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Medien zeigen ein Deutschland-Bild, das nicht mehr existiert

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Medien zeigen ein Bild von Deutschland, das nicht mehr existiert | dpa
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Deutschland ist in den vergangenen Jahren in Sachen Gleichberechtigung enorm vorangekommen. Auch in den Medien steigt der Anteil von Journalistinnen - sie arbeiten als Verlegerinnen, Geschäftsführerinnen, Chefredakteurinnen, Ressortleiterinnen.

Frauen kommen vor allem dank Merkel vor

Doch das hatte nur wenig Auswirkungen auf die Darstellung von Frauen in der Presse. In den Berichten dominieren noch immer die Männer.

"Die deutschen Medien zeigen Deutschland immer noch wie vor 20 Jahren", sagt Roland Schatz, Chef des Medienanalyse-Unternehmens MediaTenor der Huffington Post.

MediaTenor hat exklusiv für die Huffington Post ausgewertet, wie Frauen in den Medien dargestellt werden. Das können Berichte über Politikerinnen wie die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig sein, über weibliche Vorstände in Dax-Konzernen oder Lehrerinnen, wenn es um Bildungsthemen geht.

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Für die Analyse hat MediaTenor Berichte aus den Jahren 1997 bis zum Juli 2016 ausgewertet. Und die Analyse ist nicht nur für Medienmacher interessant: Sie hat auch Auswirkungen darauf, wie die Gleichberechtigung in der Gesellschaft vorankommt.

Das Ergebnis der MediaTenor-Analyse: Frauen kommen in den Medien in Vergleich mit Männern kaum vor.

In Berichten im Fernsehen oder in Zeitungen wird über Männer fünfmal mehr als über Frauen berichtet. Sprich: Auf einen Bericht über Frauen kommen fünf Berichte über Männer.

Zwar ist der Anteil der Frauen in der Medienberichterstattung seit 2001 leicht gestiegen - aber nur weil Angela Merkel Kanzlerin wurde. Jeder dritte Artikel über eine Frau ist einer über Angela Merkel, hat Media Tenor herausgefunden.

"Motiviert junge Frauen nicht"

"Rund ein Drittel aller Berichte über Frauen bezieht sich auf die Ausnahme-Situation von Frauen in der Politik – während die Gesellschafts-Bereiche, in denen Frauen einen deutlich höheren Anteil in Führungspositionen besetzten wie Wissenschaft, Gesundheit, kaum dargestellt werden", sagt Roland Schatz.

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Und die ungleiche Berichterstattung bleibt nicht ohne Folgen, wie Schatz erklärt.

Vor allem in der Wirtschaft. "Solange bei Interviews zu Fragen der Wirtschaft im Verhältnis 1:12 bevorzugt Manager um ihre Einschätzung gebeten werden, werden junge Frauen sich bei der Berufswahl kaum motiviert sehen, Vorbildern zu folgen", warnt er.

Was man beachtet, verstärkt sich - was nicht beachtet wird, bleibt schwach.

Aber nicht nur die Wirtschaftsberichterstattung ist in Bezug auf Frauen problematisch. Auch in der Wissenschaft herrscht ein dramatisches Missverhältnis. So heißt es in der MediaTenor-Auswertung:

"Obwohl der Anteil Frauen in der Wissenschaft deutlich normal-verteilter ist als in anderen Bereichen, werden von den ausgewählten Leitmedien unverändert mehr Männer mit Forschungsergebnissen sichtbar als Frauen."

"Es hat sich nichts getan"

Das Fazit, das Schatz aus der Analyse des Zahlenberges zieht, ist deutlich: "Nichts, aber rein gar nichts hat sich in Bezug auf die Berichterstattung über Frauen getan."

Nicht nur, dass Medien die fortschreitende Gleichberechtigung in Deutschland nicht abbilden - sie bremsen sie sogar.

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(jkl)