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Türkei fordert Bundesregierung zur Auslieferung von Putschisten auf

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Türkei fordert Bundesregierung zur Auslieferung von Putschisten auf | David Mdzinarishvili / Reuters
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  • Einem Medienbericht nach fordert die Türkei Deutschland zur Auslieferung von Putschisten auf
  • Dass Deutschland dem nachkommt, ist unwahrscheinlich

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat Deutschland aufgefordert, angebliche Putschisten in die Türkei auszuliefern. Das sagte er am Donnerstag dem Sender CNN Türk nach dessen Angaben.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht den in den USA lebenden Imam Fethullah Gülen und seine Anhänger dafür verantwortlich. Gülen selbst hat den Vorwurf zurückgewiesen.

Hizmet in Deutschland

Die dezentral organisierte Gülen-Bewegung, auch Hizmet (Dienst) genannt, ist weltweit aktiv. In Deutschland tritt sie als "Stiftung Dialog und Bildung" auf, die soziales Engagement und Bildung fördern will. Mit ihr assoziiert sind in Deutschland Kindertagesstätten, Schulen, Nachhilfeeinrichtungen.

Kritiker halten sie für intransparent. Kristina Dohrn, die als Ethnologin an der Freien Universität Berlin die Bewegung schon länger beobachtet, sagte der "Süddeutschen Zeitung", dass Hizmet war den Islam in Deutschland stärker etablieren wolle. Aber es gehe der Bewegung nicht ums Missionieren.

Heftige Übergriffe auf angebliche Erdogan-Kritiker

Schon wenige Stunden nach dem versuchten Putsch in der Türkei hatte es Übergriffe auf die Einrichtungen der Bewegung gegeben, darunter in Augsburg und Umgebung. Die Betroffenen vermuten Erdogan-Anhänger dahinter. Es gibt zahlreiche Berichte, wonach über die sozialen Medien eine Hetzjagd auf Anhänger von Hizmet gestartet wurde. Sie sollten der türkischen Regierung denunziert werden.

Dass die Stiftung auf ihrer deutschen Internetseite schreibt, sie verurteile den Putschversuch "aufs Allerschärfste", interessiert sie offensichtlich nicht.

Türkei forderte Auslieferung Gülens von den USA

Die türkische Regierung hat bereits die USA um Auslieferung Fethullah Gülens gebeten. Die US-Regierung hat das nicht direkt verweigert, verlangt aber belastbare Beweise für Gülens Schuld. Und die kann Erdogan ganz offensichtlich nicht vorlegen.

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Dass Deutschland mutmaßliche Putschisten ausliefert, ist wenig wahrscheinlich. Die Bundesrepublik liefert niemanden in Länder aus, in denen etwa die Todesstrafe droht. Doch genau die will Erdogan jetzt einführen.

Er hatte außerdem angekündigt, das Land von Gülen-Anhängern zu "säubern". Abertausende Soldaten, Richter, Lehrer, Journalisten und viele mehr sind bereits entlassen oder sogar verhaftet worden.

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