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Terror in Frankreich: So wollen die Medien gegen Terrorismus vorgehen

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Terror in Frankreich: So wollen die Medien gegen Terrorismus vorgehen | CHARLY TRIBALLEAU VIA GETTY IMAGES
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Zwei französische Zeitungen, "Le Monde" und "Le Croix", wollen ihre Berichterstattung über Terrorismus radikal verändern: Künftig werden sie keine Fotos mehr von Attentätern veröffentlichen – um zu verhindern, dass diese verehrt werden.

Die Tageszeitung "Le Monde“ gab am Mittwoch bekannt, eine neue Strategie gegen den Terrorismus aufzunehmen – und dazu gehöre auch, dass sie kein "Propaganda-Material“ veröffentliche und nicht mehr bekannt geben werde, wenn sich der so genannte "Islamische Staat“ zu Attentaten bekennt.

Die Verantwortlichen der Zeitung trafen diese Entscheidung einen Tag nachdem in ein Priester in der Normandie brutal ermordet worden war. Das war bereits der fünfte Anschlag in Frankreich in diesem Jahr. Mehr als 87 Menschen sind 2016 in Frankreich bei Terroranschlägen ums Leben gekommen.

"Le Monde"-Chefredakteur: "Auch Medien müssen Kampf gegen Terror führen"

Am 14. Juli, dem Nationalfeiertag, war ein Attentäter mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast und hatte 84 Menschen getötet.

"Für uns bedeutet der Kampf gegen den Terrorismus nicht nur, dass bewaffnete Truppen, Geheimdienste und Politiker dagegen vorgehen müssen“, schrieb der Chefredakteur der „Le Monde“, Jérôme Fenoglio, in einem Leitartikel.

"Dieser Kampf muss von der ganzen Gesellschaft geführt werden und dazu gehört vor allem unsere Medienlandschaft, die durch die digitale Revolution eine neue Macht bekommen hat.“

jérôme fenoglio

"Wir brauchen ein Umdenken bei den Unternehmen, die soziale Medien und die Massenmedien kontrollieren, denn sonst können wir uns nicht der Hass-Strategie der Terrororganisationen entgegen stellen“, so der Chefredakteur.

Die Zeitungen drucken keine Bilder von Terroristen

"Mit dem Aufstieg des IS musste ‚Le Monde’ die Methoden überdenken. Wir haben uns dafür entschieden, keine Bilder, Dokumente oder Propaganda-Material des IS zu veröffentlichen“.

Und weiter: "Nach dem Anschlag von Nizza werden wir keine Bilder von Terroristen mehr drucken, sie sollen nicht nach ihrem Tod verehrt werden. Wir beraten im Moment, was wir sonst noch tun können.“

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Fenoglio schrieb außerdem: "Diese Gedanken, Debatten und Veränderungen sind extrem wichtig, wenn wir gegen einen Feind gewinnen wollen, der moderne Kommunikationsmittel gegen uns verwendet. Wir wollen ihre Hass-Strategie brechen.“

"Wir tun das für alle, die dieser kriminellen Organisation zum Opfer fielen. Und seit Dienstag, 26. Juli, auch im Andenken an Pfarrer Jaques Hamel, der kaltblütig in seiner eigenen Kirche ermordet wurde.“

Der Vorstoß der Zeitungen ruft geteilte Meinungen hervor. Jonathan Russell, Vorstand der britischen Anti-Extremismus-Organisation The Quilliam Foundation, lobte die "großartige Entscheidung“ bei Twitter.

Der französische Radio-Moderator David Thomson wiederum ist der Meinung, dass das wahrscheinlich keinen Einfluss darauf haben werde, ob Anschläge verübt werden.

Auch die Tageszeitung "B.Z. Berlin" verzichtete in ihrer Sonntagsausgabe auf ein Foto des München-Amokläufers. "Dein Foto kommt nicht auf unseren Titel", steht auf der Titelseite.

Dieser Text erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Valentina Resetarits übersetzt und bearbeitet.

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(pb)