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"Harry Potter" auf der Bühne: Das ist das Faszinierende an dem Zauberer

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Harry Potter (Daniel Radcliffe) in

Dieses Wochenende steht ganz im Zeichen von Harry Potter. Der ehemals berühmteste Zauberlehrling der Welt ist inzwischen erwachsen - und Vater. Sein Sohn kämpft mit der Vergangenheit seines berühmten Papas und trifft dabei fatale Entscheidungen: Mit "Harry Potter and the Cursed Child" hat Joanne K. Rowling zusammen mit Jack Thorne und John Tiffany ihre berühmte Geschichte weitererzählt, sie kommt als Theaterstück heraus, die offizielle Uraufführung findet am 30. Juli im Palace-Theatre im Londoner West End statt.

Das Skript des Stückes wird einen Tag später als Hardcoverbuch und e-Book erscheinen, in Deutschland kommt "Harry Potter und das verwunschene Kind" am 24. September auf den Markt. Schon durch die Vorbestellungen wurde es in vielen Ländern zum Bestseller. Was macht den Hype aus? Die Nachrichtenagentur spot on news hat bei Kinderbuch-Autor Kai Lüftner (41, "Das Kaff der guten Hoffnung"), der im September mit "Die Finstersteins" eine neue Buch- und Hörbuchreihe um einen außergewöhnlichen Jungen, der auf einem Friedhof wohnt, startet, nachgefragt.

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"Harry Potter" kommt mit einem Theaterstück und dem dazugehörigen Skript in Buchform zurück. Was halten Sie davon?

Kai Lüftner: Ich habe "Harry Potter" sogar schon gelesen, bevor der große Hype darum ausgebrochen ist. Die ersten beiden Teile der Buchreihe liefen ja noch relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit. Mir gefallen die Bücher sehr gut. Aber bei aller Liebe muss man auch sagen: J.K. Rowling hat das nicht erfunden. "Harry Potter" ist ein perfekter Mix aus vielen Einflüssen, darunter "Die Chroniken von Narnia", "Der Herr der Ringe" oder auch heidnische Mythologien. Entstanden ist aber eine wunderbare, eigenständige Mischung - und zwar auf einem Level von Populärliteratur angesiedelt, wie es das vorher nicht gab. Wenn Literatur unterhält, ist das großartig. Es muss nicht immer pädagogisch wertvoll oder politisch korrekt sein. Filme wie "Ice Age" oder "Ich - Einfach unverbesserlich" haben FSK 0. Bei Büchern aber wird Panik verbreitet, dass man die Kinder überfordert. Das ist absurd. Ich mag diese Filme, aber das ist kein klassisches Kinderentertainment.

Was ist das Faszinierende an "Harry Potter"?

Lüftner: Rowling hat - sowohl thematisch, als auch beim Schreibstil - weder verniedlicht, noch beschönigt. Sie bewegt sich auf Augenhöhe der Kinder und auch einen Schritt weiter Richtung Erwachsenenliteratur. Als Autor bekommt man heutzutage oft zu hören, so etwas wie zerrissene Familien oder Scheidungskinder lassen wir besser außen vor. Das ist leider tatsächlich ein Trend - den sie nicht mitgemacht hat. Das Zweite: Rowlings Bücher regen die Fantasie an und lassen Raum für Interpretationen. Und der dritte Punkt: Da ist ein totaler Outlaw, chancenlos, der in ein spannendes Leben reingezogen wird. Es werden Botschaften vermittelt, wie als Dumbledore zu Harry sagt: "Du wirst nicht an dem gemessen, was du kannst, sondern an den Entscheidungen, die du triffst." Das bleibt bei den Kindern hängen.

Apropos Botschaften: Kirsten Boie hat gerade mit "Bestimmt wird alles gut", einem Buch über Flüchtlinge, viel Erfolg. Ist es gut, wenn solche Themen in Kinderbüchern abgehandelt werden?

Lüftner: Ich finde es gut, wenn man sich am Erlebnishorizont der Kinder orientiert. Ich mag auch das Buch, ich kenne es. Ob so etwas immer Sinn macht, weiß ich aber nicht. Es hat so einen leichten Beigeschmack von Trittbrettfahrerei - und damit meine ich nicht Kirsten Boie, die ich sehr gut kenne und schätze. An mich wurden in den vergangenen Jahren auch sehr viele Themen herangetragen. Ich möchte aber nicht etwas aufgießen, von dem man meint, dass es sich gerade gut verkauft. Literatur ist gut, wenn sie bunt bleibt und von denen ausgeht, die schreiben und die sollen keine Auftragsschreiber darstellen.