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May, Merkel, Clinton: Wie Frauen verändern, wie Politik gemacht wird

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HILLARY CLINTON ANGELA MERKEL
Angela Merkel trifft Hillary Clinton 2011 in Bonn | PATRIK STOLLARZ via Getty Images
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  • Mit Hillary Clinton könnte dieses Jahr schon die dritte Frau an die Spitze einer Großmacht gewählt werden
  • Laut verschiedenen Forschern verändern sie den Politikbetrieb gravierend
  • Das soll unter anderem an ihrer eigenen Selbstunterschätzung liegen

Nach Theresa May in Großbritannien, Tsai Ing-wen in China (beide seit 2016) und natürlich Angela Merkel könnte mit Hillary Clinton könnte ab November eine weitere Frau an der politischen Spitze einer wirtschaftlichen und politischen Großmacht stehen. Am Mittwoch wurde sie in den USA zur offiziellen Kandidatin der Demokraten gekürt.

Die Forschung ist eindeutig: Frauen in Machtpositionen verändern, wie Politik gemacht wird. Und sie machen in Teilen sogar besser und bessere Politik. Wir haben die spannendsten Studien zusammengetragen.

Zunächst treiben sie natürlich die Gleichberechtigung voran - einfach, indem sie eine politische Machtposition innehaben. Das Verhältnis von Männern und Frauen in der Politik ist nach wie vor sehr unausgeglichen: Die Vereinten Nationen stellten im August 2015 fest, dass zu diesem Zeitpunkt nur 22 Prozent der nationalen Parlamentarier weltweit weiblich waren. 11 Frauen waren Staatsoberhaupt, 10 Regierungschefs.

Akzeptanz und Vorbildfunktion

Sie verändern auch die gesellschaftliche Akzeptanz der Gleichberechtigung in eine positive Richtung, fand Lori Beaman mit drei Forscherkolleginnen für das "Science"-Magazin heraus.

Sie sind zwar Vorbilder für viele weitere Frauen - das heißt aber nicht, dass die Präsenz von Frauen in der Politik auch zur stärkeren Einbeziehung in allen Branchen führt. Das ergab eine Studie der Universität Cambridge im Dezember 2015.

Fokus hin zu mehr Themen, die Frauen betreffen

Innerhalb der Politik sollen Frauen aber mehr anderen weiblichen Kandidaten Chancen ermöglichen, stellten Christine Cheng und Margit Tavits von der University of Oxford 2011 fest. Außerdem würden weibliche Führungspersönlichkeiten in der Politik mehr Themen vorantreiben, die Fortschritte für Frauen bringen.

Michele Swers von der Gerogetown University in Washington, D.C., untersucht seit Jahren die weiblichen Abgeordneten im amerikanischen Kongress und auch sie kommt zu dem Schluss: Frauen bringen mehr "Frauenthemen" auf die Tagesordnung - von sexueller Gewalt über Gleichberechtigung in der Bezahlung bis zur Elternzeit.

So brachten liberale weibliche Abgeordnete mit je 10,6 beispielsweise doppelt so viele Gesetze auf den Weg, die die weibliche Gesundheit betreffen, wie ihre männlichen Kollegen.

Frauen sind laut Studie effektivere Gesetzesmacher

Laut Swers sind Frauen in ihren politischen Vorstößen auch effektiver: Seit 2009 konnten die Frauen im amerikanischen Kongress durchschnittlich 2,31 ihrer eigenen Entwürfe zu Gesetzen machen, bei den Männern sind es pro Kopf nur 1,57.

Sie bringen auch mehr Steuergelder zurück in ihren Wahlbezirk - zum Beispiel für Bildungsprogramme oder Straßenbaumaßnahmen. Das fand die Forscherin Sarah Anzia für das "American Journal of Political Science" heraus. Weibliche Abgeordnete schlugen 9 Prozent mehr für ihre Region heraus als die männlichen Kollegen.

Eine Erklärung: Die frauentypische Selbstunterschätzung

Anzia führt das darauf zurück, dass Frauen ihre Qualifikationen eher unterschätzen - und deswegen glauben, sich umso mehr anstrengen zu müssen, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden.

Auch würden aus diesem Grund eher überqualifizierte Frauen politische Führungspositionen ergreifen. "Wenn Frauen ihre Qualifikationen für ein Amt unterschätzen, werden nur die am höchsten qualifizierten, politisch ambitioniertesten Frauen als Kandidaten hervortreten", schreibt sie.

Wo Frauen in der Politik einem schwarzen Baseballspieler ähneln

Die Forscherin hält es deshalb für eine logische Konsequenz, dass die weiblichen Abgeordneten dann auch oft eine besseren Job machen als die männlichen Politiker.

Anzia nennt das den "Jill Robinson-Effekt" - nach dem ersten schwarzen Baseballspieler, der gleichzeitig als eines der Toptalente des Sports galt. "Robinson musste besser sein als fast jeder weiße Spieler, um die Vorurteile von Vereinen, Teamkollegen und Fans zu überwinden."

Persönliche Erfahrungen formen den weiblichen Politikstil

Zwar stehen Frauen in der heutigen politischen Welt nicht vor denselben Hürden wie Robinson - doch trotzdem müssen sie große Durchsetzungskraft beweisen.

Laut Jennifer Lawless und Richard L. Fox von der American University sind Frauen, die sich um ein politisches Amt bewerben, 15 mal häufiger für die Versorgung der Kinder zu Hause und sechs mal häufiger für den Großteil der Haushaltsarbeiten verantwortlich. Auch würden sie seltener von anderen motiviert werden, sich um ein Amt zu bewerben.

Die Forscher folgern daraus: Ihre Erfahrungen beeinflussen Frauen darin, wie sie regieren. Dass sie ihr Amt überhaupt innehaben, zeigt nicht nur, dass sie qualifiziert sind - sondern auch ihren großen Willen und ihre Fähigkeiten, überhaupt in diese Position zu kommen. Unterschätzen sollte man also keine von ihnen.

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