukraine könnte eine der größten Solaranlagen der Welt entstehen
  • Die Fläche dafür soll das kontaminierte Gebiet rund um Tschernobyl sein
  • Nach dem Super-GAU vor 30 Jahren wäre dies eine historische Wende

Vorher ein verseuchter Atommeiler, bald womöglich ein umweltfreundliches Sonnenkraftwerk: Auf dem kontaminierten Gebiet rund um die ukrainische Stadt Tschernobyl könnte in Zukunft eine der größten Solaranlagen der Welt entstehen. Laut ukrainischer Regierung würde die Solaranlage ein Drittel mehr Energie liefern als das heute stillgelegte Kernkraftwerk zu seiner produktivsten Zeit.

Für Tschernobyl hätte das Projekt nicht nur eine ökologische, sondern auch eine historische Bedeutung: Der Ort des weitreichendsten Atomunfalls der Geschichte könnte zu einer riesigen Flächen für erneuerbare Energie werden.

Das Gebiet erstreckt sich über eine Fläche von 1.000 Quadratkilometern. Da die Sperrzone nicht von Menschen bewohnt oder für Landwirtschaft genutzt werden sollte, sieht die Regierung die Chance, sie durch Solarzellen zu nutzen.

Historische Energiewende in verseuchtem Gebiet?

Zehntausende Menschen in der Ukraine, Weißrussland und im Süden Russland wurden unmittelbar nach dem Unfall 1986 aus einem weiten Bereich um das Atomkraftwerk evakuiert. Ein paar hundert Menschen leben noch in verlassenen Dörfern in der Nähe von Tschernobyl.

Dreißig Jahre nach der Tschernobyl-Tragödie haben wir die Möglichkeit, ein besonderes Industriegebiet mit allen Regeln und Vorschriften der Strahlensicherheit innerhalb der Sperrzone zu schaffen", heißt es in einer Präsentation der Regierung, die an die großen Banken der Ukraine gerichtet ist und der britischen Zeitung “Guardian” vorliegt.

Der Vorteil der erneuerbaren Energie am Ort der schlimmsten nuklearen Katastrophe liegen auf der Hand: Die brach liegende Fläche ist billig und riesig, und die Sonne ist so stark wie in Süddeutschland. Außerdem benötigt das ukrainische Stromnetz neue Hochspannungsleitungen, um intakt zu bleiben, heißt es in der Präsentation.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) hat diese Woche bekanntgegeben, die Regierung bei den Plänen mit einem Kredit zu unterstützen.

Ukraine in Energienot, Hilfe von der EU

Im weißrussichen Gebiet Brahin, nur 30 Kilometer von Tschernobyl entfernt, ist bereits eine Solaranlage im Bau. Die Region war eine der am stärksten kontaminierten nach dem Atomunfall und ist deshalb ebenfalls nicht für die landwirtschaftliche Nutzung geeignet.

Die Ukraine möchte nun nachziehen und auch von einem Trend profitieren, der für Vorreiter in der Energiewende bereits Früchte trägt: Die Strompreise steigen, während Strom aus Sonnenenergie innerhalb der letzten Jahre immer billiger geworden ist. Deutschland nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein. Ökostrom ist inzwischen zum wichtigsten Energieträger hierzulande avanciert.

Die Ukraine hingegen leidet unter Energienot. In der Energiepolitik ist das Land auf ausländische Hilfe angewiesen, zwei Atomkraftwerke, die sich seit 30 Jahren im Bau befinden, sind immer noch nicht fertig. Geht das Land am Schwarzen Meer nun einen ersten Schritt in der Energiewende, wird es aber auf große Finanzierungshilfen aus der EU angewiesen sein.

Der erste Schritt dafür ist mit dem angekündigten Entwicklungskredit schon einmal getan. Und für Tschernobyl wäre es ein historisches Projekt, um eine neue, saubere Ära nach dem Super-GAU einzuleiten.

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(tos)