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"Titanic" stellt Erdogan untenrum bloß

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  • Das Satire-Heft "Titanic" zeigt den türkischen Präsidenten Erdogan auf dem Titel
  • Auf dem Bild ist seine Hose geöffnet, heraus hängt eine Wurst
  • Das Cover könnte zum nächsten juristischen Satire-Streit werden
  • Im Video oben seht ihr, was der "Titanic"-Chef zum Cover sagt

Das deutsche Satire-Magazin "Titanic" hat nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei ein ganz besonderes Cover für die aktuelle Ausgabe gewählt.

"Erdogan im Stress – jetzt putscht auch noch sein Penis" steht auf dem Titel. Daneben sieht man den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Anzug. Nur ist sein Anzug nicht ganz geschlossen: Der Reisverschluss der Hose steht offen, daraus hängt eine Wurst:

erdogan titanic
Erdogan präsentiert sich auf dem Cover der "Titanic". Quelle: Titanic

Das könnte Ärger und strafrechtliche Konsequenzen für das Blatt aus Frankfurt geben. Denn der türkische Präsident ist bekannt dafür, eine recht kurze Zündschnur zu haben, wenn es um Witze auf seine Kosten geht.

Erdogan auf dem "Titanic"-Titel: Droht der nächste Satire-Eklat?

Vor allem deutsche Satire erregte in der vergangenen Monate immer wieder das Gemüt Erdogans. Der Satiriker Jan Böhmermann bekam für sein "Schmäh-Gedicht" in der Sendung "Neo Magazin Royale" prompt eine Anzeige wegen Beleidigung und Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes.

Der Fall entwickelte sich zeitweise zum dominierenden Thema in Politik und Medien. Sogar Bundeskanzlerin Merkel fühlte sich zu einer Stellungnahme genötigt, um die diplomatischen Wogen zu glätten.

Auch die Satire-Sendung "Extra3" des NDR war bereits im Visier des türkischen Präsidenten: Im Clip der Sendung wurde auf Nenas "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" folgende Zeile gedichtet: "Sei schön charmant, denn er hat dich in der Hand, Erdowie, Erdowo, Erdogan".

Es war eine Anspielung auf den EU-Türkei-Deal zwischen Erdogan und Merkel, durch den der türkische Präsident zunehmend seine Macht über die Grenzen des Landes hinaus zu demonstrieren versucht. Aufgrund der NDR-Satire wurde sogar der deutsche Botschafter Michael Erdmann in Ankara einbestellt.

Für die Redaktion der "Titanic" könnte es nun also auch knüppelhart kommen. Aber davon lassen sich die Satiriker aus Frankfurt erst gar nicht irritieren. In einem Facebook-Post steht zum aktuellen Titel: "Jetzt noch schnell abonnieren, bevor Kanzlerin Tayyip Merkel TITANIC verbietet."

Daneben steht "Nie mehr schnackseln am Taksim?" – eine Anspielung auf Erdogans autokratisches Vorgehen gegen die Rechte der Bürger, für die auf dem Istanbuler Taksim-Platz schon mehrmals demonstriert wurde. Der Platz ist aber inzwischen zum Hotspot der Erdogan-Anhänger geworden ist (etwa in der Putsch-Nacht).

Es wäre nicht der erste Prozess für "Titanic"

Sollte es zum Eklat um den "Titanic"-Titel kommen, wäre das nicht er erste. Immer wieder flattern bei dem Heft Klagen ein. 2012 ging der Vatikan juristisch gegen "Titanic" vor, da das Heft den damaligen Papst Benedikt XVI. in einer Fotomontage mit einem großen Fleck Urin auf seiner Robe zeigte.

Es war eine Anspielung auf den Skandal um die finanziellen Machenschaften im Vatikan. Dazu schrieb "Titanic": "Die undichte Stelle ist gefunden." Der Vatikan zog letztendlich seine einstweilige Verfügung gegen das Blatt zurück.

Ob die Satiriker diesmal wieder in Schwierigkeiten kommen und ob nach der "Causa Böhmermann" nun gar der nächste ganz große Satire-Eklat droht, wird sich zeigen.

Eins ist klar: Erdogan einen genauen Blick auf seine Titelstory werfen. Dass er sich davon geschmeichelt fühlt, ist aber eher unwahrscheinlich.

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(lp)