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Clintons erste Rede als offizielle Präsidentschaftskandidatin zeigt gleich ihr größtes Problem

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HILLARY CLINTON
Chelsea Clinton mit ihrer Mutter Hillary Clinton auf dem Parteikongress der Demokraten | ASSOCIATED PRESS
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  • Hillary Clinton hat ihre Nominierung als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten angenommen
  • Sie versprach den Amerikanern, mehr Jobs zu schaffen und den Terror zu bekämpfen
  • Doch schon ihre erste Wahlkampfrede zeigt ihr größtes Problem

Hillary Clinton schreibt Geschichte. Sie wird die erste Frau sein, die in den Wahlkampf um das Weiße Haus ziehen wird. Doch ihre erste Rede als offizielle Präsidentschaftskandidatin zeigt schon, dass der Wahlkampf für sie schwierig werden könnte. Ihre Ansprache war alles andere als inspirierend.

Sie versprach den Amerikanern, dass sie sich als Präsidentin um mehr Arbeitsplätze kümmern und mit den Verbündeten der USA im Anti-Terror-Kampf zusammenarbeiten werde. Was man im Wahlkampf eben so sagt.

"Wir sehen mit klarem Blick, mit was es unser Land da zu tun hat", sagte sie mit Blick auf extremistische Gewalt. "Aber wir haben keine Angst."

"Stellt euch Trump in einer echten Krise vor"

Natürlich kamen auch die Spitzen gegen ihren Rivalen Donald Trump. "Stellt ihn euch in einer echten Krise im Oval Office vor", sagte die 68-Jährige - und nahm dessen Twitter-Leidenschaft aufs Korn.

"Einem Mann, den man mit einem Tweet ködern kann, ist kein Mann, dem wir Nuklearwaffen anvertrauen können."

Zudem griff sie Trumps Äußerung in seiner Parteitagsrede vor den Republikanern vergangene Woche an, in der er erklärt hatte, dass nur er "das System" reparieren könne.

Dazu passend: 7 Gründe, warum Donald Trump im November tatsächlich gewinnen könnte

Diese Worte sollten "bei uns allen die Alarmglocken schrillen" lassen, sagte Clinton. Die Amerikaner sollten niemandem glauben, der erkläre: "Ich allein kann es richten."

Das einzige wirklich überzeugende Argument, Clinton zu wählen, scheint zu sein, dass sie nicht Donald Trump ist.

Es ist offensichtlich, dass der Wahlkampf für sie und für ihren Vize Tim Kaine schwierig wird. Selten zuvor in der Geschichte der US-Wahlen hat ein Amtsinhaber nach acht Jahren den Staffelstab an einen Bewerber der eigenen Partei übergeben können. Die Zustimmung zu Obamas Arbeit in der Bevölkerung zum Ende seiner zweiten Amtszeit ist nicht so schlecht wie etwa bei George W. Bush 2008, mit um die 50 Prozent aber auch nicht berauschend.

68 Prozent haben die Nase voll vom "System Clinton"

Clinton muss in den nächsten gut 100 Tagen nicht mehr nur Parteifreunden erklären, warum sie das Zeug hat, die Nummer eins im wohl noch immer bedeutendsten Land der Erde zu werden.

Sie muss es auch den Wählern beibringen, jenen 77 Prozent der Amerikaner, die einen Wandel wollen, die nicht mehr an die alten politischen Eliten in Washington glauben. Auch jenen laut Meinungsforschern 68 Prozent der US-Bürger, die sie, die seit 50 Jahren politisch aktiv ist, persönlich für nicht mehr glaubwürdig halten, die Nase voll haben vom altbekannten und mitunter skandalträchtigen "System Clinton".

Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen - das ist die wohl größte Herausforderung für Clinton, prophezeit die Tageszeitung "New York Times".

In Umfragen liegt er mit Clinton Kopf-an-Kopf, mit weiterhin leichten Vorteilen für die Ex-Außenministerin.

Pennsylvania, Florida, Virginia, Ohio - insgesamt rund ein Dutzend Staaten haben die Wahlforscher als Swing States und damit wahlentscheidend definiert. Dort werden die Wahlkampfschlachten der nächsten Wochen geschlagen.

Michael Moore erwartet einen Trump-Sieg

Das größte Problem für Clinton wird sein, dass Trumps Anhänger hoch engagiert sind und daher in großer Zahl in die Wahlkabinen eilen werden. Clinton spricht mehr die Gemäßigten an - die am Wahltag vielleicht zu faul sein werden.

Der Filmemacher Michael Moore hatte in einem Beitrag geschrieben, dass Clinton einen "Erdrutschsieg" haben würde, wenn die Amerikaner "zu Hause von der X-Box oder Playstation aus" wählen gehen könnten. Da das nicht möglich ist, rechnet er mit einem Sieg von Trump.

Clintons uninspirierte erste Wahlkampfrede dürfte diese Situation nicht einfacher gemacht haben.

Mit Material der dpa und der AP

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(sk)